Auszug S. 48 bis S. 51 aus „ Sauna-Handbuch- Das Buch rund ums Schwitzen“, erschienen im Trescher Verlag, Berlin
Die Wirkung der Sauna
Die Saunawirkung beruht auf dem Wechsel von großer Wärme und nachfolgender Abkühlung. Beides gehört unbedingt zusammen. Im Saunaraum herrschen Temperaturen von 80 bis 110 Grad Celsius auf der oberen Bank, in Höhe des Fußbodens beträgt die Temperatur noch 40 Grad. Gleichzeitig ändert sich die relative Luftfeuchte von 2 bis 5 Prozent auf der zweiten Bank. Diese Klimabedingungen haben auf unseren Organismus einen spezifischen Einfluss.
Einfluss auf die Körpertemperatur
Im Schwitzraum steigen die Temperaturen auf der Haut um rund zehn Grad an, die Körperkerntemperatur erhöht sich um ungefähr ein Grad. Das entspricht mit etwa 38, 5 Grad einem Wärmezustand, wie er durch Fieber hervorgerufen wird. Diese Erhöhung bewirkt eine erhöhte Produktion von Abwehrstoffen im Körper. Es gibt aber trotzdem einen Unterschied zur Fiebererkrankung, die ja ungewollt eintritt und eine Abwehrreaktion des Körpers auf eine Infektion ist. Beim Fieber erhöht der Körper durch das Zentralnervensystem die Körperinnentemperatur, den so genannten Sollwert, um eingedrungene Keime zu töten. Bei der gewollten Überwärmung des Körpers im Saunaraum dagegen bleibt der ursprüngliche Sollwert in der „Zentrale“ konstant. Dort reguliert der Körper den Wärmereiz durch Veränderung des Istwertes. Er stellt sich auf die veränderten Bedingungen ein. Dabei werden viele Körperfunktionen gleichzeitig angesprochen, woraus sich die positive Vielfachwirkung der Sauna erklärt.
Wirkungen auf die Haut
Die Haut ist das Organ des Körpers, das den Wärmehaushalt reguliert (Thermoregulation). Insbesondere die Lederhaut ist dazu mit einem dichten Netz feiner Blutäderchen ausgestattet, die den Wärmetransport übernehmen. Das besondere an diesem Kapillarnetz ist, das es aus Brücken zwischen Arteriolen und Venolen besteht, die sich bei Wärmeeinwirkung öffnen. Damit wird direkt, unter Umgehung der Wärmeleitung in das Körperinnere, die Wärme abgegeben. Die Erhitzung der Hautblutgefäße führt zu ihrer Erweiterung. Infolgedessen werden sie stärker durchblutet. Dazu kommt es zu einer verstärkten Schweißbildung sowie dessen Absonderung. Es ist der Versuch des Organismus, durch Kühlung der Haut die Körperinnentemperatur konstant zu halten. Allerdings gelingt dies durch die extrem hohen Temperaturen, die dem Körper ständig
mehr Wärme zuführen als er abgeben kann, nur bedingt.
So mancher Saunagast wird sich schon über seine >Gänsehaut< kurz nach Betreten des heißen Saunaraumes gewundert haben. Das ist eine so genannte paradoxe Reaktion, die ihre Erklärung in der Anordnung der Warm- und Kaltrezeptoren in der Haut findet. Auf einen Warmpunkt kommen zehn Kaltpunkte, wobei die Warmpunkte viermal tiefer in der Haut liegen. Die Hitze trifft also zuerst auf die Kaltrezeptoren und aktiviert diese, bevor sie die Warmpunkte erreicht. Die Folge dieser Aktivierung ist ein häufig festgestellter >Kälteschauer>.
