Wellness in Balance
Das Wissen vom gesunden Leben ist seit 2000 Jahren in Bewegung
Wellness ist in aller Munde. Wellness kommt aus der Mode, Wellness ist ein Schimpfwort. Wellness ist verwässert … Aber wo kommt das Wort eigentlich her?
Wer glaubt, Wellness wäre ein Modewort aus den 90er Jahren, irrt: Bereits seit 300 Jahren existiert das Wort im Englischen und steht für Wohlbefinden und Gesundheit.
Während in Deutschland der Beginn der Wellness-Strömung im Bereich Kosmetik und Massage lag, war er in den USA von Anfang an mit dem Thema Gesund leben verbunden. So setzte sich dort bereits in den 50er Jahren Dr. Dunn für einen gesundheitsorientierten Lebensstil ein. Er verfolgte das Ziel, die Menschen über ihren Körper und die Gesundheit zu informieren und sie damit von den „Halbgöttern in weiß“ unabhängiger zu machen. Verschiedene Wellnessmodelle wurden dann in den 70er Jahren auch von Dr. Hettler und Dr. Ardell aufgestellt, bis schließlich Dr. Travis ein Wellnessmodell formulierte, das ganze zwölf Bereiche umfasste, die für ein Gleichgewicht des Menschen und für seine Gesundheit von Bedeutung wären. Dieses Travis-Modell wird heute bei der Ausbildung von Wellnesstrainern und -beratern behandelt und bildet die wichtigsten Grundlagen (siehe Grafik).
All diese Wellnessexperten verfolgen das Ziel, zu untersuchen wie und warum ein Mensch GESUND sein kann und gegen Krankheiten gewappnet ist. Gerade die Entwicklung der großen Volkskrankheiten machen so eine Untersuchung notwendig, denn obwohl wir mittlerweile im Durchschnitt sehr alt werden, sind die Kosten dieser Krankheiten für den Einzelnen ebenso groß wie für das Gesundheitssystem insgesamt. Eine internationale Forschungsstudie aus den 70er Jahren stellte gar fest, dass die Ursachen für einen frühen Tod vor dem 65. Lebensjahr zu 48% im Lebensstil zu suchen sind, gefolgt von lediglich 24%, die genetisch bedingt sein sollen und immerhin 28% in weiteren Umweltfaktoren und dem Medizinsystem liegen. Seither wurde das Thema immer populärer.
Gemeinsam sind diesen Wellness-Modellen die Bereiche Bewegung, Ernährung, Entspannung, und dies sind auch die Bereiche, in denen – neben Suchtprävention – die Krankenkassen heutzutage Präventionskurse anbieten. Ob zu Hause oder im Kurort/Gesundheitsurlaub – zwischen einem und fünf Kursen kann der gesetzlich Versicherte jährlich in den verschiedenen Bereichen besuchen. Von Nordic Walking über Tai Chi, Qi Gong, Rückenschule oder autogenes Training – sie sollen helfen, die weit größeren Kosten bei späteren Krankheiten zu reduzieren. (siehe auch Seite …)
Große Unterschiede bestehen in den Bereichen, die von Medizinern weniger zu fassen sind: Der eine formuliert dies als „Sinn des Lebens“, als „Verantwortung“, auch soziales Leben, Freundschaft und Liebe oder Spiritualität spielen eine große Rolle. Auch zu diesen Bereichen gibt es heute Untersuchungen, die belegen, dass Menschen, die in diesen Bereichen „mit sich im Reinen“ sind oder in glücklichen Beziehungen leben, länger leben und gesünder sind. Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens ist das Thema Esoterik und Spiritualität ein wichtiger Bestandteil des Wellnessbereichs geworden (wir berichten in der nächsten Ausgabe über dieses Thema.)
Ist das alles neu?
