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Auszug S: 56-S.59 aus „Sauna unbeschwert genießen“  von Dr.  med. Ulrike Novotny

Copyright 2007 TRIAS  Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG

ISBN 978-3-8174-6287-2

122  Seiten, vierfarbig, Broschur, Format xx xx cm

14,95  €

 

 

 

Tipps für spezielle Gruppen

Regelmäßiges Saunieren ist eigentlich in fast allen Alterstufen und Lebenslagen gesund und empfehlenswert, wenn Sie die Einschränkungen und besonderen Hinweise, die wir Ihnen auf den folgenden Seiten geben, beachten.

In Finnland ist es beispielsweise das Normalste von der Welt, Kinder mit in die Sauna zu nehmen. Säuglinge haben ebenso viele Schweißdrüsen wie Erwachsene. Für Kinder ist das Training des Immunsystems eine wichtige Aufgabe, die durch regelmäßiges Saunieren unterstützt wird. Bei akuten Infekten hingegen ist eine zusätzliche Wärmebelastung durch die Sauna tabu. Aber diese Regel gilt genauso für Erwachsene.

 

Sauna für Kinder

Kinder nimmt man am Besten mit in die Sauna, wenn sie schon trocken sind, denn unter Windelpaketen staut sich die Wärme zur Hitze auf. Ein Erwachsener sollte immer zugegen sein. Saunatemperatur und –klima brauchen nicht geändert zu werden; meistens fühlen sich Kinder auf der mittleren Bank am wohlsten. Kinder wollen noch häufiger als Erwachsene Rekorde brechen. Hier sollten sie bremsen. Wegen ihrer relativ großen Hautoberfläche nehmen Kinder Wärme schneller auf und geben sie beim Abkühlen auch schneller wieder ab als Erwachsene – sie sind also schneller ausgekühlt.

Der Deutsche Saunabund empfiehlt Saunieren bereits ab dem vierten Lebensmonat (nach der U4), zumal Studien aus Magdeburg zeigten, dass es drei Monate alten Säuglingen anschließend bestens ging, sie waren entspannt und schliefen besser. Allerdings dauerte der Aufenthalt bei ihnen drei Minuten (mittlere Bank)  - hier stellt sich das Windelproblem nicht.

Geübtere Babys können dann sechs Minuten bleiben. Denken Sie an ein Extra-Fläschchen, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.

Info: Bekeidungswunsch respektieren

Kleine Kinder sind meist mit Wonne nackt, bei größeren kann sich Scham einstellen. Respektieren Sie das. Kinder müssen die Sicherheit haben, dass nur sie entscheiden, wer ihren Körper sieht und wer nicht. Wenn das Kind erst einmal ein Badehöschen tragen will, können Sie das erlauben – nur luftig sollte es sein (kein Hitzestau im Hodenbereich).

 

Sauna in der Schwangerschaft

Die Sauna ist bestens dazu geeignet, auch in der Schwangerschaft die Gesundheit zu festigen und zur Entspannung beizutragen. In Finnland gehört das Saunabaden auch für Schwangere zum Alltag.

Positive Effekte

An finnischen Universitäten wurde die Sauna in der Schwangerschaft untersucht, mit folgenden Ergebnissen, die Schwangere zum regelmäßigen Saunagang animieren sollten:

 

  • Saunierende Schwangere neigen weniger zu Wasseransammlungen als andere Frauen.
  • Das Gefäßtraining verringert die Krampfaderbildung in der Schwangerschaft.
  • Die Kreislaufanpassung wird geübt, der Kreislauf ist in der Schwangerschaft und unter der Geburt stabiler.
  • Wehenschmerzen sind verringert, die Geburtswege erweitern sich leichter, die Geburtsdauer ist bei regelmäßig Saunierenden kürzer.

