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Deutschland knirscht mit den Zähnen – „Stress haben“ gehört zum Alltag

von Martina Frenzel



Eines der meistgenutzten Worte ist heute „Stress“. Wer keinen hat – so meinen die Kollegen am Arbeitsplatz schnell – hat wahrscheinlich nicht genug zu tun.

Wird der Stress aber zur Dauer-Erscheinung, wird er gefährlich. Schnell ist die Grenze überschritten, manche greifen zu Medikamenten oder Alkohol. Folgen von Dauerstress und schwierigen Lebensphasen sind immer häufiger psychosomatische Beschwerden wie Einschlaf-, Durchschlaf- und Aufwachstörungen, Essstörungen sowie Verdauungsbeschwerden, Verspannungen, Rücken-, Nacken- und Muskelschmerzen. Aber auch vegetative Störungen wie z.B. Schweißausbrüche, Übelkeit, Herzrasen, Beklemmungsgefühle, Herz- und Kreislaufprobleme sind typische Symptome.

Meist verstärken sich die Krankheitsbilder über Monate und Jahre. So kommt es nach ein bis zwei Jahren zu Störungen des seelischen Gleichgewichtes, nach zwei bis vier Jahren können andauernde psychosomatische Symptome auftreten., Angstzustände und Spannungssyndrome werden chronisch. Der Zahnarzt und Heilpraktiker Dr. Jürgen Arent: „Nächtelanges Zähneknirschen oder Zähne zusammenbeißen hinterlassen Spuren am Gebiss.“

Wer morgens beim Aufwachen so etwas wie Muskelkater in den Kiefergelenken bemerkt, knirscht nachts möglicherweise mit den Zähnen. Meist geschieht dies unbewusst und nachts während des Schlafes. Cirka 15 bis 20 Prozent der westlichen Bevölkerung „beißt sich so durchs Leben“. Der Ganzheitsmediziner über die Ursachen:

„Häufig deutet exzessives Knirschen auf nicht verarbeitete Krisen und Überforderung hin. Der Körper gibt erste kontinuierliche Warnsignale.“ Zähneknirschen ist somit auch als körperliche Reaktion auf Anspannung, Belastung und Stress zu werten.

Dr. Johann Birkel, Internist und TCM-Arzt in Eggolsheim/Bayern entwickelt dazu folgendes  Bild: “Wir reden immer vom Yin und Yang. Die Aktivität, die Tat ist in der chinesischen Medizin das Yang. Es sollte in einer guten Balance mit dem Yin stehen. Yin steht für Rückzug. Genauso ist es mit dem "Dampf ablassen" und den Rückzugsmöglichkeiten ins Persönliche. Wir brauchen beides. Bei Dauerstress und Überdruck sind gezielte Methoden wie Qi Gong und TCM Therapien zum Ausgleich unbedingt zu empfehlen. Denn Achtung: Wo das System Mensch aus dem Gleichgewicht geraten ist, beginnt ein verhängnisvoller Kreislauf, der meist in schweren Krisen endet.“

Special: Total erschöpft?

Damit es nicht so weit kommt – zwölf goldene Regeln gegen Burnout
Wenn aus dem Zwang, sich zu beweisen, innere Leere entsteht bis hin zu dem Gefühl, nicht mehr alleine aus einer verfahren Situation herauszukommen, spricht man von einem Burnout-Syndrom („ausgebrannt sein“). Es gibt zwölf goldene Regeln, die den Betroffenen lehren, das Leben mit anderen Augen zu sehen und sein Fehlverhalten zu erkennen – ohne sich dafür zu tadeln.
Dr. Vinzenz Mansmann ist Chefarzt der Naturamed Vitalclinic in Bad Waldsee mit über 25 Jahren Erfahrung in der Burnout-Behandlung. Seine Überzeugung: Burnout kann verhindert und rückgängig gemacht werden – der Schlüssel dazu ist die Analyse und Fürsorge für die eigene Person. Eine gezielte Ursachenanalyse ist dabei besonders wichtig. Der Anti-Stress-Experte und Autor des Buches "Total erschöpft" beschreibt zwölf Punkte zur Burnout-Verhütung und -behandlung:

1.    Verleugnen ist tabu
2.    Lebensumstände ändern
3.    Überengagement vermeiden
4.    Isolation vermeiden
5.    Schluss mit Überfürsorglichkeit
6.    Kürzer treten
7.    Unterscheiden Sie Wichtiges von Unwichtigem
8.    Der Mut zum „Nein“
9.    Achten Sie auf Ihr persönliches Tempo
10.  Hören Sie auf die Signale Ihres Körpers
11.  Grübeln Sie weniger
12.  Behalten Sie Ihren Sinn für Humor


Aus heiss+kalt, Ausgabe 1/2008

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