Wer sich mit verschiedenen Lehren der Naturheilkunde befasst, sieht, dass diese bereits große Parallelen mit den oben beschriebenen Wellnessmodellen aufweisen. Gemeinsam ist allen, dass ein Gleichgewicht beschrieben wird, in dem der Mensch leben sollte. Nicht nur im asiatischen Raum, auch hierzulande gibt es Traditionen, die heute wieder aufleben: Als Beispiel sei die Kneippsche Philosophie genannt und die die Kurmedizin insgesamt, die sich seit Jahrhunderten um die Heilmittel im Kurort herum entwickelt hat.
Die Kneippsche Naturheilkunde entstand im 19. Jahrhundert als eine Art Gegenbewegung zur Schulmedizin, welche die alte Kräuterheilkunde und Volksmedizin erfolgreich verdrängt hatte. Sebastian Kneipp selbst war als Jugendlicher schwindsüchtig und heilte sich selbst, indem er sein Immunsystem dadurch stärkte, dass er regelmäßig in die kalte Isar sprang. Zu dieser Zeit mussten große Teile der Fabrikarbeiter in dunklen, schlecht belüfteten Räumen viele Stunden in der Woche arbeiten, und Kneipps Lehre stellte auch eine Reaktion auf diese ungesunden Lebensbedingungen in den Städten dar. Kneipp war Pfarrer in Bad Wörishofen und wurde anfangs von den Ärzten belächelt oder bekämpft. Er war dafür bekannt, dass er die Armen umsonst, die Reichen gegen Geld kurierte, aber alle wiederum gleich behandelte. Sein Fünf-Säulenmodell hat große Ähnlichkeit mit den o.g. Wellnessmodellen – auch hier gibt es Ernährung, Bewegung und Entspannung. Dazu kommen bei ihm noch die Bereiche Wasser und Kräuter.
Was die „Bewegung“ anbetraf, animierte Kneipp seine Patienten allerdings nicht nur zu Sportarten sondern beispielsweise auch dazu, Holz zu hacken. Der Bereich „Entspannung“ und „Sinn des Lebens“ geht bei ihm eine Einheit ein: Die Säule Ordnungstherapie bedeutete auch, regelmäßig zu essen oder zu schlafen und Rhythmen im Leben zu haben. Zeitgemäß wird diese Säule heute nicht Ordnungstherapie sondern „innere Balance“ genannt und beinhaltet so auch Entspannungstrainings.
Jeder denkt bei Kneipp an kaltes Wasser – und wirklich stand zunächst die Wassertherapie im Mittelpunkt. Dies waren Güsse und Bäder, die erst nur mit kaltem Wasser, später auch als Wechselreize heiß und kalt durchgeführt wurden. Last but not least wurde auch die gute alte Kräuterheilkunde wiederentdeckt und weiterentwickelt – die Kneippschen Tees und Ölbäder sind ja berühmt.
Wer unter den Älteren eine abhärtende Kneippkur der 60er Jahre erlebt hat und um sechs Uhr morgens bereits mit kaltem Wasser abgespritzt wurde, der könnte meinen, die Kneippsche Lehre wäre selbst etwas streng. Jedoch ist dies eher ein Ergebnis der Ideale „Gesundheit und Abhärtung“ der 30er bis 50er Jahre, als Kinder auch mit Büchern auf dem Kopf üben sollten, gerade zu gehen. Kneipp selbst konnte sehr gut genießen, aß gerne und gut, trank ein Bierchen oder Glas Wein und liebte seine Zigarre – alles in Maßen versteht sich. Ein Grund mehr, Kneipp im Zusammenhang mit Wellness zu aktualisieren und modernisieren, wie dies viele Einrichtungen und Kurorte heute tun.
