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Wellness geht unter die Haut

Von Martina Frenzel

Das Wunder Haut

Es gibt Dinge die jeder und jede weiß:
Dass es bei Bauchschmerzen hilft, wenn eine Hand liebevoll darüber streichelt. Das haben wir schon als Kind erfahren. Dass eine klitzekleine Berührung riesige Wirkung im gesamten Körper haben kann, wenn wir verliebt sind. Dass wir rot werden können, wenn wir uns schämen.

All dies ist im Alltagswissen verankert. Aber wie funktioniert das eigentlich genau? Wie ist unsere Haut mit dem Gehirn, mit den Nerven und so auch unseren Gefühlen verknüpft?

Zunächst einige Zahlen. Unsere Haut wiegt circa 16 Prozent unseres Körpergewichts und nimmt eine Fläche von eineinhalb bis zwei Quadratmetern ein. „Die Haut steht zu allen Körperfunktionen in Beziehung. Sie ist auf ihrer gesamten Fläche durchblutet und von Nervenbahnen durchzogen und ist ein hochempfindlicher Informationsträger. Sie steht direkt mit dem Gehirn in Verbindung und zeigt eine sehr spontane Reaktion auf verschiedene Emotionen.“ (Barral, S. 241) Die Haut hält unseren Feuchtigkeitsgehalt im Gleichgewicht, sie ist eine Art Thermostat, denn über 700.000 Messfühler des Nervensystems sind über unsere Haut verteilt.

Aufbau der Haut


Die Oberhaut schützt vor mechanischen und chemischen Reizen. Dafür sorgt ihre Oberfläche aus abgestorbenen miteinander verbackenen Hornzellen, die zwar ständig abgestoßen, aus den tieferen Schichten aber ständig nachproduziert und „nach oben“ geschoben werden.
Ein Film überzieht die Haut, kaum wahrnehmbar, dieser besteht aus alten Zellen sowie aus Talg und Schweiß. Er schützt dank seines schwachen Säuregehaltes vor schädlichen Bakterien. Sie werden von Dr. Marekus Metka u.C. sogar als „Arbeiterzellen bezeichnet.

Jede Substanz, mit der unsere Haut in Berührung kommt, wird überprüft. Es wird in Sekundenschnelle entschieden, ob sie akzeptiert werden darf oder bekämpft werden muss. Diese „Arbeiterzellen“ bekommen ständig Nachschub. Bis ins hohe Alter bleiben die Urväter der Arbeiterzellen aktiv und produzieren ständig neue Zellen nach, die zur Oberfläche streben.

Leider können sich bei der Arbeit der Arbeiterzellen Fehler einschleichen, wohlwollende Eindringlinge übermäßig bekämpft werden, beispielsweise Nickel oder Chrom, die Arbeiterzellen schlagen falschen Alarm und die Haut reagiert mit Rötungen und Reizungen sowie Allergien. Die in der Oberhaut befindlichen Arbeiterzellen haben die Aufgabe, negative äußere Reize wahrzunehmen und als Reaktion darauf einen Abwehrmechanismus auszulösen. Dies geschieht durch biologische Signale, die von den Nervenenden weitergegeben werden.

Warum wird die Haut in der Sonne braun?
Die Haut hat eine „Verteidigungsstrategie“ entwickelt, um sich vor schädlichen UV-Strahlen zu schützen. Die Bräune ist ein Schutz, eine Verdickung der Hornhaut. „Verantwortlich für die braune Farbe sind Pigmentzellen, die am Boden der Oberhaut auf der Lauer liegen. Sie versorgen die Arbeiterzellen mit abgepackten Pigmentkügelchen, dem Melanin. Dies ist ein dunkler Farbstoff, der sich wie ein Schirm schützend über den heiligen Schrein, denn Zellkern legt, in dem die göttliche Information, der genetische Code, enthalten ist.“ (Metka/Neuhofer) Die schädliche Wirkung der Sonnenstrahlen wird so abgeschirmt, ein weiterer Schutz wird durch eine Verdickung der obersten Hautschicht gebildet ist. Jedoch – bis dieser Prozess wirklich fertig ist, dauert es circa 14 Tage. Gerade in der ersten Zeit ist die Haut also gefährdet, Sonnenbrand kann Jahre später zu Hautkrebs führen.

