Inspiration durch Transpiration
Charly Hübner gibt den Saunachef im Film „Im Schwitzkasten“
„Sauna ist cool“, so bringt der Schauspieler Charly Hübner die Wirkung des Schwitzkastens auf den Punkt. Er spielt eine der Hauptrollen im neuen Film von Eoin Moore. Der Film kommt unter dem Titel „Im Schwitzkasten“ am 30. März in die Kinos. Es gehört jetzt nicht mehr viel Fantasie dazu, herauszufinden, dass der prominent besetzte Film (u. a. mit Christiane Paul, Edgar Selge, Andreas Schmidt, Laura Tonke) in einer Sauna spielt. Franz X. A. Zipperer traf sich mit Charly Hübner, exklusiv für heiss+kalt, am Original-Drehort, dem „Saunabad“ in der Berliner Rykestraße 10, nahe dem Kollwitzplatz.
Das Saunabad heißt im Film „Im Schwitzkasten“. Und Charly Hübner ist Jost Molinski, der mit seiner Schwester Nadinchen die Sauna führt. Mehr schlecht als recht. „Jost ist der personifizierte ostdeutsche Kleinunternehmer, der einfach nicht in der Lage ist, kapitalistisch zu denken und so seine Sauna den Bach runter gehen lässt. Als er in Zahlungsnot gerät, verpanscht er die Biogetränke mit Aldi-Saft und den Havelmatsch gibt er als indische Fango-Packungen aus“, erinnert sich der munter drauflos plaudernde Hübner, „und überhaupt legt Jost bei seinen geschäftlichen Aktivitäten einen erstaunlichen Einfallsreichtum an den Tag.
Ins Visier des Films wird darüber hinaus der Sauna-Donnerstag genommen. Der Tag der „Donnerstagsgruppe“. „Das ist die Geschichte von sieben Figuren, für die der Donnerstag der perfekte Tag ist, sich in dieser Sauna zum Gebirgslatschenkiefernaufguss zu treffen, und deren Leben verfolgen wir sozusagen“, erzählt Hübner. „Es geht um Arbeitslosigkeit, um Hartz IV, um Träume und Wünsche. Eigentlich ist es eine Arbeitslosenkomödie in Berlin. Da gibt es Norbert Reich, den Goethe-Professor und neoliberalen Redenschreiber für seine FDP-Politikergattin Anja. Da ist die idealistische Weltverbesserin Monika Stauffenberg, eine Studentin, die sich für nichts und wieder nichts entscheiden kann. Es gibt Toni Lose, einen Dauerarbeitslosen, der immer wieder Ausreden findet, damit er nicht arbeiten muss. Und es gibt Karin Lose, seine Ex, eine Ich-AG-Nervensäge, die alle möglichen Vertreterjobs macht. Zu guter Letzt ist da noch Dani Möller. Die adrette Blonde schwimmt als gut bezahlte, Mini fahrende Stewardess ganz oben auf der Erfolgswelle mit – bis man sie aus betrieblichen Gründen von einem Tag auf den anderen freistellt. Gemeinsam wird nicht nur geschwitzt sondern es werden auch die Probleme des Alltags diskutiert. Die Wege all dieser Leute kreuzen sich hier und am Ende entwickelt sich alles auf einen dramatischen Höhepunkt hin, der ganz traurig ist“, sinniert der Schauspieler. Den Schluss darf man aber – wie immer, wenn es um das Erzählen von Filmgeschichten geht – nicht vorher verraten.
Aber alles auf Anfang. Wieso wurde gerade Charly Hübner für die Rolle des Saunachefs besetzt? Ist er der Saunagänger aus dem Bilderbuch? Hat er zuhause etwa seine kleine, feine Privatsauna? Kennt er das eigentliche Geheimnis des Aufgusses? „Alles falsch“ lacht Hübner „natürlich musste ich mich auf die Rolle vorbereiten. Da kam es mir schon zugute, dass ich lange Zeit heftiger Saunierer gewesen bin, und ich hatte da schon so einen Plan. Ich war früher Sportler, da war halt absaunen immer einer der Standards. Ich habe das immer gemocht und auch leidenschaftlich betrieben. Als ich dann am Theater war, in Frankfurt am Main, da gab es zwei Regisseure, die haben immer Saunabesprechungen gemacht. Das war dann Rollen- und Theaterbesprechung in der Sauna. Da wurden die Rollen ausgeschwitzt. Ich habe aber dann in Hamburg und hier in der Rykestraße tageweise wirklich in der Sauna gearbeitet, so mit allem drum und dran. In meiner Stammsauna bin ich auch wedeln gegangen und habe mir erklären lassen, worauf man beim Aufguss achten muss, wie man das zusammensetzt. Dass es da beispielsweise die industriellen Produkte gibt und die guten Produkte, und dass es auch nicht zuviel sein darf, weil den Leuten sonst die Tränen übers Gesicht laufen und so Sachen. Und das war super und sehr lustig.“ Die Sauna wird in diesem Film ihrem Ruf als sehr spezieller Kommunikationsort mehr als gerecht. „Na klar“, sagt Hübner, „die Menschen kommen ja erstmal in die Sauna, um sich zu entspannen, das ist schon mal der erste Punkt. Die Entspannung bringt eine Reflektion mit sich, und in den reflektierten Momenten, da steigt der Film immer wieder ein, weil alle auch letzten Endes an einer Wende stehen. Aber Sauna heißt ja auch, sich ausziehen und schwitzen. Die Menschen begegnen sich hier nackt, da fallen auch alle sozialen Stände, in der Sauna sind alle gleich außer dem Saunachef, der steht drüber. Außerdem ist hier Ruhe, oft fast Stille. So entwickelt sich kühne Kommunikation. Da tauschen sich die Menschen aus, da gibt es Intimität. Das ist dann schon saunaspezifisch, das würde in einem Café so nicht stattfinden, denn da ist es einfach zu laut.“
Eine spannende Frage steht ja noch im Raum, wie war das gleich beim Drehen? Ob die Schauspieler wohl echt geschwitzt haben? „Ja, die haben echt geschwitzt, aber nicht, weil die Sauna an war. Die Sauna, in der wir gedreht haben, mussten wir ausmachen, weil die Kameras und das Filmmaterial nur eine bestimmte Wärme aushalten. Wir hatten aber trotzdem irgendwann Probleme, vor allem durch die Filmscheinwerfer in der sehr engen Sauna. Da waren dann manchmal zehn Schauspieler drin, das Team dazu gerechnet waren es alles in allem 25 Leute, die zwar nur mit Badehose und Bikini bekleidet waren, aber irgendwann war eine Temperatur von 50-60° C erreicht. Der Kameramann hat in solchen Momenten immer gesagt, so jetzt aber, die Kamera muss raus und er hat sie dann an die frische Luft gehalten“, grinst Hübner, „aber für uns Schauspieler war die zweite Sauna aufgeheizt. Da haben wir uns sozusagen vor jedem Saunadreh heiß gemacht, damit wir so eine Grundröte und Grundwärme hatten. Das kriegt so exakt auch die Maske nicht hin. Und es spielt sich auch anders, man spricht auch anders. Na, man ist da insgesamt immer so etwas träge, das ist ja das Schöne. So ist dann auch die gute alte Sauna zum eigentlichen Star des Films geworden.“
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