Beispiel zwei: Die Kurmedizin
Die Kurorte haben in Deutschland jahrhundertealte Tradition – schon Goethe fuhr beispielsweise nach Bad Pyrmont. Die alten römischen Kurorte Baden-Baden, Badenweiler oder Wiesbaden wurden wiederentdeckt. In Bad Pyrmont hatte sich ein Kurort um den Hylligen Born gebildet, ein Brunnen, aus dem Thermalwasser aus großer Tiefe sprudelte. Zunächst wurde dies Wasser getrunken, später badete man auch darin. Erst später entstanden auch Badeorte an der Küste (der Vorreiter in Sachen Seebäder war England), als man die Bedeutung der salzhaltigen Seeluft erkannte. In den Bergen entstanden die Kurkliniken, die das Heilklima als Mittel einsetzten. Aus der Salzproduktion blieben Gradierwerke übrig, die Salzluft in die Umgebung abgaben – aus Orten der Salzproduktion wurden nun Kurorte. Moor wurde geborgen und für warme Moorbäder und Packungen eingesetzt.
Die Kurorte werden damals und heute noch nach ihren Heilmitteln prädikatisiert – man nennt dies heute „ortsgebundene Heilmittel“, weil sie an den Ort gebunden sind. Neben 4000 anerkannten Erholungsorten gibt es heute aktuell 310 prädikatisierte Kurorte in Deutschland, die aber immerhin knapp 30% des Übernachtungsaufkommens für sich verbuchen.
Da die Kurortmedizin mit den Mitteln der Natur arbeitete, war sie immer auch eine Naturheilkunde – zur Vorbeugung vor Krankheiten oder zur Rehabilitation wurden über Jahrhunderte Menschen zur Kur geschickt. Ärzte und Wissenschaftler der Kurmedizin erforschten die Wirkung der Heilmittel und erfanden die Kuren als „Intensivseminar in Sachen Gesundheit“. Da heute viele Kuren nicht mehr von Krankenkassen bezahlt werden, entsteht hier ein wachsender Bereich des Gesundheitstourismus’, in dem Gesundheitsurlaube angeboten werden, die komplett selbst bezahlt oder von Krankenkassen bezuschusst werden.
Wellness oder Medical Wellness
Vor einigen Jahren wurde zudem das Wort Medical Wellness geprägt. Wellnesshotels, die mehr als nur Wohlfühlen bieten wollten, stellen unter diesem Label ärztliche Betreuung zur Verfügung, und auch hier kann man Wohlfühlangebote mit Gesundheit verbinden. Der Großteil oder komplette Aufenthalt wird hier allerdings selbst gezahlt. Kein Wunder: 80% der Medical Wellness-Angebote werden in Kurorten angeboten – moderne Trends verbinden sich hier mit alten Traditionen der Kurmedizin.
Vorbilder der Vorbilder
Doch seit wann gibt es eigentlich Naturheilkunde? Welche Vorbilder hatte beispielsweise Sebastian Kneipp? Kneipp hatte in seiner Jugend das Büchlein über „Krafft und Würckung des frischen Wassers“ des schlesischen Arztes Johann Siegmund Hahn aus dem Jahr 1749 gelesen. Und auch im antiken Griechenland und Rom hatte es Kaltwasser-Ärzte gegeben. Als die Römer die ersten Heilquellen entdeckt hatten und Thermen bauen konnten, entstanden im römischen Reich die ersten Heilbäder. Selbst hierzulande gab es (neben vielen kleineren Thermen für Legionäre) zwei berühmte Heilbäder: Baden-Baden und Badenweiler (siehe Seite …). Über Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende wird Wissen überliefert, weiterentwickelt oder gerät wieder in Vergessenheit. Am Beispiel der Alten Badekulturen hatte die heiss+kalt-Redaktion ähnliche Entwicklungen dargestellt (Ausgabe 2005).
