1.1. Einleitung
Warum ist es eigentlich interessant, sich mit alten Schwitzkulturen und Traditionen zu beschäftigen?
Heute finden sich in den neu entstehenden Sauna- und Thermalbädern hunderte verschiedener Schwitzkabinen und Dampfbäder. Einige sind neue Erfindungen wie das Sanarium oder feuchtes Warmluftbad aus Holz oder bayrische Bäder, die aus alten Bräuchen neue Badeformen machen – andere haben wirklich Ursprünge die tausende von Jahren alt sind. Eine Badekabine ist mehr als nur eine Kabine aus Stein oder Holz mit einer Temperatur und ein paar Regeln, wie sie verwendet werden soll – alle –Badekulturen hatten historisch gesehen soziale, kulturelle, früher auch religiöse und medizinische Aspekte. Darum spreche ich auch gerne von SchwitzKULTUREN, denn es ist eine kulturelle Leistung, die solche Traditionen hervorbringt.
Ich möchte nun ganz kurz erläutern, wie es eigentlich anfing. Bereits in der Steinzeit wurde geschwitzt – das ist nachgewiesen. Man grub ein Erdloch, benutzte eine Höhle oder baute ein Zelt. Dann wurde ein Feuer entfacht, Steine darin erhitzt und die heißen Steine in das Erdloch oder die Höhle getragen.
Natürlich ist das mit den Überlieferungen und der Wahrheit immer so eine Sache.
Es gibt ein erstes Zitat von Herodot, um die Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. Herodot war Grieche (die Griechen hatten – wie ich später beschreibe – schon eine höherstehende Badekultur mit Dampfbad) und trifft auf die Skythen, eine Jägerkultur der steinzeitlichen Kulturstufe im heutigen Südrussland. Er beschreibt also ein Schwitzzelt: „Sie lehnen drei Holzstangen aufrecht aneinander, umspannen sie mit Wolldecken, die sie möglichst fest verschließen und werfen dann glühende Steine in einen Topf, der in der Mitte steht. Sie werfen Hanf auf die glühenden Steine, der beginnt zu rauchen und entwickelt so viel Dampf, dass ihn kein griechisches Dampfbad übertreffen dürfte. Dies dient ihnen als Bad, denn in Wasser baden sie ihren Körper überhaupt nicht.“ Man nimmt heute allerdings an, dass Herodot den Kult nicht richtig verstanden hat und dass es sich um einen Totenkult handelte und der indische Hanfsamen einen Rauschzustand hervorgerufen hat. Wie verbreiteten sich diese Badeformen (man sagt Steinschwitzbad) über die ganze Welt?
Durch Völkerwanderungen z.B. über die Behringstraße (10.000 v. Chr.) verbreiteten sich ähnliche Schwitzformen in Finnland, Nordrussland, Korea, Nord- und Mittelamerika. Diese dienten der Reinigung genauso wie religiösen Riten und Heilung, die Reinigung des Körpers und der Seele hingen eng zusammen.
Man baute in verschiedenen Regionen der Welt Schwitzkabinen meist mit dem Material, das reichlich vorhanden war, d.h. Schwitzhäuser: aus Holz mit der Blockbautechnik im Norden, aus Lehm oder später aus Stein und Keramik in vielen südlichen Ländern; Zeltschwitzbäder wurden von vor allem von Nomaden benutzt
Unterschiede und Gemeinsamkeiten
Trotz dieser Verschiedenheiten gibt es aus heutiger Sicht auch auffallende Ähnlichkeiten: zum Beispiel oft wurde in der Mitte der Hütte oder des Raumes ein Feuer entfacht, dessen Rauch durch ein Loch in der Decke entweichen konnte. Das war bei der finnische Rauchsauna ähnlich wie beim Laconicum der Römischen Thermen: auch da wurde der massiv gebaute Raum durch eine Feuerstelle erhitzt. Die Temperatur im Laconicum konnte über eine Platte vor der Deckenöffnung reguliert werden, die dann jeweils geöffnet oder geschlossen wurde. Gemeinsam ist allen Badeformen auch die Abwechslung von heiss+kalt-Anwendungen, die also wohl schon in der Steinzeit entdeckt worden ist.
Schwimmen und Baden
Die Entwicklung des Schwimmens und Badens läuft quasi parallel zu der des Schwitzens.
Zuerst schwamm man in Flüssen, später dann in warmen und kalten Becken.
