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Heilklimatischer Spaziergang im Nümbrechter Kurpark

von Ulla Robbe

Jetzt halt’ mal die Luft an! – Will heißen: sei still, beruhige und entspanne dich. Es ist so viel schöner, einen langen Atem zu haben: ruhig, locker und ausdauernd zu sein, frei atmen zu können.

Symbol für die die menschliche Sehnsucht nach Freiheit ist der Säulenbrunnen im Nümbrechter Kurpark. Hier beginnt der Heilklimatische Spaziergang mit Josefine Dripke. Unsere Kleidung entspricht dem „Zwiebelschalenprinzip“ – mehrere Kleidungsstücke locker übereinander getragen. Am besten eignen sich windundurchlässige, feuchtigkeitsdurchlässige Stoffe. „Innen warm und außen kühl ist Grundprinzip der Klimatherapie“, sagt Frau Dripke, Inhaberin der Nümbrechter Praxis für Atembewegung und Stimme. Ende 2008 hat sie ihre Weiterbildung zur Klimatherapeutin abgeschlossen.

„Die beiden Therapieformen ergänzen sich perfekt“, erläutert die Expertin. Ein Ziel der Atemtherapie ist, die Fähigkeit des Körperempfindens zu verbessern.“ Dazu gehöre auch, immer das richtige Maß zu finden, und das sei entscheidend bei der Klimatherapie. Fordern, aber nicht überfordern, laute die Devise.

Klimatherapeuten überprüfen die individuelle Leistungsfähigkeit und passen alle Aktivitäten an diese an, um die größtmöglichen Effekte zu erzielen. Außerdem begleiten sie die Wanderer bei ihren Touren auf speziell angelegten Heilklimatischen Wanderwegen. Bevorzugt man Nordic Walking, wird das nötige Gerät inklusive moderner Pulsuhren gestellt.

Frau Dripke: „Richtig angewendet, führt die Klimatherapie zu einer Tonisierung, also Erhöhung des Spannungszustandes des Körpers. Dieser bezieht sich auf Muskulatur, Blut- und Lymphgefäße sowie das vegetative Nervensystem.“ Damit könne zahlreichen Erkrankungen, darunter auch Osteoporose, vorgebeugt werden.

„Ohne Gesundheit ist alles nichts. Man kann sich über nichts mehr freuen“, betont Frau Dripke. Dabei betrachten wir die Skulptur „Freude“ von Rosa Gilissen-Vanmarcke, eine Dauerleihgabe der in Nümbrecht lebenden Bildhauerin. Die Skulptur macht gute Laune! Obwohl aus schwerem Metall, wirken die beiden Figuren so lebendig, als führten sie einen Freudentanz auf. Wir wandern weiter durch den Kurpark, der 1974 anlässlich der Landesgartenschau angelegt wurde. Kurios: Die Schilder „Betreten des Rasens erwünscht“ erhielten damals von der Presse bundesweit Aufmerksamkeit.

Die Heilklima-Wege führen zum Teil mitten durch den zehn Hektar großen Kurpark, man muss nur den türkis-weißen Hinweisschildern folgen. Der Heilklima-Nordic-Fitness-Park erschließt auf insgesamt 60 Kilometern die landschaftlich schönsten Strecken in und um Nümbrecht. Sechs Nordic-Walking-Strecken und vier Heilklima-Wanderwege mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und Streckenlängen zwischen 1,2 und 10,2 Kilometer stehen zur Auswahl.

Wie Frau Dripke erläutert, zeichnen sich die speziellen, vom Deutschen Heilbäderverband zertifizierten Wege aus durch Steigungen im Bodenprofil, den Wechsel von Licht und Schatten, Temperaturunterschiede sowie unterschiedlichen Windeinfall. All das setzt mehr oder weniger starke Reize, die auch die Selbstheilungskraft des Körpers anregen. Durch den Wechsel von schattigen Wäldern und sonnenbeschienenen Wiesen wird der Organismus zu permanenter Anpassung an die unterschiedlichen Temperaturen gezwungen. Das fördert den Stoffwechsel und die Durchblutung, erhöht das allgemeine Wohlbefinden und härtet ab.