 

Etliche Frauen verzichten gerade wegen erweiterter Venen in der Schwangerschaft auf das Saunabad – das ist nach diesen Befunden unnötig. Die gesteigerte Durchblutung beugt Thrombosen in Krampfadern vor, auch dies ist ein positiver Effekt, da die Neigung zu Thrombosen in der Schwangerschaft generell erhöht ist. Die in der Schwangerschaft erhöhte Infektanfälligkeit ist bei regelmäßig Saunierenden vermindert.

Auf den Körper hören

Durch einen Saunabesuch werden um den Entbindungstermin herum Wehen angeregt. Eine vorzeitige Geburt aufgrund eines Saunabesuchs wurde aber bisher noch nicht beschreiben. Am ehesten beruht diese Anregung darauf, dass die Sauna die Regulation unterstützt, hier also die  schon vorhandene Geburtstendenz unterstützt.

Selbstverständlich sollte die Schwangere immer genau auf ihren Körper hören und sich nicht überfordern. Den Aufenthalt in der Kabine muss sie möglicherweise auch einmal abkürzen. In den letzten vier Wochen vor dem Entbindungstermin wird von einem Tauchbad abgeraten. Bei Neigung zu einem Blutdruckabfall (Schwarzwerden vor den Augen beim Ausstehen) sollte die Schwangere besonders darauf achten, am Ende des warmen Saunaganges allmählich den Kreislauf anzupassen (aufrichten, Wadenpumpe betätigen) und beim Abkühlen nicht stehen zu bleiben.

Achtung: Bei nicht gut eingestelltem Bluthochdruck in der Schwangerschaft und Schwangerschaftstoxikose sollten Sie auf Saunieren verzichten.

Das Ungeborene sauniert mit

Auf das werdende Kind wirkt sich die kurzfristig erhöhte Temperatur aus, der vermehrte Blutumlauf sowie der kurz (10 Sekunden!) erhöhte Druck im Tauchbecken. Die Herztöne des Kindes wurden in Untersuchungen während der Sauna überwacht. In einigen Fällen beschleunigten, in anderen Fällen verlangsamten sie sich, jedoch nie besorgniserregend. Weil das doch bei Blutarmut der Mutter einmal kritischer werden könnte, ist bei Schwangeren mit Anämie von der Sauna abzuraten, bis die Anämie behoben ist.

Höhere Körpertemperaturenwerden teilweise für Missbildungen verantwortlich gemacht. Die Studien, die diese Hypothese formulierten, unterscheiden aber nicht nach den Gründen für erhöhte Körpertemperaturen und warfen heiße Bäder, fieberhafte Infekte und Sauna „in einen Topf“.

Inb Finnland mit seiner langen Saunatradition – auch bei Schwangeren-, liegt die Missbildungsrate im internationalen Vergleich außergewöhnlich niedrig. Denn eine Temperaturerhöhung durch heiße Bäder und durch Sauna ist nicht miteinander vergleichbar, da in der Sauna selbst bei längerer Wärmephase die Kerntemperatur nicht wesentlich und nicht lange über 38° C ansteigt, im Heißwasser-Sprudelbad dagegen steigt sie schon innerhalb der normalen Anwendungsdauer auf 39° C, bei Fieber ist sie über Stunden und Tage erhöht.

Für den Vorwurf, speziell das Saunieren könne das Missbildungsrisiko erhöhen, gibt es also keine Belege, wogegen ist Hinweise gibt, das regelmäßiges Saunieren das Risiko eher senkt.

Tipp: Richtiger Zeitpunkt!

Ist eine Schwangere noch nicht saunageübt, empfiehlt es sich, erst im vierten Monat damit zu beginnen. Nicht, weil die Sauna vorher ungünstig wäre, sondem weil in den ersten drei Monaten noch häufiger Fehlgeburten aus ganz anderen Gründen eintreten.

Die Schwangere würde sich unnötige Vorwürfe machen und sich fragen, ob die Fehlgeburt der Sauna zuzulasten sei.