Ein Team aus Ärzten, Historikern und Redakteuren begab sich für einen Film auf die Suche und verglich die Medizin der alten Hochkulturen Indien, China und Griechenland bzw. Rom. Die Ergebnisse kann man in dem Buch „Die Erfinder der Wellness“ nachlesen. Beim Kapitel „Was das Leben in Balance hält“ stockt dem Wellnessfreund der Atem: „Die Konzepte oder Vorstellungen im alten China, in Indien oder Rom, was das Leben in Balance und damit gesund erhält, und welche Einflüsse dieses Gleichgewicht stören“, heißt es da, „zeigen interessante Übereinstimmungen, aber auch Besonderheiten. Die Gesundheitslehren der alten Hochkulturen gehen von einem umfassenden ganzheitlichen Verständnis des Lebens aus.“
Könnte das nur eine idealisierte Vorstellung der alten Kulturen sein, denkt man vielleicht beim anfänglichen Lesen skeptisch. Aber Seite für Seite wird aufgerollt, erläutert und werden Parallelen gezeigt. Einige von ihnen möchte ich kurz andeuten, ausführlich mag das Buch selbst studiert werden.
Das medizinische Denken des Westens und des Ostens ist heute diametral entgegengesetzt. Die Lehren der Naturheilkunde oder die TCM werden von Schulmedizinern nach wie vor mit Skepsis beobachtet, eine vorsichtige Annäherung gibt es allerdings. In den alten Hochkulturen waren diese Gegensätze nach Ansicht der Autoren noch nicht so groß. Die Lehren des Hippokrates, der alten chinesischen Medizin und des Ayurveda hatten viele Übereinstimmungen. Wieso aber wurde die Naturheilkunde hierzulande so zurückgedrängt während sie in China bis heute überlebte? Die Autoren beschreiben dies so: „Doch in Europa gingen diese Denkwelten mit der Christianisierung, den Brüchen im Mittelalter und in der Renaissance weitgehend verloren, um schließlich von den durch die Industrialisierung geprägten mechanistischen Naturwissenschaften endgültig verdrängt zu werden.“
Da sich das römische Reich bis in Teile des heutigen Deutschlands erstreckte, sind die medizinischen Erkenntnisse des Alten Rom für uns besonders spannend, denn gerade die alten Thermen wurden ja schon im 19. Jahrhundert wiedererbaut.
Uraltes Wissen um die Heilkraft der Kräuter
Die Thermen der Römer sind mittlerweile bekannt. Weniger bekannt ist, dass die Römer bereits eine Gesundheitslehre hatten, die alle Elemente enthält, die Kneipp später weiterentwickelte. Beispielsweise der Bereich Kräuter: Im ersten Jahrhundert nach Christi entwickelte Dioskurides eine fünfbändige Arzneimittellehre (Materia Medica), die für viele Jahrhunderte das wichtigste Arzneibuch Europas blieb. Detailliert wurde beschrieben, gegen welche Übel welches Kraut gewachsen war. Auch in China entstand bereits 3000 v. Chr. das erste bekannte Kräuterbuch. Viele ihrer komplexen Mischungen ringen auch heutigen Pharmazeuten Respekt ab. „Viele ihrer Heilpflanzen finden sich mit tendenziell ähnlicher Verwendung auch im Westen, etwa die Rhabarberwurzel, Engelwurz, Zimt, Ingwer, Pfefferminz oder Wegerich.“
Ebenfalls bekannt waren schon damals die Wirkung von Heilerden. Der berühmte römische Arzt Galen reiste durch die ganze Welt, um Kräuter und Heilmittel zu sammeln. Auf der Insel Lemnos, einer Insel im Toten Meer, fand er die Lemnische Heilerde, die er erfolgreich für die Behandlung von Wunden einsetzte. Über die Alten Karawanenstraßen gab es damals bereits eine Art Welthandel mit Pelz oder Seide, Gewürzen und eben auch Arzneimitteln und Kräutern.