Z.B. beherbergten die Paläste der Herrscher von Mesopotamien schon 4500 v. Chr. tönerne Wannen Solche Räume benötigten etwas mehr Technik als nur eine Feuerstelle in der Schwitzhütte wie z.B. Kanalisation für die Ableitung des Schmutzwassers. In den höher entwickelten Badekulturen verbinden sich nun kalte und warme Becken mit Schwitzkabinen – wie so vieles in unserer Kultur hat auch die Badekultur ihren Ursprung im alten Griechenland. Die Badekultur entwickelte sich in Griechenland aus dem Vorbild der altorientalischen und indischen Kulturen. Mittelpunkt der Kultur ist der Sport, der ja – wie wir aus der Geschichte der Olympiade wissen – eine große Bedeutung in der antiken griechischen Kultur hatte. Die Sportler sollten sich beim Schwitzen reinigen und abhärten. Sie sollten im Laconicum vor allem die Schmutzkruste entfernen, die sie sich vorher durch Öl und aufgewirbelten Staub zugezogen hatten. Aber ein warmes Wasserbad galt damals als verweichlichend und war nur Alten und Kranken gestattet. In diesen Sportstätten gibt es nun Baderäume verschiedener Temperaturen: das Tepidarium zum Vorwärmen des Körpers, das Laconicum als Warmluftraum und das Frigidarium als unbeheizten Raum mit Kaltwasserbecken. Zum ersten Mal wird der Nutzen des Schwitzbades quasi medizinisch beschrieben: Der Urvater der wissenschaftlichen Medizin Hippokrates schrieb dem Heißluftbad schon damals medizinischen Nutzen zu und empfahl unfruchtbaren Frauen den Besuch des Schwitzbades.
Römische Badekultur
Die römische Badekultur entwickelte sich aus dem Vorbild der griechischen. Nachdem man bei der Gründung Roms (753 v. Chr.) noch im Tiber schwamm, entstanden 300 v. Chr. die ersten Thermen nach griechischem Vorbild, allerdings noch klein und dunkel. Danach ging es aber rasant weiter: erst 90 v. Chr. wurde die berühmte Hypokaustenheizung (Luftheizung) eingeführt, die den Thermenbau ermöglichte, und die Fenstergläser erfunden. Als dann 19. v. Chr. die Therme des Feldherrn Agrippa eröffnete hatte, sie schon eine Fläche von 14.000 Quadratmetern. Die Kaiser übertrafen sich dann gegenseitig, wer den Bürgern die größte und luxuriöseste Therme bauen konnte. In den Thermen der Kaiserzeit hielten sich bis zu 3.000 Personen auf. Zu den drei Schwitzräumen der Griechen kommen jetzt noch das Apodyterium als Umkleideraum und häufig das Caldarium als feuchter heißer Baderaum hinzu. In den Apodyteria, den Umkleideräumen, gab es Sitzbänke und abschließbare Wandnischen für die Kleidung. Das unbeheizte Frigidarium war der größte Raum der Therme mit Kaltwasserbecken und Marmorsesseln, in denen man liegen und sich mit kaltem Wasser übergießen lassen konnte. In der Caracalla Therme soll es davon 1.600 Marmorsessel gegeben haben! Das Übergießen wurde von „mitgebrachten“ Sklaven, oder von den Bademeistern (balneatores) durchgeführt. Das Frigidarium wurde direkt nach dem Sport besucht oder nur durchschritten, um sich nach einem Aufenthalt in den Warmräumen abzukühlen.
Im kleineren Tepidarium wärmte man sich bei 25° bis 30° C auf, außerdem diente es der Unterhaltung und der Körperpflege. Hatte sich der Gast lang genug im Tepidarium aufgehalten, ließ er sich von einem Fricor (Bad-Diener) kräftig mit Tüchern abrubbeln. Angenehm vorgewärmt ging man in den eigentlichen Heißluftraum, das Caldarium. Das Caldarium (50° C, Luftfeuchtigkeit 90 bis 100 %) war ein Dampfbaderaum, dessen Fußboden so heiß war, dass er nur mit Holzschuhen betreten werden konnte. Häufig gab es zusätzliche Warmwasserbecken, aus denen Dampfschwaden aufstiegen. Man legte sich mit dem ganzen Körper in die Becken hinein und konnte sich dann von Sklaven mit warmem Wasser übergießen lassen. Große Thermen hatten außerdem das trockene Schwitzbad griechischer Tradition, das Laconicum oder Sudatorium. Es wurde durch eine Feuerstelle im Rauminneren geheizt und erreichte eine Temperatur von bis zu 80° C. Zum Abkühlen gab es in der Regel auch ein Natatio, ein nicht überdachtes Kaltwasserbecken. Die Räume waren anfangs nebeneinander, später ringförmig angeordnet. In den Caracalla-Thermen konnte man schon in verschiedene Richtungen schlendern – oder sich von Sklaven in einer Sänfte tragen lassen. Die Thermen waren Orte der Kommunikation, Reinigung, Schönheitspflege, Sport und Weiterbildung. Also eigentlich alles, was man heute unter Wellness versteht bis hin zur Gastronomie war damals schon vorhanden. Das Leben sah natürlich etwas anders aus als heute. Die Frauen badeten zu bestimmten Zeiten, meistens vormittags, kamen mit Gefolge, stellten Kleider und Schmuckstücke zur Schau und widmeten sich vor allem der Schönheitspflege. Das Laconium, das trockene Schwitzbad, wurde – wenn vorhanden – nicht von Frauen benutzt. – Es scheint, als hätte sich die Vorliebe der Frauen für sanftere Bäder bis heute erhalten, wo Frauen häufig lieber die feuchten Warmluftbäder benutzen.