Die Gesichtshaut ist aufgrund Ihrer Beschaffenheit – sie enthält viele Thermorezeptoren – besonders temperaturempfindlich. Es empfiehlt sich daher für den ungeübten Saunabesucher, vor dem Betreten des Saunaraums das Gesicht anzufeuchten. In der Abkühlphase nach dem Schwitzvorgang werden Haut- und Körpertemperatur normalisiert und die Durchblutung der Hautblutgefäße gedrosselt. Badet man dann die Füße im warmen Wasser, so führt das zur so genannten reaktiven Hyperaemie, das heißt zu einer erneuten Mehrdurchblutung der gesamten Haut. Das ist für die Hautblutgefäße ein gutes Training.
Ein positiver Langzeiteffekt der Sauna ist unter anderem die thermische Anpassung der gesamten Haut. Sie führt vor allem zu einer verbesserten Durchblutung, besonders der Finger und Zehen. Damit pegelt sich die Hauttemperatur auf ein höheres Niveau ein. Die berühmten kalten Hände und Füße sind nicht nur unangenehm, sondern begünstigen auch die Neigung zu Erkältungskrankheiten. Nicht umsonst besagt ein altes Sprichwort: „Kopf kühl, Füße warm – macht den besten Doktor arm!“
Ein zweiter wesentlicher Aspekt der thermischen Anpassung ist eine leichte Senkung der Körpertemperatur, was eine veränderte Kern-Schale-Relation zur Folge hat. Diese Anpassung versetzt den Körper in die Lage, jede Erhöhung der Körperkerntemperatur infolge thermischer Belastung schnell wieder in die Ausgangswerte zurückzubringen. Nicht zuletzt ist auch die Schweißsekretion ein Ausdruck jener Anpassung. Der Saunagänger schwitzt schneller. Das ist von großer Bedeutung für die Reaktion des Körpers auf große Hitze im Sommer beziehungsweise starke Kälte im Winter.
Regelmäßiger Saunabesuch beugt somit Infektionsanfälligkeiten vor.
Sicherlich ist die Sauna nicht nur für Frauen von kosmetischer Bedeutung. Die starke Schweißabsonderung führt zu einer intensiven Durchfeuchtung vor allem der Hornschicht und begünstigt die Abschuppung der abgestorbenen Zellen. Das stafft die Haut und verleiht ihr, begünstigt durch das Blutgefäßtraining, eine gesunde Röte. Die gleichzeitig angeregte Zellneubildung verjüngt die Haut und verleiht dem regelmäßigen Saunagänger ein angenehmes Äußeres. Diejenigen, die zu fettarmer Haut neigen, sollten sich nach dem Saunabaden mit fetthaltiger Körperlotion eincremen.
Die hohen Temperaturen reduzieren außerdem Keimbildungen in der Haut, regen deren örtliche Immunleistung an und verdichten ihren natürlichen Säuremantel. Dadurch verbessern sich das Aussehen und die Elastizität der Haut, sie wird glatter. Diese Faktoren haben Bedeutung für einen möglichen therapeutischen Einsatz der Sauna, insbesondere bei Schuppenflechte, endogenen Ekzemen wie beispielsweise der Neurodermitis, Hautverfestigungen und Durchblutungsstörungen sowie bei Akne.
Eine gute Unterstützung der Saunawirkung auf die Haut ist die Nutzung des Solariums, das durch die UV-A-Strahlung die Anregung der örtlichen Immunleistung ergänzt. Hierbei muss aber beachtet werden, dass das Abstoßen von Hornhautpartikeln die so genannte Lichtschwiele der Haut verändert und sie empfindlicher wird.