Wärme ist gut, Kälte ist besser – Balnelogisches Wissen im Alten Rom
Viele kennen die römischen Thermen – weniger bekannt ist die Tatsache, dass man im alten Griechenland oder Rom auch kalte Wasserbehandlungen einsetzte. Bereits Hippokrates (5. Jahrhundert vor Chr.) bestand auf einer genauen Kombination von kalten und warmen Bädern, um die Körpersäfte, von denen man damals sprach, zu harmonisieren. Drei Jahrhunderte später empfahl in Rom der griechische Arzt Asklepiades kalte Bäder, so dass er „Kaltwasser-Geber“ genannt wurde. Sein Schüler Antonius Musa wiederum ging in die Geschichte ein: Er war noch Sklave, als er Kaiser Augustus mit warmen und kalten Wechselgüssen behandelte, der quälende Gelenkschmerzen hatte. Als der Kaiser von seinen Schmerzen geheilt war, wurde Musa zum Leibarzt ernannt, er wurde zum freien Bürger Roms und der Beruf des Arztes wurde sogar von allen Steuern befreit.
Gesunde Ernährung im Alten Griechenland
Eine komplette Lehre der richtigen Ernährung entwickelte bereits Hippokrates. Seine Vorstellung der richtigen Mischung der Ernährung entspricht bereits fast vollständig dem, was heute die moderne Ernährungswissenschaft für gesund hält: Hülsenfrüchte, Fische und Käse, Kohlenhydrate (Vollkorn), Fette (nicht zu viel tierisches Fett), Mineralstoffe und Vitamine sollten in einem ausgewogenen Verhältnis verzehrt werden.
Fitness à la China oder Rom
Während im Osten sanfte Bewegungsmethoden wie Tai Chi oder Qi Gong entwickelt wurden, die den Fluss der Energien aufrecht erhalten sollten, entstanden im Alten Griechenland und Rom Sportarten, die wir heute noch kennen: Lauf, Weitsprung, Speerwurf, Ringen oder Boxen. Der Wettkampf mit massentauglichen Inszenierungen stand dabei im Mittelpunkt. Allerdings waren diese Trainingsarten unter den Lehrmeistern des gesunden Lebens schon damals umstritten: Man erkannte die Nachteile des einseitigen Trainingsverhalten im Leistungssport.
Aber den Römern lag der normale Freizeitsport ohnehin näher als den Griechen. An die antiken Thermen waren sogenannte Palästren (Sportplätze) angeschlossen, die als Ballspielplätze oder Orte für gymnastische Übungen zur Verfügung standen.
Die Lehre von der gesunden Lebensweise entwickelte sich im römischen Reich aus einer Kombination der alten römischen Volksmedizin mit den Erkenntnissen der griechischen Heilkundigen. Alles, was heutige Wellnessmodelle erfassen, war damals schon vorhanden: „Die Vorstellungen von einer gesunden Lebensweise umfassten Hygiene, angemessen betriebenen Sport, richtige Ernährung, physiotherapeutische Behandlungsmethoden wie Bäder, Massagen und Bewegungstherapie sowie eine umfassende Kräutermedizin.“ Sebastian Kneipp ist es später gelungen, all diese Säulen aufzunehmen und im entstehenden Industriezeitalter zur Geltung zu bringen.
Die alten Gesundheitslehren Indien und Chinas lassen sich hier nicht mehr ausreichend darstellen. Wir werden dies in der Dezember-Ausgabe wieder aufnehmen. Nur kurz sei erwähnt: Den meisten begegnen heute im Wellnessbereich die Begriffe Ayurveda und Qi, die Lebensenergie. Beispielsweise bei Ayurveda-Massagen oder Qi Gong. Vieles wird jedoch von der zeitgemäßen Wellnesskultur nur bruchstückhaft aufgenommen, denn um die Traditionelle Chinesische Medizin oder Ayurveda wirklich zu begreifen, bedarf es in den Herkunftsländern eines mehrjährigen Studiums. Um so größer ist der Widerspruch, wenn eine Weiterbildung in Sachen Ayurveda-Massage hierzulande nur wenige Tage umfasst. Leider ist der Name Ayurveda nicht geschützt, und es handelt sich hier einfach um Ölmassagen. Mit Ayurveda hat dies so wenig zu tun, wie ein Hamam in Deutschland mit dem ursprünglichen Hamam in der Türkei. Im zitierten Buch „Entdecker der Wellness“ findet der/die Interessierte die Grundzüge der alten Gesundheitslehren Chinas und Indiens.