Die Lederhaut liegt direkt unter der Oberhaut und verleiht der Haut Festigkeit und Elastizität. In ihr wurzeln auch Körperhaare und -härchen, hier sitzen die rund zwei Millionen Schweißdrüsen, deren Bedeutung wir weiter unten beschreiben. Die dritte Haut, die Unterhaut, schützt durch ihr Fettgewebe die Organe, zum einen vor Einwirkung von außen, zum anderen vor Unterkühlung. Sie ist der Energiespeicher. Die Unterhaut hat die Form von Läppchen – bei Cellulite oder nach einer Diät sind diese Läppchen an der Oberfläche zu sehen. Aber Achtung: Cellulite ist keine Krankheit, wie das oft beschrieben wird, sondern lediglich ein angeblicher Makel.

Wozu ist Schwitzen gut?
Das Schwitzen hat unter anderem die Aufgabe, den Temperaturausgleich im Körper herzustellen. Denn dieser produziert z. B. durch Stoffwechselvorgänge ständig mehr Wärme als gebraucht wird. Um die Temperatur des Körpers und den Wasserhaushalt zu regulieren, schwitzen wir täglich etwa einen halben Liter Flüssigkeit aus. Diese wird von den Schweißdrüsen an die Hautoberfläche abgegeben. Bei Hitze oder großer Anstrengung kann die ausgeschwitzte Flüssigkeitsmenge sogar mehrere Liter betragen. Durch die Feuchtigkeit auf der Haut (den Schweiß) entsteht eine Verdunstungskälte, die den Körper kühlt und dazu beiträgt, dass er auch bei Anstrengungen eine Körperkerntemperatur von circa 37 Grad behält. Auch der Säureschutzmantel der Haut wird durch das Schwitzen gebildet und so ein Eindringen von Bakterien verhindert.
Es sind viele Funktionen, die der Schweiß so erfüllt. Voraussetzung ist allerdings, dass der Körper ausreichend Flüssigkeit erhält, das heißt, dass täglich ausreichend Wasser, Schorle, Früchte- oder Kräutertees getrunken werden.

Bei hohen Außentemperaturen, so auch in der Sauna, nimmt die Wärmebildung im Körper zu. In der Sauna kann die Körperkerntemperatur bis ein Grad oder etwas mehr steigen. Die körpereigene Thermeregulation steuert sofort dagegen: Die Blutgefäße der Haut erweitern sich, so dass mehr Blut hindurchfließen und so auch mehr Wärme abgestrahlt werden kann. Wenn das nicht ausreicht, um die Temperatur zu regulieren, wird die Produktion des Schweißes gesteigert. Das geschieht „automatisch“, das heißt, es kann durchs Bewusstsein nicht gesteuert werden.

Es gibt Menschen, die schwitzen bei Anstrengungen oder aus Scham, Frauen haben Hitzeanfälle in den Wechseljahren. Andere wiederum schwitzen zu wenig. Geübte Saunagänger schwitzen in jedem Fall leichter, so dass der Körper schnell wieder die Temperatur regulieren kann. Das ist gut bei Wetterwechsel, Verkühlung und wenn man Klimaanlangen oder anderen Temperaturwechseln ausgesetzt ist.

Sauna – natürliche Schönheitspflege für die Haut

Durch die oben beschriebene Erweiterung der Gefäße wird die Haut durch die Sauna gut durchblutet, die Hautdurchblutung ist sogar bis zu 40 Mal größer als bei Raumtemperatur. Direkt nach dem Eintreten in die Sauna beginnt das Schwitzen, auch wenn der Schweiß am Anfang noch verdunstet und nicht sichtbar ist. In den ersten Minuten verdunstet der Schweiß, danach bilden sich Tropfen. Durchschnittlich gemessen wurden 20 bis 40 Gramm pro Minute, wovon etwa 10g/Minute verdunsten. Die Hauttemperatur steigt dann auf circa 40 Grad Celsius, während die Körperkerntemperatur nur auf ca 37,8 Grad ansteigt.

Eine Studie der Dermatologischen Klinik in Jena hat ergeben: Schwitzen „trainiert“ die Haut, sie trocknet danach weniger aus, und die Durchblutung der Haut ist besser. Ob es daran liegt, dass die Finnen sagen: „Nie ist eine Frau so schön wie nach der Sauna“?