„Sauna-Handbuch, das Buch rund um’s Schwitzen“, erschienen im Trescher Verlag Berlin
Auszug S.51 - S.53
Regulierung des Wasser- und Mineralhaushaltes
Der Körper reguliert seinen Wasserhaushalt über die Niere und seinen Wärmehaushalt über die haut. Dabei greift die Schweißabgabe intensiv in den Wasserhaushalt des Körpers ein. Während eines Saunabades, im Regelfall drei Gänge, verdunstet man von einem halben bis zu anderthalb Liter Schweiß. Das meiste davon ist Wasser. Aber immerhin gehen auch etwa zwei bis drei Gramm Kochsalz, 0,4 bis 0,8 Gramm Kalium sowie geringe Mengen Harnstoff verloren. Es ist nicht notwendig, die in der Sauna ausgeschwitzten Mineralstoffe durch Elektrolytzufuhr zu ersetzten, da der Körper dies spontan ausgleicht. Von einer zusätzlichen Kochsalzgabe ist sogar abzuraten. Das Gehirn kontrolliert das Gleichgewicht des Salz- und Wasserhaushaltes und signalisiert bei Abweichung vom Sollwert Durstgefühl. Es reicht völlig aus, nach dem Saunabesuch seinen Durst mit normalen Getränken zu stillen. Am Besten eignen sich dafür Obstsäfte.
Für Menschen mit chronischen Nierenleiden ist die Tatsache von Bedeutung, dass bei Ihnen der Anteil von Harnstoff im Schweiß etwa zehnmal höher ist als bei Gesunden. Da die Entgiftung des Blutes durch die Nieren gestört ist, kann das Saunabaden durch die mögliche Steigerung der Ausscheidung harnhaltiger Stoffe eine willkommene Ergänzung der therapeutischen Maßnahmen sein, wie etwa einer Dialyse.
Die abzugebende Flüssigkeit entnehmen die Schweißdrüsen dem Blut, wodurch es vorübergehend eingedickt wird. Das Blut wird so zur Auffüllung des Flüssigkeitsdefizites aus dem Zwischenzellbereich gezwungen, was einer kräftigen Entschlackung gleichkommt. Außerdem werden überflüssige Wasserablagerungen im Gewebe abgebaut. Deshalb ist Menschen mit Wasserödemen die Sauna zu empfehlen.
Mit dem Wasser wird den Muskeln auch Milchsäure entzogen. Sie bildet sich vor allem bei körperlicher Anstrengung und bewirkt den unangenehmen Muskelkater. Sauna nach dem Sport ist deshalb besonders zu empfehlen. Dabei ist aber zu beachten, dass der Körper vor dem Bad völlig zur Ruhe gekommen sein muss.
Die Sauna wirkt also durch Reinigung des Gewebes auf den Körper entschlackend, abnehmen kann man dadurch jedoch nicht. Zwar kann man nach dem Bad eventuell ein etwas geringeres Körpergewicht messen. Das ist aber lediglich auf den Flüssigkeitsverlust zurückzuführen, der durch Trinken sofort wieder ausgeglichen wird. Will man ernstlich sein gewicht reduzieren, darf man nach dem Saunabesuch dem Bedürfnis nach Essen und Trinken nur bedingt nachgeben und muss sich auf Obstsäfte und leichte Kost beschränken. In Verbindung mit einer insgesamt gesunden Ernährung, mit körperlicher Bewegung und bewusster Lebensweise kann die Sauna Gewichtsreduzierung sinnvoll unterstützen.
„Sauna-Handbuch, das Buch rund um’s Schwitzen“, erschienen im Trescher Verlag Berlin
Auszug S.55 - S.57
Herz und Blutkreislauf
Auch auf eine Herztätigkeit und den Blutdruck hat die Sauna im Normalfall einen positiven Einfluss. Der Pulsschlag nimmt um etwa 50 Prozent zu. Diese erhöhte Herzfrequenz, die in der Sauna keinen kritischen Punkt erreicht, sinkt bei Abkühlung relativ rasch wieder ab und erreicht manchmal sogar Werte unter dem Ausgangswert. Das Herz arbeitet in der Sauna ökonomischer und schlägt kräftiger, die Herzkammern werden besser entleert. Die Herzkranzgefäße weiten sich, das Herz selbst wird besser mit sauerstoffreichem Blut versorgt und ernährt. Aus diesem Grund wird Infarktpatienten nach der Vernarbung des betroffenen Gefäßes der Saunabesuch empfohlen. Dass der Gang ins Schwitzbad ein mildes Herz- und Kreislauftraining ist, verdeutlicht folgender vergleich: Während die Herzbelastung in der Sauna nur 50-75 Watt beträgt, liegt sie im Erwärmungslauf an kalter Luft bei Werten über 225 Watt.
