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Vortrag von Martina Frenzel, beim Symposium des Verbandes Deutscher Schwimmeister, FSB Kölnmesse 2009
So wie sich in den letzten Jahrzehnten die Bäderlandschaft verändert hat, hat sich auch das Berufsbild des Schwimmeisters und heute Fachanstellten für das Bäderwesen verändert.
Die 60 und 70 er Jahre waren die Zeit der Sportbäder, an die höchstens eine kleine Sauna angeschlossen war. Damals war der Bademeister noch der Halbgott in weiß der am Beckenrand stand und nicht nur Autorität, sondern auch Vertrauensperson war, Anlaufpunkt; Kontaktstelle, väterlich und alles in einem.
Die 80er Jahre waren die Jahre der Freizeitbäder, nun standen Animation und Events im Vordergrund, auch die technischen Anforderungen die an das Personal gestellt wurden, stiegen. „Wasser alleine reicht nicht aus“ war das Stichwort. Ende der 90er wurde nun die Sauna immer wichtiger – nun wurde mit Aufgüssen und Events improvisiert. Eine gute Ausbildung hierfür war dagegen rar gesät, nicht zuletzt weil die Verbände häufig gegen dieses Entwicklungen waren (zunächst sollte ja im Saunabad weder ein Swimmingspool noch ein Whirlpool sein, auch Aufgüsse wurden nicht unbedingt begrüßt). Erst später, immer dannwenn diese Entwicklungen nicht aufzuhalten waren, schalteten sich die Verbände wieder ein, um hierzu auch fundierte Weiterbildungen anzubieten. Bis dahin hatten sich allerdings auch schon einiges an Unsinn etabliert, was erst langsam wieder abzuschaffen ist, wie Honig-Aufgüsse, die die Saunabänke verkleben.
Das letzte Jahrzehnt ist nicht nur gekennzeichnet von immer größeren Saunalandschaften, sondern auch von immer mehr und größeren Thermalbädern. Neben Wellness wird heute auch Prävention und Gesunderhaltung immer wichtiger.
Natürlich ist bei dieser rasanten Expansion und Entwicklung auch der Konkurrenzkampf groß. Neben den positiven Weiterentwicklungen gibt es immer allerlei Unsinniges. Es mussten immer neue und exotischere Saunakabinen erfunden werden, die nicht nur den Gästen, sondern häufig zunächst den Herstellern und Planern zugute kommen, die neue Märkte finden mussten. So passierte es beispielsweise, dass Saunalandschaften, die von Herstellern geplant wurden, mit zu vielen Saunakabinen und zu wenig Ruheflächen ausgestattet wurden. Oder es wurden sog. Biosaunen erfunden, von denen bis heute niemand weiß, wie diese eigentlich korrekt - im Sinne der Verbände -genannt werden sollen. „Sanarium“ ist beispielsweise ein geschützter Begriff und Biosauna ist sogar nach deutscher Gesetzgebung falsch. Korrekt müssten all diese Bäder „feuchtwarme Bäder“ genannt werden, was jedoch in der Realität keiner tut. Ebenso unklar ist der Unterschied für die Gäste, die durch eine solche Saunalandschaft wandeln und experimentieren – mal richtig mal falsch und ebenso wichtig ist natürlich, dass das Personal die Untesrchiede zwischen den Saunakabinen kennt und auch vermitteln kann.
Man sieht an diesen Beispielen, dass bei einer expandierenden Branche auch viel Unsinn passiert. Da werden Kneippbecken neben der Sauna aufgebaut, die heiss-kalte Fußwechselbäder anbieten, und die Gäste gehen nach der Sauna direkt ins kalt-warme Fußbad. Jeder der eine Saunaausbildung hat, weiß jedoch, dass nach der Sauna nur ein warmes Fußbad genommen werden sollten.
Ein anderes Beispiel ist der Umgang mit den Badekulturen dieser Welt. Türkische Bäder, sog, Hamams sind beispielsweise über Jahrhunderte aus der römischen Badekultur über das islamische Bad entstanden und haben in ihren Ursprungsländern religiöse und kulturelle Bedeutung. Hier jedoch wird einfach ein hübsches Kachelbad gebaut und die Seifenschaummassage heißt dann hierzulande Hamam. Ebenso exotisch sind Caldarien, die aus Holz gebaut sind, dabei entstammen sie eigentlich der römisichen Badekultur und waren klassisch Steinschwitzbäder. D.h. hier entstehen nicht nur schöne Wellnesstempel, sondern Kaufhäuser an Badekulturen mit dem Motto „alles so schön bunt hier“, bei denen man sich einfach aller Kulturen bedient, ob römisch, finnisch, türkisch – alles schön durcheinander und hauptsache ist, es verkauft sich gut.
Um so wichtiger ist natürlich, dass das Personal über die kulturellen Hintergründe und die gesundheitliche Wirkung dieser Badeformen Bescheid weiß, beides ist gleichermaßen wichtig.
