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Sauna im Wellnesstrend

Interviews mit

  • Kevin H. Kim, Mauritiustherme, Köln
  • Herr Harbarth und Frau Hahn, Westfalentherme, Bad Lippspringe

SaunaSauna fragt:

Was verstehen Sie unter "Wellness"?

Was kann man tun, wenn die Besucherzahlen sinken?

 

 

Kevin H. Kim, Mauritius Hotel & Therme, Köln

:

Wellness - Luxus und das Zwischenmenschliche

„Ich sehe bei Wellness in Deutschland das Problem, daß man sich zu sehr auf Material und Luxus hin orientiert, d.h. die neu entstehenden Bäder sind aus Marmor und Glas und auch die Saunatechnik wird immer besser – aber etwas anderes fehlt häufig. Ich bin Asiate und ich sehe, daß die Deutschen sich zu sehr auf Technik konzentrieren und das Zwischenmenschliche zu wenig berücksichtigen.

Serviceleistung betrifft eine Ebene, die nur zwischen Menschen passiert, etwas was nur ein Mensch dem anderen geben kann... in der Tat gibt es in Deutschland die viel beschriebene Dienstleistungswüste.

Aber das Zwischenmenschliche ist bei Wellness und Erholung elementar, denn wir verkaufen ja Harmonie. Die Menschen, die sehr beschäftigt sind und z.B. Ärger mit dem Chef haben sollen zu uns kommen und sich erholen. Aber diese Harmonie kann man nicht anfassen oder sehen, ich umschreibe das als Atmosphäre. Atmosphäre kann letztlich nur durch Menschen geschaffen werden. Für uns ist die innerbetriebliche Stimmung und das Miteinander der Mitarbeiter das Wichtigste.

„Was sind denn Ihre Tipps wenn die Besucher weniger Geld zur Verfügung haben und statt einmal in der Woche nur noch alle zwei Wochen in die Sauna gehen?“

„Die Menschen gehen auch auf Menschen bezogen irgendwo hin, deswegen versuchen wir unseren Stammkundenkreis zu erweitern. Der Preis ist dabei nur ein Punkt, es ist fatal immer nur Dumpingpreise zu machen, wir passen allerdings unsere Preise den Menschen an, die kommen.

"Geheimtip10"

Gerade in so einer Grosstadt sind älter werdende Menschen einsam werdende Menschen. Wir haben eine Frau eingestellt, die sich jeden Tag in der Woche einige Stunden um ältere Menschen kümmert, sie ist Pädagogin und hat schon Jahre lang mit Senioren gearbeitet. Morgens haben wir ja den günstigen Preis von 10 Euro, den auch Studenten viel nützen, und sie geht auf die älteren zu, besonders wenn sie zum ersten Mal kommen, und sie bringt sie in neue Freundeskreise. Es wird Backgammon gespielt oder diskutiert, einmal in der Woche gibt es Uschis Frühstück, es gibt auch Fitnessoder Aquagymnastik , das sind alle Incl.preise , da geht um menschliche Aktivität und Kennenlernen, das ist die Idee hinter dem Programm „Geheimtip 10“. Gerade bei schlechter Verbraucherstimmung sind solche Kundenbindungsprogramme wichtig. Man kann sich zurückziehen und schlafen, man kann aber auch zu so einer Gruppe hingehen und integriert werden und Spaß haben.

Wir arbeiten auch mit der Sporthochschule zusammen und auch die Studenten nutzen unser Programm, wir sponsern sie mit Gutscheinen, da sind wir gut bekannt und es freut mich immer, wenn ich Studenten sehe, die diese Morgenstunden nutzen und sich nach dem Saunagang zurückziehen und hier lernen. Entspannt kann man besser lernen, das ist eine wunderbare Sache. Ohne dieses Geheimtip-10-Programm hätten wir dieses Jahr große Probleme bekommen.

Es hat allerdings ein Jahr gedauert, bis dies Programm richtig Resonanz gefunden hat und ich habe in diesem Jahr immer überlegt, das Programm wieder abzuschaffen. Aber jetzt hat es sich doch rentiert, daß wir uns auf einige spezifische Zielgruppen orientiert haben. Wenn dann nach 17 Uhr die Erwerbstätigen kommen, dann sind die Älteren schon wieder weg, dann findet ein Wechsel der Zielgruppen, ein harmonischer Schichtwechsel statt.