Durch die Erweiterung der Blutgefäße wird der periphere Widerstand geringer, der Blutdruck sinkt. Ein normaler Blutdruck verändert sich durch die Sauna kaum, Personen mit Bluthochdruck können jedoch eine deutliche Blutdrucksenkung feststellen. Bei zu niedrigem Blutdruck steigt dieser während des Aufenthaltes im Schwitzraum bis auf normale Werte an. Die Abkühlung trägt kurzfristig zu einer geringen Erhöhung des peripheren Widerstands in den Gefäßen und damit zu einem geringen Blutdruckanstieg bei. Dieser wird aber danach durch das warme Fußbad sofort wieder auf Normalwerte gebracht. Der Aufenthalt im Tauchbecken bewirkt einen starken Blutdruckanstieg, vor allem in den Spitzenwerten. An Bluthochdruck leidende sollten deshalb das Tauchbecken meiden.
Menschen mit zu niedrigem Blutdruck ist das Saunabaden ebenfalls zu empfehlen: In der Sauna tendiert der Blutdruck immer in Richtung Normalwert. Das Gefäßtraining kann durch den Wechsel von Warm- und Kaltreizen zur längerfristigen Unterstützung beitragen, indem durch die Betonung der Kaltreize beim Hypotoniker der periphere Widerstand erhöht wird und der Blutdruck ansteigt. Generell gilt die Regel: Menschen mit zu hohem Blutdruck betonen die Warmreize, diejenigen mit zu niedrigem Blutdruck die Kaltreize.
Nicht nur für die Blutdruckkranke ist das Fußwärmbad vor und zwischen den Saunagängen eine gute Hilfe. Durch die damit erzielte erneute Erweiterung der infolge der Abkühlung verengten Blutgefäße wird der Wärmetransport begünstigt. Dadurch kann die noch erhöhte Körperkerntemperatur durch verbesserte Wärmeabgabe leichter auf Normalwerte gebracht werden. Außerdem sind kalte Füße für den Kreislauf und die Abwehrfunktion des Körpers nachteilig.
Langfristig trägt das regelmäßige Saunabaden dazu bei, dass erhöhte Blutdruckwerte und auch der Puls sinken. Beide Effekte sind erwünscht und beabsichtigt und tragen zur Entlastung der Herzarbeit bei. Wenn das Herz langsamer schlägt, arbeitet es ökonomischer und durchblutet besser. Um diese Anpassungseffekte zu erzielen, sollte man in der Anfangsphase zweimal wöchentlich die Sauna besuchen.
Endgültige Heilung bringt die Sauna wohl in keinem Fall. Sie kann ein gute Unterstützung zu bereits angewendeten therapeutischen Maßnahmen sein. Sie kann aber auch der Beginn einer gesünderen Lebensweise und, gepaart mit weiteren Abhärtungsmaßnahmen und sportlicher Betätigung, ein wesentlicher Beitrag zur Heilung sein.
Manche befürchten, im heissen Saunaraum einen Hitzschlag zu erleiden. Sicher könnte niemand die dort herrschenden Temperaturen auf Dauer aushalten. Einige Mitmenschen haben bereits bei Außentemperaturen um 30 Grad erhebliche gesundheitliche Probleme. In der Sauna kommen aber einige Faktoren zur Geltung, die sonst nicht wirken: Wir sind völlig unbekleidet, der Aufenthalt in der Hitze ist nur begrenzt, es wird keine körperliche Anstrengung vollbracht, und wir können uns danach abkühlen. Ein Hitzschlag ist deshalb nach einem richtigen Saunabad auszuschließen. Meldungen über solche Vorfälle stehen fast immer im Zusammenhang mit falschem Verhalten: Extrem langer Verweildauer im Schwitzraum oder übermäßigem Alkoholkonsum.
|