Die Bereiche Wasser, Wärme und Wellness gehen heute ineinander über. So ist in der Sauna plötzlich ein warmer Whirlpool zu finden, im Sport-Hallenbad ein Dampfbad und im Thermalbad, Kneippbecken, Thermalbecken unterschiedlichster Temperaturen oder womöglich noch eine Infrarotkabine, die wiederum völlig anders auf den Körper wirkt als eine Sauna.
Was heißt dies nun für die Aus- und Weiterbildung?
Ich habe als Herausgeberin von heiss+kalt und Betreiberin der Portale saunasauna.de und saunafuehrer.com, eine Umfrage unter meinen Kunden und Freundinnen und Freunden gestartet.
Wie sollte die Ausbildung im Bäderbereich aussehen?
Hier sind die Ergebnisse:
Die Grundlagen im medizinischen Bereich, im Bereich Physiologie und Anatomie sollten unbedingt intensiviert werden. Ebenso die Bereiche Balneologie, die der klassische medizinishce Bademeister in seiner Ausbildung hatte.
Es wäre denkbar, dass hier die Grundlagen gelegt werden und der Auszubildende sich danach spezialisieren kann auf
1) Wassergymnastik und Präventionsangebote im Wasser
Hierfür wäre wünschenswert, dass dies durch diese Fundamente in der Ausbildung dann auch von Krankenkasse anerkannt würde, so dass man nicht in einen Verein eintreten muss, um diese Anerkennung der Kassen zu erhalten.
2) Auf Sauna: Ebenso ist dies die Grundlage für die rasend anwachsende Zahl der Schwitzkabinen, ich habe oben ja schon gesagt, dass mittlerweile auch Hallenbäder über Dampfbäder verfügen oder in Saunalandschaften eine Zahl unterschiedlichster Schwitzkabinen vorhanden ist.
3) Auf Thermalbäder: Ebenso wäre wünschenswert, dass es Grundlagen der Balneologie in der Ausbildung gibt, weil Kneippbecken wieder auf dem Vormarsch sind und gerade die Mitarbeiter, die in Thermalbädern arbeiten, hier eine fundierte Ausbildung benötigen.
4) Es ist die Frage ob sich die klassische Weiterbildung zum Saunameister hier nicht auch verändern und spezialisieren wird in Wellnessanwendungen von Rasul bis Hamam, klassische Sauna, die römischen und türkischen Bäder etc.
Zuletzt möchte ich die Frage stellen:
Ich beobachte in einigen Bädern, dass Mitarbeiter zwischen den Bereichen Hallenbad und Sauna wechseln. Wie kann es möglich sein, sich nach einer kleinen gewalttätigen Auseinandersetzung mit Jugendlichen einen Wellness-Aufguss zu zelebrieren, wie es heute so schön heißt? Wenn die Finanzierung des Bades das zwingend erforderlich macht, wie kann man Lösungen für dieses Problem finden?
2. Was muss ein Mitarbeiter eines Wellnessbades oder einer Wellness-Sauna heute von Wellness verstehen? Hierfür sind sicherlich ganz wichtig:
Kommunikation mit den Gästen - die Gratwanderung zwischen Privatheit und Öffentlichkeit, es gibt Mitarbeiter, die sich selbst nicht einbringen und so keine Kundenbindung herstellen, andere wiederum die Grenzen der Privatheit verletzen und den Gästen Dinge mitteilen, die diese nichts angehen
Zum zweiten sollten die Mitarbeiter von Wellness-Anlagen auch die Grundlagen der Wellness-Philosophie verstehen, von denen Herr Hasenstab gleich berichten wird. Denn es reicht nicht aus, bei einem Handtuch einfach mit den Handtuch zu wedeln, wenn man einen Aufguss zelebrieren will oder wenn man in den Ruheräumen eine Wellness-Atmosphäre herstellen will, muss man das verstehen, was man nicht einfach lernen oder mit wenigen Worten erklären kann: was Wellness wirklich ist.
Last not least möchte ich noch einmal auf die Marketing-Aktivitäten zu sprechen kommen. Es gibt Events die wunderschön und liebevoll gestaltet sind und den Wellness-Gedanken in sich tragen. Und es gibt solche, die den Konkurrenzgedanken dieser Gesellschaft eher verstärken wie etwa: wer hält es am längsten auf im Aufguss? Wer macht den heißesten Aufguss? Wer wedelt am besten oder macht dabei womöglich noch irgendwelche absurden Piruetten? Da gibt es wirklich merkwürdige Blüten der Eventkultur, wie bayrische Abende, bei denen nach dem fetten Essen direkt der Wodka, und nach dem Aufguss der nächste Wodka gereicht wird.
Zu diesem Thema laden wir Sie herzlich ein zum Teegspräch auf der aquanale zu unserem Stand M031 bei der Sonderschau Spirit of Bath.