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Das Kreuz mit dem Rücken

Ein langer Arbeitstag im Büro. Auf dem Heimweg noch schnell eingekauft, und hastig den Kasten Mineralwasser ins Auto gehievt. Autsch! Mit schmerzverzerrtem Gesicht greift sich Peter S. an den Rücken. Rückenschmerzen! Und auch Angst. Hoffentlich nur ein Hexenschuss, bloß kein Bandscheibenvorfall!
So wie Peter geht es vielen Deutschen jedes Jahr. Laut einer Studie zur Bundesgesundheit sind Rückenbeschwerden die zweithäufigste Ursache für Schmerz. Nur Kopfweh ist weiter verbreitet. Bei den Gründen für Krankschreibungen liegen Rücken- und Gelenksbeschwerden sogar an erster Stelle.
„Dabei ist ein Bandscheibenvorfall in den seltensten Fällen der Grund für Beschwerden“ kann Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer, sein Publikum bei seinem Vortrag am 11. April im Holmes Place Fitnessclub in Köln beruhigen.
„80 Prozent der Rückenschmerzen sind Muskelschmerzen, nur 20 Prozent rühren von der Wirbelsäule her und diese sind die meistens Gelenkschmerzen. Nur weniger als zwei Prozent der Rückenbeschwerden liegt tatsächlich ein Bandscheibenvorfall zugrunde.

Natürlich wissen alle Saunafans, das regelmäßige Saunabesuche gut für die Entspannung wirken können. Regelmäßiges Saunieren hat eine positive Wirkung auf Herz, Kreislauf und Immunmsystem, aber auch bei Muskelkater und Gelenkbeschwerden. Unser Tipp: Dehnen Sie in der Sauna die schmerzenden Stellen oder massieren Sie sich selbst, wenn das möglich ist.
Saunabaden ist positiv – vor allem regelmäßig durchgeführt.

Schmerzen schnell behandeln


Zu Hause angekommen nimmt Peter S. eine Schmerztablette, und legt sich auf den Rücken, die Unterschenkel auf die Couch gelagert, was die Lendenwirbelsäule entlastet. Damit macht er alles richtig. „Akuter Schmerzen sollten sie schnell behandeln, sonst droht der Schmerzkreislauf“ rät Grönemeyer, und erläutert wie durch unbehandelte Schmerzen und Stress die Psyche leidet. Durch Erschöpfung und Schlaflosigkeit verspannen sich die Muskeln – weitere Schmerzen sind die Folge. Die Zuhörer nicken zustimmend, viele wohl aus leidvoller Erfahrung. Als wichtige Sofortmaßnahmen gegen Schmerzen empfiehlt der Arzt mit dem musikalischen Bruder Temperaturreize. Kälte wirkt gegen akuten Schmerz am besten. Kältepackungen mit Eiswürfeln regen die Durchblutung an, und entspannen so die Muskulatur. Wem das nicht behagt, sollte Wärme versuchen. Heiße Bäder, Wärmflasche, oder Infrarotlampe verbessern die Durchblutung und wirken krampflösend.

„Das wichtigste ist es jedoch“ - empfiehlt Grönemeyer den erstaunten Zuhörern „auch bei Schmerzen aktiv zu bleiben. Bewegen sie sich vorsichtig, aber bleiben sie auch bei Schmerzen mobil. So bleibt das gereizte Gewebe gut durchblutet, und das Immunsystem kann am schnellsten am Ort der Verletzung wirksam werden“. Dann zückt er einen Tennisball. „Auch wenn sie lieber Golf spielen, ein zwei Tennisbälle sollten sie immer zur Hand haben“ witzelt er, und erklärt dann wie man sich liegend oder an der Wand stehend mit den Bällen die schmerzenden Rückenmuskeln massieren kann. Die Massage so genannter Triggerpunkte wirkt über die Nervenbahnen krampf- und so schmerzlösend. „Das funktioniert ähnlich wie bei der Akupunktur“, deren gute Wirksamkeit unlängst in einer großen von der Techniker Krankenkasse initiierten Studie belegt wurde.

„So viel wie nötig und so wenig wie möglich“ ist Grönemeyers Leitspruch, und das gilt nicht nur für die von ihm mitentwickelte Mikrotherapie. Alternative Heilmethoden wie TCM oder Osteopathie, von deren Wirkung er überzeugt ist, sind für ihn wertvolle Bestandteile einer ganzheitlichen Medizin, und er tritt dafür ein sie verstärkt als Kassenleistungen anzuerkennen.

Vorsorge ist besser als Behandlung


Grönemeyers Motto an diesem Abend ist daher auch „Turne bis zur Urne“. Mit einem Augenzwinkern verdeutlicht er wie wichtig regelmäßige Bewegung für einen schmerzfreien Rücken ist. „Durch Bewegung werden Stresshormone abgebaut, die sonst die Muskelspannung erhöhen und zu Schmerzen durch Verspannungen führen. Machen sie es wie Johannes Hesters. Der ist 104 Jahre alt und springt immer noch auf der Bühne herum“
Eine gut trainierte Rumpfmuskulatur ist dabei das A und O. Starke Rückenmuskeln stützten die Wirbelsäule und kompensieren Fehlhaltungen der Wirbelsäule. „Die wenigsten Menschen haben einen lotgraden Rücken. Die Natur ist nicht genormt, doch mit etwas Training und rückengerechtem Verhalten ist das kein Problem“ erklärt Grönemeyer.

In „Mein Rückenbuch“ zeigt der Bochumer Spezialist für Mikrotherapie viele einfache Übungen, die man leicht im Alltag, und ohne viele Hilfsmittel turnen kann. Eine davon, den „Gecko“, erläutert er an diesem Abend: „Dazu braucht man lediglich einen stabiler Tisch“. Man legt sich so unter den Tisch, dass der Kopf unter der Tischplatte hervorschaut, die Schultern auf Höhe der Tischbeine. Dann zieht man sich mit den Armen so weit wie möglich an der Tischplatte hoch. Mit stark angewinkelten Beinen geht es einfach, je mehr man aber die Beine streckt, desto schwieriger wird die Übung. „Der Gecko ist zur Kräftigung des Rückens perfekt, eigentlich sollte unter ihrem Küchentisch immer jemand hängen“, scherzt Grönemeyer.

Peter S. kann wieder lachen. Seine Selbstbehandlung zeigte schnell Erfolge. Nach wenigen Tagen bleibt ihm vom Hexenschuss nur eine schmerzhafte Erinnerung und die Einsicht, es in Zukunft nicht mehr so weit kommen zu lassen. Seit Neustem fährt er mit dem Fahrrad zur Arbeit.