Vom islamischen Bad zum Hamam
Nach dem Verfall des römischen Reiches entwickelte sich im Süden des ehemaligen römischen Reiches, im byzantinischen Reich, das römische Bad weiter: Vorhalle, Tepidarium, Caldarium verbreiteten sich im islamisch-arabischen Kulturraum mit Hervorhebung der überkuppelten Vorhalle. Moslems werden zahlreiche Waschungen vorgeschrieben, durch die sie seelisch rein werden können. Allerdings gibt es eine aus religiösen Gründen unverzichtbare Prämisse, die sich auf die Badekultur auswirken sollte: Es muss sich um fließendes Wasser handeln. Daher kamen für gläubige Moslems alle Wannenbäder, kalte und warme Schwimmbäder nicht infrage, das Dampfbad gewann allerdings immer größere Bedeutung. Der Islam entstand 600-700 nach Christus in der Wüste Arabiens. Das islamische Bad entwickelte in der Raumfolge aus der römischen Tradition. Aufbau, Dekoration und Ausstattung aber waren orientalisch geprägt.
Die islamischen Bäder waren im Vergleich zu den antiken so klein, dass der Schriftsteller Ibn Duqmaq sie ironisch „Mausbäder“ nannte. Auch das arabische Bad hatte neben der religiösen auch kommunikative Bedeutung.
Der Harara, der heiße Dampfschwitzraum, entwickelte sich aus dem römischen Caldarium. Das Hamam, als weiterentwickelte traditionelle Badeform, ist in islamistischen Regionen immer noch ein religiöses Ritual: Man reinigt sich vor dem Gebet.In der Türkei besuchen bis zu 200/300 Menschen ein Hamam gleichzeitig. Im feuchten Warmluftraum sitzt man in verschiedenen Ecken und unterhält sich in kleinen Gruppen, während auf der warmen Liege abwechselnd einer der Badegäste mit Seifenschaum gereinigt und mit der berühmten Seifenschaummassage massiert wird. Das entgiftet den Körper und macht die Haut wunderbar weich.
In der Türkei ist das Hamam-Bad eine lange Prozedur aus Vorwärmung, Abkühlung Reinigung und Entspannung. In Deutschland wird bisher nur ein Teil dieses Rituals durchgeführt, d.h. oft ist da ein Dampfbad und eine warme Liege für die Seifenschaum-Massage. Es gibt jedoch heute auch Firmen, die versuchen, die Hamam-Kultur originaler nach Deutschland zu bringen und größere Hamams mit einem mehreckigen Grundriss zu bauen. Als sich das römische Reich in den Norden ausweitete wurden – neben vielen Militärbädern – z.B. in Aachen, Baden-Baden und Trier, riesige Thermen gebaut.
Allerdings zerfiel mit dem Zerfall des römischen Reiches auch das römische Badewesen. Man vergaß die Errungenschaften oder verfügte nicht über ausreichend Holz und Mittel, um diese zu heizen. Trotzdem wurden manche von ihnen noch bis ins Mittelalter hinein benutzt. Man kann sich heute kaum vorstellen, dass sich niemand für das ausgefeilte Heizsystem interessierte, die Bauten als Steinbrüche benutzt wurden und das Wissen über Jahrhunderte in Vergessenheit geriet.
Beispiele: Slawische Völker / Finnische Saunakultur
Die finnische Sauna und die russische Banja sind eigentlich noch sehr ursprüngliche Badekulturen. Für eine Rauchsauna benötigt man einfach ein Blockhaus und dann wird in der Mitte des Raums ein Feuer entzündet – keine hochwertige Fußbodenheizung oder ähnliches. Erst im letzten Jahrhundert wurde, als man in die Städte zog, aus dem offenen Feuer der heute bekannte Sauna-Ofen.