Für die Untersuchung wurden bei den Probanden die Werte der Haut gemessen, ihr Gehalt an Feuchtigkeit, an Fett, der Verlust von Wasser oder Salz und auch die Durchblutung der Haut. Das Ergebnis: Die Haut von Saunafreunden gewöhnt sich schneller an die Hitze. Sie wies eine bessere Durchblutung und einen besseren Säureschutzmantel auf. Noch ein guter Effekt: Dieser Säureschutzmantel verhindert, dass man beim Schwitzen zu viele Mineralstoffe verliert. Regelmäßiges Saunieren erhöht die Wasserspeicherkapazität der Haut und hält die Haut feucht. Auch bei Akne wirkt Saunabaden positiv: Der auf der Haut entstandene Talg kann besser abfließen.

 

Schönheit von außen – Schönheit von innen
Hunderte von Büchern und Zeitungsartikeln berichten heute von der Wichtigkeit der ausgewogenen Ernährung, der richtigen Fette, des pH-Werts (andauernde Übersäuerung ist äußerst gesundheitsschädlich!), und der gesunden Darmflora. Alle diese Faktoren sind wichtig für die Haut, denn alternde faltige Haut ist nach Metka/Neuhofer eine Folge „stiller“ Entzündungen im Körper, die einerseits zu chronischen Krankheiten, andererseits aber auch zu vorzeitig alternder Haut führt. Andere machen eine funktionierende Darmflora oder Übersäuerung verantwortlich. (siehe Seite ….)
Wir haben ihnen diese im Internet zusammengestellt unter www.Sauna-Fuehrer.com/Gesundheit

Eine Berührung der Haut berührt auch die Seele

Was heißt Berührung und wofür brauchen wir den Tastsinn?
Wer auf eine heiße Herdplatte fasst, weiß, wie schnell er reagiert. Innerhalb von Millisekunden erhält das Gehirn die Information. Ähnlich ist es bei Berührungen überhaupt oder wenn etwas abgetastet wird. Berührungen haben eine direkte Verbindung zum Zentralen Nervensystem. Der Tastsinn ist nicht nur für Gefühle, sondern auch für Orientierung und Wissen wichtig, die Ausbildung des Tastsinns von kleinen Kindern beeinflusst sogar die Größe ihres Gehirns.

Wissenschaftlich und gar nicht esoterisch ist bewiesen: Berührungen sind wichtig für die Ausbildung des Gehirns, für das Immunsystem und für viele weitere Dinge, die für die Gesundheit existentiell sind. Besonders wichtig ist für den Menschen die erste Zeit nach der Geburt und die Kindheit, aber auch später ist es negativ für die Gesundheit und das ganzheitliche Wohlbefinden, wenn der Tastsinn vernachlässigt wird.

Bereits vor der Geburt spürt der Embryo quasi Berührung. Mütter streicheln gedankenverloren ihren Bauch, und auch nach der Geburt sollte das Baby unbedingt direkten Kontakt zur Mutter haben. Gerade am Beispiel der Kaiserschnitt-Kinder, die danach aus hygienischen Gründen wenig Kontakt hatten, wurden gravierende Nachteile für das Baby in seiner Entwicklung bewiesen. In den Findelhäusern Amerikas Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Säuglinge steril sauber gehalten und kaum berührt. Fast jedes Baby starb – einfach aus Mangel an Kontakt, Liebe und Berührung.

Während viele Sinne zu Beginn des Lebens noch nicht ganz entwickelt sind, ist der Tastsinn bald nach der Geburt schon „vollkommen, überaus genau, einfach und klar. Es ist die erste Telefonverbindung des Neugeborenen mit der Welt. Die Art, in der ein Kleinkind Kontakt mit der Welt bekommt, bestimmt auch seine Zukunft.“ (Sherry S. Cohen, Magie der Berührung).

Die Haut als „Lehrer“
Die Haut ist dabei nicht nur für Gefühle zuständig, sondern auch für Erfahrung und Wissen: Die Haut vermag Entfernungen auf ihrer Oberfläche genauer zu bestimmen als das Ohr Entfernungen von Tönen (Cohen). „Ein Hautstück des Kindes enthält bereits mehr als drei Millionen Zellen, hundert Schweißdrüsen und fünfzig Nervenendigungen.“
Bei diesen Zahlen mutet es merkwürdig an, dass die Verfechter von Berührung und Zärtlichkeit oder auch von Berührungs-Therapien hierzulande sich auf Chakren oder andere asiatische Traditionen berufen müssen. Dabei ist doch strengst wissenschaftlich belegt, was für ein wichtiges Sinnesorgan die Haut ist!

