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Endlich Wellnesstag

Eine Wohlfühl-Erzählung / oder: Die Sauna-Kurzgeschichte

Endlich Wellnesstag! Sauna, Baden, Massage. Seit Tagen sehne ich mich nach meiner wohlverdienten Erholung. Ich bin Karin Holm und ich bin 37 Jahre alt. Von Beruf bin ich Bankkauffrau. Schnell noch die Kinder weggebracht, alles organisiert, das Parkhaus ist voll … Super. Gottseidank, da fährt einer raus!

Ich nehme das Vier -Stunden -Ticket. Im Umkleideraum ist mein Lieblings-Schrank wieder nicht frei, die Bank besetzt. „Könnten Sie nicht Ihre Tasche etwas …“ die Frau lässt mich nicht aussprechen. Schlecht gelaunt hetze ich unter die Dusche – die Zeit läuft. Da höre ich eine Stimme: „Falsch, falsch“, meint die Wellness-Wohlfühl-Fee mit säuselnder Stimme. „Wenn du dich jetzt schon abhetzt, wird aus dem Wohlfühlen nichts werden. Entspann’ dich schon am Eingang, trink vielleicht noch dort einen Schluck etwas und stimm’ dich auf diesen besonderen Tag ein.
„Wie, jetzt? – VOR dem Besuch in die Cafeteria, die Zeit läuft doch!“ meckere ich sie an. Schließlich will ich wenigstens hier beim Duschen meine Ruhe haben.

„Ja“, säuselt sie, „es ist wichtig, eine Stunde vor dem ersten Saunagang ausreichend getrunken zu haben. Wie viele Gläser Wasser hast du heute schon getrunken? Na, sei ehrlich.“

„Eine Tasse Kaffee,““, antworte ich missmutig. Wann hätte ich denn mehr trinken sollen? Wieso soll ich überhaupt antworten? Es ist MEIN Wohlfühltag. Widerwillig nehme ich mir vor, das nächste Mal zu Hause schon ein paar Gläser Flüssigkeit zu mir zu nehmen. Ich gehe an die Bar und trinke erst einmal einen Schluck .

„So ist es richtig, aber nicht so hastig,“, “ rät die gute Fee, „versuch’, in deinen Körper hineinzuhorchen, nach was dir zumute ist. So hektisch wie du heute bist, könntest du mit dem feuchtwarmen Bad (was alle Kräutersauna nennen) von 60-70°C anzufangen.“

Ich gehorche befolge ihrem Rat. Ihre Stimme hypnotisiert mich ein wenig, es kann ja nicht schaden. Wie langweilig, hier im Bio-Bad zu sitzen, da ist ja gar nichts los. Ich schließe die Augen und versuche zu meditieren. Schließlich ahne ich schon, was sie gleich sagt:

„Langweile ist wichtig, da musst du durch, versuche mal, an nichts zu denken!“

Nach zehn Minuten reicht es mir, ich will hier raus, ins kalte Wasser. Doch kein Schritt ohne einen Kommentar der Fee, diesmal gesungen.
„Im feuchtwarmen Bad sollst du zwanzig 20 Minuten bleiben, sonst hast du nicht richtig geschwitzt“, singt sie, „oder du gehst jetzt noch in die heiße Sauna, so wie es bei den alten Römern üblich war: erst Vorwärmen, dann Schwitzen.“. Ich entscheide mich für eine ruhige Trockensauna, eigentlich sehr angenehm, so vorgewärmt hineinzugehen, langsam entspanne ich mich.

Das Abkühlen beherrsche ich wunderbar, das hatte mir schon mit 18 Jahren ein Freund erklärt: erst frische Bewegung an der frischen Luft, dann der Schlauchguss von rechts unten nach links oben, dann Schwalldusche und Tauchbecken. Juchhu, kein Kommentar der Fee. Plötzlich fehlt sie mir direkt. Und ich versuche, zu ihr Kontakt aufzunehmen:

„Wer bist du eigentlich, Wellness-Wohlfühl-Fee, habe noch nie von dir gehört, nur deine Stimme erinnert mich an irgendetwas, vielleicht an die Margarine-Werbung ...?“, frage ich sie. „Ich bin von allem nur das Beste, und außerdem deine innere Stimme“, kichert sie.
Wenn das meine innere Stimme ist, sollte ich mich vielleicht mit ihr beim Radio bewerben.

Dabei stehe ich vor der Saunatafel: „Saunabaden, aber richtig.“. Das Männchen sieht man sitzend und liegend, ich kenne die Tafel auswendig. Jedoch:
„Wo, liebe Wellness-Fee, ist denn auf der Tafel der Whirlpool, ich bin jetzt schön kühl und habe Lust auf das warme Wasser.“

„Iiihh“, kreischt sie so laut, dass ich mir das Ohr reibe. „Das ist der meistbegangene Fehler, meine Liebe: die Abkühlung soll so lange dauern wie die Erwärmung, also leg dich in den kühlen Ruheraum und packe die Füße schön warm ein. Wenn du noch sehr erhitzt bist, geh’ an die frische Luft, sonst ist der Körper irritiert …“

Grummelnd lege ich mich in den Ruheraum und frage mich, warum so viele das dann falsch machen. Haben die keine flüsternde Fee? Vielleicht hab ich sie ja in Lotterie gewonnen?

Na gut, dann frage ich meine Expertin doch gleich weiter, natürlich leise, um die Mit-Ruhenden nicht zu stören. „Warum hab’ ich manchmal Kopfschmerzen nach der Sauna, liebe Fee? „Vielleicht trinkst du dann zu wenig, versuch’ es doch mal mit dem warmen Fußbad nach der Sauna ….“
Die letzten Worte höre ich kaum noch, denn schon bin ich eingeschlafen. „Erst in der Ruhe“, höre ich sie flüstern, „erholt sich der Körper wirklich.“. Im Traum erscheint sie mir wie eine Mischung aus „Bezaubernde Jeanny“ und Madonna. Ich schwinge mich hoch auf ihre Wolke und segle mit ihr davon.

Zuhause fragt mein Mann mich, ob ich denn nett geflirtet hätte, ich würde so strahlen. „Lange habe ich mich nicht so gut erholt wie heute,“, antworte ich. Von der Wellness-Wohlfühl-Fee erzähle ich ihm nichts …