Wellness heißt Selbstgenuss
Martina Frenzel geht der Frage nach, worauf es bei einem Wellnesstag ankommt.
Kennen Sie das?
Sie haben sich gerade geärgert oder Sie „haben Stress“ wie man so schön sagt. Oder auch beides. Da halten Sie kurz an einem Imbiss. Sie „schieben“ voll destruktiver Lust etwas in sich hinein, von dem Sie wissen, das es Ihrem Körper nicht guttut. Fast erscheint es, als bereite das Ungesunde eine besondere, fast schon masochistische Freude.
Ein Oberarzt in einem Kurort meinte im Interview dazu: „Es ist fast so, als würde das Essen zum Feind werden. Dabei sollte gesunde Ernährung doch Genuss bereiten – Essen bildet schließlich die Grundlage unseres Lebens.“ Es scheint absurd und ist doch psychologisch zu erklären: Je mehr wir darüber wissen, wie wir gesund leben sollten, desto weniger ist es manchmal möglich. Da schleicht sich der „innere Schweinehund“ ein, und der ist um so stärker, je höher die Anforderungen sind, die an uns gestellt werden. Die Wirtschaftskrise hat hier ihre Auswirkungen bis in die kleinste Kommunikation in der Arbeit, nahezu jeder scheint mehr unter „Stress“ zu stehen als in früheren Jahren. Diese Ellbogenmentalität erstreckt sich sogar auf die Kinder, die Schulen, den Straßenverkehr, die Kommunikation im Alltag und vieles mehr. Es ist die Funktion der Wellnessanlagen sowie der Therapeuten und Trainer, diesen ungesunden Mechanismus der negativen Energie und der Selbstzerstörung zu durchbrechen. Diese Inseln der Erholung können manchmal Wunder bewirken: Sie erleben einen besonderen Aufguss oder einen schönen Saunagang, Sie liegen im Pool oder Ruheraum, und schon nach wenigen Stunden können Sie sich selbst wieder gut leiden. Im Spiegel sehen Sie, wie sich Ihr Gesicht von Stunde zu Stunde mehr entspannt bis Sie sich beim Verlassen der Anlage zwar müde, aber im besten Sinne „wie neugeboren“ fühlen. Das Wunder scheint wie von selbst zu kommen. Und doch liegt es an Ihnen selbst, ob ein Wellnesstag wirklich erholsam verläuft. Denn leider lässt sich der destruktive Mechanismus des Alltags nicht gleich an der Eingangstür ablegen. Im Folgenden möchte ich einige Tipps geben, worauf Sie achten können, damit das Erlebnis so entspannend wird wie Sie sich das wünschen.
Schon der Beginn stellt die Weichen
Etwas besonders Gutes tun sie sich, wenn Sie die innere Hektik bereits zu Beginn des Wellnesstags ablegen können. Wieso trinken Sie nach Ihrer Ankunft nicht zuerst in Ruhe ein Glas und überlegen einmal „wie fühle ich mich? Was möchte ich hinter mir lassen? Worüber möchte ich nachdenken oder gerade nicht nachdenken?“ Die Uhr kann dann bereits jetzt langsamer gehen, die Entschleunigung beginnen. Nebenbei ist es auch für die Gesundheit entscheidend, auch vor der Sauna ausreichend getrunken zu haben – mit einem großen Glas Wasser oder Schorle bereiten Sie Ihren Körper vor!
Kommunikation und „Für sich sein“
Die Kunst des Aufenthaltes in einer Wellnessanlage besteht darin, für sich und gleichzeitig mit Fremden sein zu können. Das ist nicht immer so einfach, wie jeder weiß – wie viel Kommunikation ist angenehm?Die Atmosphäre in der Anlage kann nur so entspannend sein, wie die Besucher auch sensibel und aufmerksam miteinander umgehen. Fühlt man sich gestört, lässt sich die Beschwerde auch lächelnd oder mit Humor vortragen, Streit stört die Entspannung für beide Seiten.