Heute kommt auf jeden 4. Einwohner eine Sauna, sie steht im Badezimmer anstelle der Badewanne oder im Blockhaus am See. Keine Abendeinladung in Finnland, die nicht im privaten Bereich mit einem Saunagang beginnt .
Russ. Banja-Sauna (95-105 C, geringe Luftfeuchtigkeit)
Die russische Banja ist ähnlich wie die finnische, die Kabinen manchmal massiv, meist aus Holz gebaut. Unterschied ist die größere Feuchtigkeit, einfach weil mehr Wasser auf den Ofen gegossen wird, so dass viele es medizinisch dem Dampfbad zurechnen – und natürlich unbedingt die Birkenzweige, mit denen man sich schlägt.
Da die Kabinen sehr heiß und sehr feucht werden, ist das eine ganz schön anstrengende Sache, zumal man das danach mit entsprechend Wodka und Essen feiert, aber wie ich gehört habe, ist das auch eher bei Männern beliebt, während die russischen Frauen heute eher in eine ganz normale Sauna gehen.
1936: In Deutschland verbreitete sich die Finnische Sauna seit der Olympiade 1936, als finnische Sportler sich im Olympischen Dorf eine Sauna errichten ließen. 50er 60er Jahre: In den 50er und 60er Jahren wurden circa 5.000 kleine Saunabetriebe eröffnet, die Finnische Sauna wurde dabei bevorzugt. 70er Jahre
Erst in den 70er Jahren kamen nach und nach Dampfbad und Swimming-Pool dazu. Das Angebot für die Badegäste erweiterte sich rasant: 80er, 90er Jahre: große Thermen. Als Ende der 70er Jahre die ersten großen Thermen eröffneten, entstanden verschiedene Sauna-Kabinen. Dampfbäder und Badebecken bieten seitdem ein breites Angebot – ganz nach dem Vorbild der römischen Thermen.Seit den 90er Jahren entwickeln und verbreiten sich immer mehr unterschiedliche Badeformen, deren Ursprünge in alten Badekulturen wie der römischen, russischen oder türkischen zu suchen sind.
4.2 Moderne Erfindungen nach alten Vorbildern: Beispiel Brechelbad, Steinschwitzbad
Vollendet wird diese Mischung durch Steinschwitzbäder, in denen sich automatisch Wassereimer bewegen, bayrische Brechelbäder, in denen einzelne in Heu gewickelt und dann erwärmt werden, und natürlich noch unzählige Anwendungen in den Wellness-Bereichen. Bei solchen neuartigen Erfindungen sollte man sich erst in anderen Bädern ansehen, ob diese Kabinen wirklich angenommen werden.
5.1 Klarheit der Begrifflichkeiten
Was ein Tepidarium oder Laconicum ist, ist vielen Gästen nicht genau bekannt. Dazu kommen häufig noch Kunstworte und Wort-Schöpfungen wie Bio-Sauna so dass die Verwirrung des Gastes immer größer wird. Den Vertretern der Branche ist zu empfehlen, sich auf einige Begriffe zu einigen, den Badbetreibern bleibt es dann überlassen, die Gäste über unbekannte Badeformen zu informieren und Bade-Abläufe einzuüben.
Bis dahin ist es aber unabdingbar was viele gewerbliche Betriebe auch vernachlässigen: dass die Temperatur und Feuchtigkeit an der Kabinen-Tür angeschrieben wird.
5.2 Wellness-Planung heute: Schlüssigkeit und Eindeutigkeit
Sowohl von der Architektur als auch von der Anordnung der Schwitzkabinen hat man heute oft den Eindruck von Beliebigkeit. Mit fällt da oft ein: alles so schön bunt hier!
Schlüssig ist ein türkisches Hamam dann, wenn es in Architektur genau wie im Bade-Ritual die Badeform vermittelt. Das kann durchaus in einer an unsere Verhältnisse angepassten Form sein, aber die Ursprünge sollten ebenfalls vermittelt werden. Ein russisches oder finnisches Saunadorf ist in sich schlüssig. Bei großen Thermen wäre zu wünschen, dass man den finnischen vom römischen Bereich trennen kann und nicht römische und finnische Badekulturen beliebig nebeneinander stellt. Die Architekten sollten sich nicht vom kurzfristigen Walt Disney-Boom der Badekulturen leiten lassen – manche diskutieren sogar eine Art Pappmasche-Welten, die alle paar Jahre erneuert werden können – also mal schnell aus der finnischen eine indianische Welt gemacht. Ich behaupte hier, ein finnisches Saunadorf aus hochwertigem Material wird sich genauso halten wir ein originales türkisches Hamam. Die Konsum-Tempel dagegen werden wie andere modische Erscheinungen kommen und gehen. Die Pappmasche-Welt, die dauernd verändert werden will, wird langfristig höhere Kosten verursachen als eine in sich schlüssige hochwertige Badekultur, die auch in einigen Jahrzehnten Bestand haben wird.
