Was Schlamm alles kann
Peloide wirken positiv auf die Haut, Solebäder sorgen für weiche Haut
(mf) Gibt es Kinder, die nicht gern im Sand spielen oder sich im Schlamm wälzen? Wohl kaum. Insbesondere bei einer Rassoul-Anwendung werden solche Kindheitserinnerungen geweckt. Man reibt sich selbst und gegenseitig ein und genießt die Materialien an Händen und Haut. Unser ureigenstes Bedürfnis nach Matsch bekommt in Kur- und Wellnessanwendungen darüber hinaus noch gesundheitsfördernden Charakter. Dickbreiige Moorbäder in Heilbädern sind bei Rheuma, Rücken- und Gelenkbeschwerden, aber auch bei Hautkrankheiten beliebt.
Als Überbegriff spricht man von Peloiden (griechisch pelos = Schlamm). Dazu gehören u.a. Moor, Schlick, Lehm, Kreide, Fango und Bentonit. Trotz dieser Gemeinsamkeit sind die Peloide so unterschiedlich wie die Erdschichten, in denen sie sich in Jahrtausenden ablagerten. Es gibt solche aus mehrheitlich organischem Material (d. h. abgestorbenen und humifizierten Pflanzen) wie Moor und andere, die größtenteils aus anorganischen Materialien bestehen wie Lehm oder Kreide. Bei manchen ist der pH-Wert sehr niedrig wie bei Moor, bei anderen wie bei Kreide ist der PH-Wert relativ hoch.
Moorbäder
Moorbäder haben positive Wirkung auch auf die Haut. Der Badetorf organischen Ursprungs enthält u. a. entzündungshemmende Substanzen wie Huminsäure. Huminsäuren sind chemische Verbindungen, die während des Abbauprozesses von biologischem Material gebildet werden und den niedrigen PH-Wert erklären. „Die Versorgung des Gewebes mit Nahrungsstoffen wird durch das Moor verbessert. Der Abtransport von Stoffwechselprodukten und die Stimulation des Gewebestoffwechsels wird verstärkt. Auch die Durchlässigkeit der Haut verbessert sich.“ (W. Brückle, Chefarzt der Rheuma-Klinik Bad Nenndorf). Hieran ist vor allem die besonders langsame und damit schonende Überwärmung des Körpers ursächlich.
Rassoul
Zum Rassoul und Solewasser befragten wir Prof. Dr. Dr. Jürgen Kleinschmidt, Leiter des Fachbereichs Kurortmedizin am Institut für Gesundheits- und Rehabilitationswissenschaften der Universität München. „Bei einer Rassoul-Behandlung handelt es sich um eine Kombination aus einer milden Überwärmung ähnlich wie im türkischen Bad und um eine dünnschichtige Peloid-Schicht, die auf die Haut eingerieben wird. Oft sind die verwendeten Heilerden auch mit Öl gemischt. Die Heilerden haben eine angenehme Wirkung auf die Haut und die Durchblutung der Haut wird insgesamt gefördert.“
Salzeinreibungen, Sole- und Meerwasser
Hierzu erläutert Kleinschmidt: „Die Besonderheiten der osmotischen Druckverhältnisse durch die Einwirkung von Salz sind sehr spannend. Jedenfalls werden dadurch die Selbstheilungskräfte des Körpers stimuliert. Als Reaktion darauf wird das Immunsystem angeregt.“
Auch gesunde Menschen schätzen das Hautgefühl nach dem Solebad: Die Haut fühlt sich dann weich und geschmeidig an. Die Solelösung weicht die Haut intensiver auf als reines Wasser und das Salz wirkt zudem entzündungshemmend. Darum werden zum Bespiel Schuppenflechten-Patienten mit Solewasser behandelt. Auch Meerwasser ist Solewassers (Nordsee ca. 3 Prozent, Ostsee ca. 1,5-prozentige Sole). Bei Spaziergängen am Meer setzt sich salzhaltiges Aerosol auf der Haut fest und entfaltet dort - wie auch im Atemtrakt - seine wohltuende Wirkung.
Schlickpackungen
In Schlickpackungen sind neben dem anorganischen Sand noch Meeressole und Algen mit ihren organischen Bestandteilen enthalten. Ihre Wirkungsweise ist daher eine Kombination der vorgenannten Wirkungen von Heilerden und Solen.
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