Durch das ganze Leben hindurch ist der Mensch auf die Reize über die Haut angewiesen. Neben der liebevollen Berührung durch den Partner, Kinder oder Freunde gibt es vielerlei Möglichkeiten, Berührung zu spüren oder den Tastsinn auf andere Weise zu schärfen.

Tipps und Tricks, den Tastsinn zu üben

Passive Methoden

Zahlreiche, gerade im Wellnessbereich angebotene Anwendungen wie Reiki oder Shiatsu arbeiten mit der Berührung der Haut. Diese Therapieformen beinhalten auch energetische Körperarbeit, das heißt, sie berühren über den Körper die Seele. Daher ist von Seiten des Behandelnden ein hohes Maß an Achtsamkeit, Zuwendung und Sensibilität gefragt. Selbst Gedanken und Gefühle sind Ausdruck von Energie und können zum Beispiel durch Shiatsu eine positive Ausrichtung erfahren.

Auch die klassische Massage oder Wellnessmassagen haben neben der physiologischen Wirkung auch immer eine emotionale Wirkung. Wie schwer ist es, sich fallenzulassen, wenn einem der Masseur nicht sympathisch ist!

Therapien, die positiv auf die Haut wirken, wie Thalasso-Therapien (die die Wirkung des Meerwassers nutzen), sowie Treatments mit Fango oder Lehm arbeiten mit dem Haut-Gefühl – ob es der Therapeut verursacht oder das Material wie im Falle von Lehm.

Aktive Methoden

Barfußgehen

Im Jahr … wurde in Bad Sobernheim der erste Barfußpfad eröffnet. Heute gibt es zahlreiche Barfußpfade, in denen der Tastsinn der Füße trainiert wird. Auch die Kneippvereine bieten seit Jahrzehnten Tautreten oder Kneippgänge an, die nicht nur mit der Wirkung kalten Wassers, sondern auch der Wiese oder der Steine auf die Fußhaut arbeiten.

Wasser als Anreger
Warme oder kalte Bäder berühren auch sanft die Rezeptoren der Haut. Saunagängern muss man diese Wirkung nicht klar- sondern höchstens bewusster machen. Whirlpools stimulieren die Haut besonders, die großen Luftbläschen massieren richtiggehend, während die kleinen Bläschen die feinen Härchen an der Haut abreißen und so die Nervenenden stimulieren.

Die Umgebung als Anreger
Nicht ist einfacher, als einen Baum zu Umarmen! Rosenblätter, Sand, Wiese oder Steine lassen sich berühren, es ist spannend, sich die Wirkung bewusst zu machen. Seien Sie achtsam beim Kauf von Kleidungsstücken, tragen Sie nie etwas, das kratzt. Wählen Sie Material, das sich auf der Haut gut anfühlt und bevorzugen Sie Naturfasern.

Selbstmassage und Eincremen
Auch das liebevolle Berühren des eigenen Körpers ist hilfreich – gerade wenn keine andere Person da ist. „Liebkosendes Berühren des Körpers stimuliert die Rezeptoren der Sinnesorgane in der Haut und erhöht den Energiefluss im ganzen Körper. Eine kraftvolle und kreisende Berührung wird Ihnen helfen, sich zu entspannen und gleichzeitig die Blutzirkulation im ganzen Körper zu verstärken. Kein Wunder, dass Einreibungen und Salz/Honig-Zeremonien in Wellnessanlagen so beliebt sind! Öle, Cremes und Lotionen sind nicht nur nach der Sauna oder dem Baden eine wunderbare Ergänzung.

Technische Hilfsmittel
Ein Wärme- oder Massagekissen oder eine Massageliege können ebenso gut tun wie Fußmassagegeräte aus Holz. Eine starke Brause macht die Selbstmassage unter der Dusche möglich.

Jedoch: Liebe lässt sich nicht ersetzen
Natürlich kann kein technisches Hilfsmittel den liebevollen Partner ersetzen. „Schließlich und endlich ist die Haut nicht einfach ein Mantel, der Sie bedeckt, sondern ein Schlüssel zu ihrem innersten Herzen. Nehmen Sie eine Berührung freudig an. Sie ist ein Geschenk.“ (Cohen)