Wellness in Deutschland
Doch zurück zur Gegenwart: In Deutschland wurde Wellness zunächst in den 90er Jahren im Kosmetik-Bereich bekannt, man verband mit Wellness zunächst Massagearten, die dem Wohlbefinden dienten. Dies wurde dann von Hotels aufgenommen, die sich dann Wellnesshotels nannten, wenn sie Beauty, Schwimmbad und Sauna aufweisen konnten. Danach nahmen privat betriebene Saunabäder, städtische Hallen- und Freizeitbäder das Thema Wellness auf, Thermen in römischer Tradition wurden neu gebaut. Selbst Fitnessstudios bauen heute angenehme Wellness-Bereiche ein – der Wellness-Trend ist im Bereich Sauna und Baden ungebrochen.
Doch wohin wird sich der Wellness-Trend entwickeln?
Während anfangs das passive Verwöhntwerden im Mittelpunkt stand, ist heute verstärkt ein Trend zu Gesundheit zu beobachten. Daher werden auch Wellnessmodelle nach Travis oder Kneippsche Philosophie so schnell nicht an Aktualität verlieren. Der Wellnessfreund ist gefordert mit der Frage: Was kann ich selbst aktiv für meine Gesundheit tun? Ob Wellnesshotels oder Kurorte – überall werden vermehrt Nordic Walking, Rückenschule oder Yoga-Kurse angeboten, man lernt hier etwas, das man zu Hause weiterführen kann. Ganz wichtig ist dabei der Begriff „Nachhaltigkeit“: Je kürzer die Aufenthalte im Kurort oder Hotel sind, desto wichtiger ist es, die Gesundheitsmaßnahmen nach Hause mitzunehmen und auch dort etwas für sich zu tun.
Was würde Kneipp zu Wellness sagen, fragten wir neulich die Leiterin des Kneippianums, der alten von Sebastian Kneipp gegründeten Kurklinik, die heute einen modernen Spa-Bereich umfasst. „Kneipp würde den Trend zu Wellness bejahen“, antwortete Christiane Rapp lachend. „Allerdings mit einer Einschränkung: Anwendungen, die nur Hokuspokus sind, würde er nicht befürworten.“ Christiane Rapp ist wie viele Experten der Meinung, dass Anwendungen, die nur angenehm oder exotisch sind, als Modeerscheinung vom Markt verschwinden werden. „Langfristig durchsetzen werden sich solche Methoden, bei denen der Gast wirklich einen gesundheitlichen Effekt spürt.“
Wie kann gesundes Leben Spaß machen?
Ob Hippokrates, Kneipp oder moderne Wellness-Experten – in einem waren sich die Gelehrten des gesunden Lebens schon immer einig: Eine Mäßigung ist in vielen Bereichen der Kern eines gesunden Lebensstils. Ausgewogene Ernährung, angemessene Bewegung und ausreichender Schlaf sind wichtige Grundlagen. Ein weiteres Element ist der Bereich der Sucht-Prävention, denn von Nikotin über Alkohol bis hin zu Zucker sind wir häufig Opfer einer Sucht-Struktur. Viele Krankenkassen kürzen leider gerade genau diese Bereiche der Prävention (Bewegung, Ernährung, Entspannung, Suchtprävention), obwohl doch Ausgaben von 200 oder 300 Euro jährlich pro Mitglied gering scheinen angesichts der Kosten nur eines Krankenhaus-Tages. (siehe Seite ….) Wie das Leben trotz einer solchen „Enthaltsamkeit“ oder gerade durch einen gesunden Lebensstil Spaß machen kann und lustvoll ist, das wollen und müssen die Wellness-Experten zeigen. Damals wie heute.
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