Das „grüne Herz“ von Nümbrecht – der Kurpark – beherbergt auch zwei mächtige Immergrüne Mammutbäume, lateinisch Sequoiadendron Giganteum, mit außergewöhnlich dicken Stämmen. Man steht davor und staunt! Diese beiden beeindruckenden Exemplare tragen zur Reinheit der Luft in Nümbrecht bei, denn Bäume fungieren als Staubfilter. „Vor allem Allergiker sollten Smog unbedingt meiden“, warnt Maximilian Hillmeier, Vorsitzender des Deutschen Heilklimaverbandes und Kurdirektor von Bad Hindelang. „Pollenkörper werden durch Ozon und Rußpartikel zusätzlich ,scharf’ gemacht. Sie tragen doppelt so viele allergieauslösende Eiweiße in sich wie Pollen in schadstofffreier Luft.“

Für das Ausmaß einer allergischen Reaktion ist also nicht nur die Anzahl der Pollen verantwortlich. Hillmeier: „Erschwerend kommt hinzu, dass das Zusammenwirken der Aggressivität der Pollen mit dem Feinstaubgehalt der Luft die schädliche Wirkung potenziert.“ Feinstaub sind Rußpartikel, die so klein sind, dass sie tief in die Atemwege vordringen Sie gelten als wesentlich größere Gefährdung für die Gesundheit als Grobstaub. Die Kombination von geringer Pollenbelastung und Luftreinheit finden Betroffene in allen Hochgebirgslagen mit Heilklima. Hier können Allergiker auch in der „Hauptsaison“ frei atmen. Manche Regionen sind sogar das ganze Jahr über pollenfrei.

Unser Spaziergang führt uns weiter zum Lindchen, so heißt das Gebiet rund um den Aussichtsturm „Auf dem Lindchen“, der 34 Meter hoch ist. Hier oben befindet man sich 371 Meter über dem Meeresspiegel. Nach 154 Stufen haben wir einen herrlichen Weitblick bis zum Rhein, Siebengebirge und Rothaargebirge, ferner auf Schloss Homburg und Holsteins Mühle, eines der ältesten Gebäude im Oberbergischen, sowie auf den denkmalgeschützten Ortskern von Nümbrecht mit seinen Fachwerkensembles. Im gemütlichen Turmstübchen gibt es erst einmal Kaffee und Kuchen, und wir genießen die Aussicht.

Das Prädikat Heilklima bekommen nur Orte mit einem Bioklima ohne Belastungsfaktoren. Manchen Rheinländer, der unter der Schwüle in der Rheinebene leidet, wird die Nähe zu Nümbrecht überraschen. Der Ort im Naturpark Bergisches Land liegt nur 50 Kilometer östlich von Köln. Die heilklimatischen Kurorte sehen sich als Vorreiter einer kommunalen Politik, die sich am Miteinander von Mensch und Natur orientiert. Nümbrecht gehört zu den nur 16 Orten in Deutschland, die für ihr „Plus an Urlaubs- und Umweltqualität“ mit dem Prädikat „Premium Class“ ausgezeichnet wurden, weil sie sich auch für eine Reduzierung negativer Umweltauswirkungen in allen Bereichen engagieren. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst veröffentlicht der Verband heilklimatischer Kurorte tägliche und regionengenaue Pollenflugvorhersagen auf der Internetseite www.heilklima.de – ein Service von großem Wert für Heuschnupfengeplagte, damit diese wissen, wann sie „gefahrlos“ das Haus verlassen können.

Denn wie sagte schon Pfarrer Sebastian Kneipp? „Wem seine Gesundheit lieb und teuer ist, der biete das Mögliche auf, dass er in reiner Luft seine Zeit zubringt.“ Wer das beherzigt, dem geht nicht so schnell die Puste aus.

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