Werbung ist wichtig, aber 85% unserer Gäste kommen durch Empfehlung und das spricht für Serviceleistung. Es sind immer Menschen dahinter.“

„Das ist ein schöner Schlußsatz.“

Infos unter www.mauritius-ht.de

Neu : Health Care Weekend in der Mauritiustherme

Sie haben keine Zeit zu entspannen, keine Zeit, zum Arzt zu gehen?

In Köln können sie jetzt im Mauritius (Hotel und Therme) ihren Arztbesuch bequem am Wochenende erledigen. Teilen Sie bei der Reservierung den benötigten Fachbereich mit und Sie bekommen einen Anruf des behandelnden Arztes.

www.health-care-weekend.de

 

Herr Harbarth und Frau Hahn, Westfalentherme, Bad LIppspringe

SaunaSauna: „Was halten Sie von dem Begriff Wellness wie er hier verwendet wird?“

Wischiwaschi-Wellness

Herr Harbarth: „Auch wir wollen verstärkt in die Wellness-Richtung gehen, aber nicht diese Wischiwaschi-Wellness, die überall angeboten wird. Der Trend, den es ja schon seit den Gurus der 70er Jahre gibt, wird immer stärker. In allen Herren- oder Frauenmagazinen die Sie aufschlagen werden Wellnessgeschichten und Yoga und besprochen."

„Ja, gerade weil die Welt so anstrengend geworden ist“

„Deshalb machen wir nicht einfach normales Aqua-Jogging, das gibt es überall, sondern wir bieten verstärkt Meditation und andere Angebote aus dem asiatischen Bereich an, die Menschen haben ein Bedürtnis nach solchen Angeboten.“

M.F.„Ja, Herr Kim von der Mauritiustherme sagte gerade, die Deutschen sehen nur die Technik und vernachlässigen das Menschliche“.

Walt-Disney in Saunalandschaften?

Harbath: „Ja, gerade die großen Wellness-Hotels in Österreich übertreiben es, das artet aus, manche von diesen Viersterne-Hotels machen aus allem und jedem eine extra Sauna. Ob Heuschobersauna oder Enzianwurzel-Sauna, man hängt ein paar Kräuter hin und dann sagt man, so, daß ist wieder etwas Neues. Das ist wirklich schlimm, die Leute werden für dumm verkauft.

Dann sollen sie doch gleich sagen, wir machen eine Spaß-Sauna oder wir machen eine Walt-Disney-Micky-Maus-Sauna hier.

Frau Hahn, Bäderleiterin Westfalentherme:

Auch manche Saunahersteller bieten wirklich Sachen an, das ist nur zum Lachen. Was das auf manchen Messen so angeboten wird… z.B . gab es eine Kerzen-Sauna, da stand in einer Ecke so eine kleine Kerze oder eine Rosen-Sauna, da waren dann ein paar Röschen in der Ecke, das ist doch wirklich Unsinn.

Etwas anderes ist es, wenn man bei einer Erdsauna den Boden mit Heu auslegt oder eine Tannennadelsauna im Winter - das hat wirklich eine Wirkung, der Saunagast bekommt ein besonderes Naturempfinden.“

Konzept: Relaxen und Erleben

M.F.: „Wie würden Sie das Konzept Ihrer Thermen (Ostseetherme, Westfalen-Therme, Rhein-Main-Therme und Sachsentherme) umschreiben?"

H. Harbath:„Unser Konzept ist ganz klar Relaxen und Erleben. In unserer Größenord-nung muß man eine breite Zielgruppe ansprechen. Aber dabei heißt Erleben in unserem Schwimmbad bewußt „Erleben“ und nicht „Badespaß“, eben nicht Halligalli. Die Hauptsparte ist der Stammgast mit der Saunaanlage und dem breiten Erholungsangebot, mit unseren Programmen halten wir unsere Stammkunden. Diejenigen Bäder, die nur auf Badespaß setzen, können oft mit der städtischen Konkurrenz nicht mithalten. Auch dort gibt es z.B. eine große Rutsche, aber die zum halben Preis."

Infos unter www.westfalentherme.de