Wellnessmusik versus Quälnessmusik
Eine launige Betrachtung der Musikberieselung in Wellness-Anlagen
Von Franz X. A. Zipperer
Musik wirkt. Musik kann unsere Stimmung verändern. Wenn ich mich nun entspannen will, soll Musik in diesem Zusammenhang genau dazu beitragen. Zu nichts anderem. Ich will mir den Schädel nicht von krassen Beatschlägen traktieren lassen. Ich will mir das Hirn nicht von seichtestem Mainstream aufweichen lassen. Ich will mich auch nicht in den Schlaf säuseln lassen. Ich will doch nur entspannen. Natürlich und gerade auch bei und durch Musik. Das muss doch gehen?
Musik wirkt
Es geht auch! Musik kann auch anders. Um zu erklären, wie es geht und warum es geht, ist ein Blick in aktuelle Forschung zu musikalischen Wirkungszusammenhängen überaus hilfreich. Diese Forschung weiß: „Musik ist die Essenz des Menschseins. Erst durch Musik konnte sich der Homo sapiens entwickeln – Rhythmus und Klang haben ihm Kraft und Intelligenz gegeben.“ Mit dieser grundlegenden Feststellung hat Philip Wolf seinen Artikel in der „SZ-Wissen“ über Wirkung von Musik überschrieben. Der Musikbiologe Björn Merker bringt diese Aussage auf den Punkt, indem er sagt, „Musik macht den Menschen überhaupt erst aus.“ Also kann jetzt schon eindeutig gefolgert werden: Wenn Musik so bedeutend für den Menschen ist, dann darf daraus auch ein Resümee in Bezug auf den angesprochenen Wunsch nach Entspannung gezogen werden.
Herzschlag-Rhythmus
Und doch sprechen wir hier über den individuellen Musikgeschmack, was nichts anderes heißt, als dass diese Fragen nicht in jedem Fall gleich zu beantworten sind. Weil Musik aber auch überindividuell vergleichbare Wirkungen hat, lassen sich für den Entspannungsaspekt von Musik solche Ergebnisse vorlegen. Zwei Österreicher haben sich dabei besonders hervorgetan. Zum einen der wissenschaftliche Leiter des „Forschungsnetzes Mensch und Musik“ an der Universität Mozarteum in Salzburg, Hans-Ullrich Balzer, der zeigt, dass im Laufe des Hörens eine Synchronisierung stattfindet, das bedeutet, „der emotionale und vegetative Zustand (...) passt sich der Musik an und findet zu einem harmonischen, ausgeglichenen Rhythmus. Die beste Wirkung kann Musik entfalten, wenn sie zunächst an den jeweiligen Zustand des Menschen anknüpft, und ihn dann allmählich zu einem entspannten Rhythmus überführt.“ Da der menschliche Körper durch den Herzschlag und die Atmung einen eigenen Rhythmus vorgibt, sollte sich die zur Entspannung eingesetzte Musik am Herzschlag und an der Atmung orientieren. Das heißt, nach übereinstimmender Meinung der Fachwelt, ein Rhythmus mit 60 bis 70 Schlägen pro Minute ist optimal.
Wellnessmusik in der Praxis
Damit Musik im Zusammenhang mit Wellness nun nicht zur Quälnessmusik wird, sollte dieses Basiswissen bei jedem Aufbau einer hauseigenen CD-Sammlung mit Entspannungsmusik berücksichtigt werden. Der andere angesprochene Wissenschaftler ist Univ.-Prof. Dr. Günther Bernatzky, ebenfalls aus Salzburg. Er wird etwas konkreter und praxisbezogener: „Eine in langsamem Tempo gespielte Musik in Dur wirkt beruhigend und ausgleichend. Gute Erfahrungen wurden damit gemacht, Musik anzubieten, die mit einer eigens dazu konzipierten Entspannungsanleitung kombiniert wurde.“ Es ist also das sanft fließende, abwechslungsreiche Hörerlebnis voll musikalischer Poesie, das in Wellnesseinrichtungen implementiert werden sollte. Das können die langsamen Sätze wie Andante, Adagio oder Largo klassischer Werke sein oder Musik, die mit einer eigens dazu konzipierten Entspannungsanleitung kombiniert wurde.
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