5.3 Trend : Die Zukunft der Schwitzkulturen
Ich habe am Anfang gesagt, jede Badekultur hatte soziale, kulturelle, religiöse und medizinische Aspekte. Gerade die sozialen Aspekte dürfen sich nicht in einer schönen Gastronomie erschöpfen, die kulturellen nicht in Design. Der substantielle, ideelle und medizinische Wert einer Badekultur sollte immer wieder vermittelt werden. Beispiel: Gemeinschaftserlebnis
Der Zukunfts-Forscher Oliver Schwarzmann berichtet: Das Wellness-Erlebnis der Gemeinsamkeit boomt. Bei den Aufguss-Zeremonien, die sich seit einigen Jahren wie von selbst verbreiten, kann man das schon lange sehen. Leider gibt es hier viel Missbrauch und Unsinn, unter der die Badleiter und das Personal stöhnen, wenn es nur noch um heißer – voller – mehr geht, der medizinische Nutzen ist sowieso umstritten.
Mögliche Beispiele für das Wellness-Erlebnis Gemeinsamkeit sind: Schwitzrituale, wie sie in den Badegärten Eibenstock gepflegt werden Eine Gruppe meldet sich an, geht zuerst in eine Vorschwitz-Hütte, wo etwas getrunken und das Ritual erklärt wird – erst dann geht man in den dort –russischen – Aufguss.
Oder in Dänemark in einem Feriendorf mit vielen Saunen gibt es Wellness-Abende mit Getränken, Gespräch, gemeinsamem Aufguss und Abendessen. All das sind geführte Rituale, die deswegen wichtig sind, weil die Baderiten der alten Kulturen heute nicht bekannt sind und die Individualisierung und Vereinsamung zunimmt.Neben Sauna-Einführungs-Kursen, wie sie in manchen Bädern angeboten werden, sind auch Einführungen ins römische Baden oder der Umgang mit mehreren verschiedenen Badeformen möglich.
Beispiel: Selfness-Trend: Aktive Verantwortung für die eigene Gesundheit und ihre Auswirkung auf die neue Badekultur.Nach Matthias Horx ergänzt Selfness den Wellness-Begriff hierzulande um den aktiven Part: Man möchte sich nicht nur passiv verwöhnen lassen, sondern auch aktiv etwas für die eigene Gesundheit tun. In Wellness-Hotels z.B. nimmt der Bereich Sport in Form von Nordic Walking und Wandern zu. Im englischen Sprachraum ist dies im Begriff Wellness längst integriert, wie wir gerade im Sonderheft auch beschrieben haben. Für Bäder bedeutet dies langfristig, dass die gesundheitliche Aufklärung über Badeformen immer wichtiger wird, und der Wunsch bei den Gästen, Krankheiten gar nicht erst entstehen zu lassen, auch permanent an Bedeutung zunimmt. D.h. die Planer sollten sich auch vermehrt mit den medizinischen Wirkungen verschiedener Badeformen beschäftigen und nicht nur Wert auf originelle Ästhetik legen. Ich war z.B. neulich in einer Holzkabine, die dem Bergbau nachempfunden war, der Ofen einem Hochofen nachgebildet, die Bänke ganz schmal am Boden ohne Treppenstufen. Vom Design her hat mich diese Kabine völlig begeistert, leider hielt sich kein einziger Gast dort auf. Als ich in der Kabine war, wusste ich auch warum: Die Bänke waren unbequem und viel zu niedrig, um in einer höheren Temperatur zu schwitzen. Sehr viel Geld und laufende Energiekosten werden in Originalität von Kabinen gesteckt, die dann leider nicht benutzt werden.Badekulturen sind immer über viele Jahrhunderte entstanden, haben sich weiterentwickelt und wurden als Ritual eingeübt. Dadurch, dass man heute den Menschen unterschiedlichste Kabinen anbietet, entsteht noch längst keine neue Badekultur, höchstens ein Bade-Konsum. Es ist im Interesse von allen daraus wirkliche Badekulturen zu machen, die so im Alltags-Leben des Gastes verwurzelt sind, dass er es sich „ohne“ nicht mehr vorstellen kann.
Copyright: Martina Frenzel wellness&media 2010
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