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Körper sucht Seele

Wellness als Gegenpol

Der Begriff Wellness entstand hierzulande im Bereich der Hotellerie und stand zunächst für wohltuende Massagen und Anwendungen. Heute wird er zum Synonym für „Ich will mich wohl fühlen, mir etwas Gutes tun“. 

Was eigentlich selbstverständlich sein sollte, nämlich das Wohlfühlen, will neu erlernt werden. „Wellness“ wird zum Gegenmittel gegen den Leistungsdruck einer Gesellschaft, in der Menschen auf dem Arbeitsmarkt immer austauschbarer werden und sich gewachsene Strukturen in rasender Geschwindigkeit verändern. 

Mit dem Begriff „Wellness“ verbindet sich nun eine Mischung aus „Ich darf mich verwöhnen lassen“, Naturheilkunde, Ökologie und asiatischen Lehren, derer man sich bedient, um Körper und Seele wieder zusammenzuführen. Yoga und Meditation, Tai Chi oder ganzheitliche Wellness-Anwendungen helfen aus der Stress-Falle. Aus diesem Blickwinkel betrachtet wird „Wellness“ ein Gegenmodell zu Jugend-Wahn und Körper-Kult. 

Viele Wellness-Dienstleistungen wollen bezahlt werden, der Wellness-Bereich wird zum boomenden Wirtschafts-Zweig. Es gibt jedoch auch sanfte Sportarten wie Nordic Walking, die nahezu kostenlos sind und auch ein duftender Badezusatz und Kerzenlicht für den Wellness-Abend zu Hause sind für jedermann bezahlbar.



Foto: Felslandbadeparadies, Dahn

 




Wellness-Anwendungen – mehr als nur Massagen? 

Wellness-Betreiber und Mitarbeiter berichten von erstaunlichen Reaktionen der Gäste bei Wellness-Anwendungen. Schon das Gefühl, dass sich jemand einfühlsam dem eigenen Körper widmet, der ja sonst nur als „Werkzeug“ funktionieren soll, kann dafür Anlass sein. 

„Wir werden in den Anwendungen teilweise an die Gefühle der Kindheit herangeführt, als wir unsere Gefühle noch ausgelebt haben“ meint Michael Hilzinger von der Inter-Spa-Gruppe. „Ich bin oft selbst erstaunt, wie weit man mit einfachen Wellness-Anwendungen, die eigentlich nur „Wohlfühlen“ bewirken sollen, in die Seele der Gäste vordringen kann. Selbst bei Hamam-Anwendungen oder Ganz-Körper-Ölungen konnte ich schon erleben, dass Gäste in Tränen ausbrechen. Viele berichten nach Anwendungen auch, sich ganz befreit zu fühlen. Mitarbeiter und Therapeuten haben daher eine verantwortungsvolle Aufgabe, sie wandern auf einem schmalen Grat zwischen Physiotherapie und Seelenbehandlung und sollten daher gut ausgebildet sein.“ 

Wellness ist ein schillerndes Wort. Es gibt gute Gründe, Wellness-Produkte mit Namen wie „Wellness-Marmelade“ oder „Wellness-Pullover“ zu kritisieren. Wer „Wellness“ jedoch für sein eigenes Leben individuell definiert, kann es als Chance begreifen, sich selbst mit allen Sinnen neu zu entdecken. Vergessen Sie beim nächsten Saunagang einfach die Sanduhr und hören Sie in Ihren Körper hinein. 

Sauna – Balsam für die Seele 

Die positive Wirkung richtigen und regelmäßigen Saunabadens für die Gesundheit sind oft beschrieben worden, nach ca. drei Monaten regelmäßigen (möglichst wöchentlichen) Saunabadens ist die Immun-Abwehr gestärkt. Aber was bedeutet Sauna für die Seele? 

Viele Saunafreunde beschreiben, dass in der Sauna der Stress von ihnen abfällt. Das hat verschiedene Gründe:

Mit den Kleidern legt man auch den gesellschaftlichen Status ab. Das ganz ursprüngliche Gefühl „einfach Mensch unter Menschen zu sein“ wird von Saunafans oft beschrieben. Voraussetzung ist eine angenehme Atmosphäre zwischen den Gästen und ein Gleichgewicht aus Nähe und Distanz. 

Beim Schwitzen entgiftet man nicht nur den Körper, sondern auch die Seele. Hat man sich geärgert oder fühl sich gedemütigt, kann man negative Gefühle symbolisch „ausschwitzen“. Das besagten schon alte Badekulturen, die die Reinigung von Körper und Seele immer als Einheit betrachteten.  

Durch das Erhitzen des Körpers und das anschließende Abkühlen (Training der Gefäße) entsteht eine intensive Körper-Wahrnehmung; die vernachlässigten Sinne werden wieder geweckt. 

Nach der Sauna kann man nachgewiesenermaßen besser schlafen, ist entspannt und die Haut fühlt sich weich an. „Nie ist eine Frau so schön wie nach der Sauna“, sagen die Finnen.

 

Literatur-Tipps: 

Helmut Milz, Mit Kopf, Hand, Fuss, Bauch und Herz, Ganzheitliche Medizin und Gesundheit, München 1994 

Alf Trojan, Brigitte Stumm, Gesundheit fördern statt kontrollieren, Eine Absage an den Mustermenschen, Frankfurt am Main 1992

 

 
 
 
     
 
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