King of the Moment
Manche meinen an einem Wellnesstag „alles mitnehmen“ zu müssen – sämtliche Saunakabinen und -räume. Das ist aber in einer Anlage wie der des Mediterana nahezu unmöglich. Wählen Sie doch stattdessen genau aus, welche Räume oder Anwendungen gerade jetzt die richtigen sind – Sie sind jetzt der „König des Moments“. Dazu müssen Sie aber erst einmal in sich hineinfühlen, WAS Sie eigentlich heute möchten. Wenn es nicht das Richtige ist – sofort wechseln! Zwingen Sie sich bitte nicht, irgendetwas durchzuhalten!
Sind Sie in Begleitung, ist es häufig besser, sich eine Stunde zu trennen, damit jeder bewusst den eigenen Wünschen nachgehen kann. Um so schöner ist danach, wieder zusammenzutreffen und gemeinsam zu genießen.
Weniger ist besser als mehr
Nicht die Anzahl der Saunagänge und Anwendungen ist entscheidend für die Entspannung. Viel wichtiger ist es, den eigenen Körper und den eigenen Rhythmus zu spüren. Erst wenn Sie im Ruheraum oder Garten dösen und die Gedanken kommen und gehen lassen, tritt der wirkliche Entspannungseffekt ein. Der übrigens auch die Voraussetzung dafür ist, dass die positive Wirkung auf die Gesundheit genau so eintritt wie Sie sich das wünschen.Falls Sie diesen Zustand ohne Hilfe nicht erreichen können, lassen Sie sich beraten. Vielleicht brauchen Sie etwas Besonderes und finden in der großen Anzahl der Anwendungen eine, die Ihnen jetzt besonders hilft, „herunterzukommen“.
Männlich – weiblich
Es gibt Untersuchungen, die erwiesen haben sollen, dass Männer (im Durchschnitt) ein funktionelleres Verhältnis zu ihrem Körper haben, das heißt, dass der Körper von ihnen mehr als Instrument betrachtet wird denn als eigenes Ich. Daher übertreiben Männer es häufig beim Sport oder im Fitness-Studio. Wie in der Arbeit soll der Körper auch hier Leistung bringen. Ein liebevolles Verhältnis zu sich selbst fällt solchen Männern besonders schwer. Die Damen der Schöpfung leiden wiederum mehr unter ihrem eigenen Schönheits-Ideal, wenn sie sich im Spiegel der Umkleidekabine betrachten. Beiden, Männern wie Frauen, möchte man sagen: Vergessen Sie es! Vergessen Sie diese Leistungs- und Schönheitsideale! Hier kommt es nicht auf stärker, besser, schöner an, sondern nur auf Genuss. Es ist keine Leistung, besonders lange in einem Aufguss oder der heißesten Sauna verharren zu können! Das Gegenteil ist der Fall: Wer bei den verschiedenen Wärme-Anwendungen nicht auf sich achtgibt und gar ohne vorheriges Trinken direkt den Alkohol an der Theke aufgießt, gefährdet nicht nur den Entspannungseffekt, sondern auch seine Gesundheit. Die Damen wiederum können am Wellnesstag einfach mal Ihre Gewichtsprobleme vergessen und sich auf Wirkung der Entspannung verlassen: Nie ist eine Frau so schön wie nach der Sauna , sagt ein finnisches Sprichwort. Der Sexappeal kommt dann von selbst – dann nämlich, wenn Sie sich eins mit sich selbst fühlen. Denn Letzteres ist doch das Ziel eines Wellnesstags. Probieren Sie es einmal bewusst aus – Wellness heißt Selbstgenuss. Und vielleicht macht dann im entspannten Zustand auch das gesunde Essen zu Hause mehr Spaß als vorher.
Martina Frenzel
Die studierte Dipl. Psychologin war zehn Jahre im Bereich Bühne und Kultur-Management tätig bis sie im Jahr 2002 ihr Hobby – die Sauna – zum Beruf machte. Sie startete 2002 mit dem Portal SaunaSauna.de, das eine umfangreiche Suche zu allen Saunabädern in Deutschland ermöglicht. Bereits 2003 erschien das Magazin „heiss+kalt“, Deutschlands einziges kostenloses Wellnessmagazin, das vierteljährlich in den wichtigsten Thermen ausliegt.
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