Das Geheimnis des Wohlfühlens –
ein virtueller Rundgang aus ästhetischen und gesundheitlichen Gesichtspunkten
Haben Sie schon einmal darauf geachtet, wann und wo Sie sich in einer Sauna wohl fühlen und wann weniger? Ein Rundgang durch ein virtuelles Bad soll Sie dazu verführen, sich Einiges davon bewusst zu machen.
Das Erleben beginnt schon in der Eingangshalle. Entweder stehen Sie in einer unpersönlichen Warteschlange oder aber werden an einer Rezeption wie im Hotel freundlich begrüßt.
Im Umkleide-Bereich legen Sie Ihre Kleider ab. Vielleicht haben Sie Winterkleider an und müssen eine große Tasche abstellen, denn Sie wollen lange verweilen. Das Ablegen der Kleider in Gegenwart anderer ist etwas unangenehm, Aus- und Ankleiden ist ein sehr privater Akt, intimer fast als die spätere Nacktheit.
Umso wichtiger ist die Beleuchtung: ausreichend hell, um ein Gefühl von Hygiene und Sauberkeit zu gewährleisten, aber angenehm genug, um sich selbst nicht zu blass im Spiegel zu sehen. Direktes Licht von oben ist unvorteilhaft, indirektes Licht und angenehme Farben dagegen bewirken, dass das Wohlfühlen hier schon beginnt.
Ebenso entscheidend sind die Ablagemöglichkeiten. Eine Bank oder breite Hocker sowie Haken an den Wänden ermöglichen eine relaxte Vorbereitung auf die Sauna. Es ist nicht geraten, den ersten Saunagang in Hektik zu beginnen!
Umkleideschränke
Schränke aus gefärbtem Glas zum Beispiel vermitteln Klarheit und Leichtigkeit. Das Material Glas passt aufgrund seiner Struktur gut zu Wasser und bereitet Sie schon auf wohltuende Wasserwelten vor. Wer eine abschließbare Kabine bevorzugt, bekommt in manchen winzigen Umkleiden vielleicht klaustrophobische Anfälle. Er wird sich in Kabinen aus Glas wohler fühlen, da sie zwar lichtdurchlässig, aber undurchsichtig sind und gleichzeitig sanft spiegeln.
Sind die Schränke aus farbigem Kunststoff, ist es angenehm, wenn sie verschiedenfarbig sind, denn dies ermöglicht schnelle Orientierung und lockert auf.
Wenn Planer von Bädern glauben, das Wohlfühlen könnte auch nach dem Umkleiden beginnen, irren sie. Das Ambiente ist ein entscheidendes Argument für und wider eine Sauna. Es ist wie beim Menü: Ist der Aperitif misslungen, mag auch das Gericht nicht mehr schmecken.
Nur selten sind die Duschen so nah an den Umkleiden, dass ein erneutes Abstellen der Tasche nicht notwendig ist. Für Frauen sind getrennte Duschen sehr viel angenehmer, ebenso wie getrennte Umkleiden. Auch in der Dusche sind kleine Ablagen, die für mehr als eine Shampooflasche Platz bieten. Ein wünschenswertes Detail ist der Seifenspender. Die gründliche Reinigung vor dem Saunieren wird seit Jahren gepredigt und gepriesen, umso wichtiger, dass sie in angenehmer Atmosphäre stattfinden kann.
Betreten Sie nun den Saunabereich, wird das Licht gedämpfter sein. Hinzu kommen stimmungsvolle Farben, es riecht angenehm nach den Düften des letzten Aufgusses. Sie haben kalte Füße und heute einen etwas schwachen Kreislauf? Dann nehmen Sie doch erst mal ein warmes Fußbad.
Schade, dass Fußbecken manchmal vernachlässigt werden. Saunafans lieben das Fußbad in Situationen, in denen sie sich entweder zurückziehen oder angenehm kommunizieren können – wie am öffentlichen Dorfbrunnen oder bei einem intimen Tête-à-Tête. Auch nach der Sauna ist ein Fußbad unbedingt zu empfehlen, gerade bei Kopfschmerzen oder Kreislaufproblemen.
Die" Saunakabine"
Welche Saunakabine empfehlen wir heute? Grundsätzlich wirkt ein Bio-Sanarium völlig anders als die finnische Sauna (Informationen über verschiedene Badeformen finden Sie unter www.SaunaSauna.de). Sie entscheiden sich für die finnische Sauna und betrachten den Aufgussplan. Wir möchten ihre Aufmerksamkeit aber auf die Luft in der Kabine lenken.
Haben Sie in Ihrer Lieblingskabine einmal auf die Belüftung geachtet? Blockhäuser im Saunagarten erfreuen sich nicht umsonst immer größerer Beliebtheit. Sauna-Experten wie der Architekt und Saunahersteller Ulrich Müther empfehlen schon seit Jahren Massivholz-Saunen; in Kelo-Blockhauskabinen schwitzt es sich noch angenehmer, weil die frische Luft direkt durchs Holz in die Kabine dringt, das Holz „atmet“. Fans der feuchten Saunaluft sollten das trockene Schwitzen einmal im echten Kelo-Blockhaus testen: Es schwitzt sich einfach anders und auch sehr trockene Luft wird als angenehmer empfunden.
Nach dem Schwitzen soll man sich an der frischen Luft bewegen, die Frischluft sollte nicht weit von der Kabine entfernt sein. Der Wasserschlauchguss (nach Kneipp von rechts unten nach links oben) ist nicht nur Pflicht, sondern für Saunafans das Höchste der Gefühle: Erst danach duscht man ab und springt ins Tauchbecken, die Abkühlphase sollte ja genau so lange dauern wie die Aufwärmphase.
Bei unserem Rundgang suchen Sie nun den Ruheraum auf. Wie wohltuend sind Ruheräume verschiedener Temperaturen! Denn direkt nach dem Schwitzen ist es am schönsten, nicht zu warm, mit einer Decke (warme Füße) und einem etwas gekippten Fenster oder in gut klimatisiertem Raum zu ruhen. Sind die Ruheräume zu warm, ist ein ungesundes Nachschwitzen möglich, man sollte dann länger in der frischen Luft bleiben.
"Ruheräume"
Der Trend geht heute zu überschaubaren Ruheräumen mit kleinen Leselampen. Mancherorts vergisst man hier in einer öffentlichen Anlage zu sein – um so schöner, wenn man die Hereinkommenden im Blick haben und wieder vergessen kann. Wenn Farben und Licht es zulassen, dass man in aller Öffentlichkeit privat sein darf. Wenn die Akustik des Raums mit seiner Stille oder leiser Musik das Meditieren und Ausruhen ermöglicht.
Wohlfühlen ist immer ein Wohlfühlen für alle Sinne. Wird nur einer der Sinne vernachlässigt und gestört, zum Beispiel durch Unruhe oder falsches Licht, ist die Perfektion des Wohlfühlens verloren. Eine Herausforderung für die Planer und Architekten – aber auch für die Gäste die Aufforderung, rücksichtsvoll zu sein. Denn ohne gegenseitigen Respekt und Rücksicht ist Wohlfühlen für den Einzelnen nicht möglich. Die Balance zwischen dem „Für-sich-sein“ und gleichzeitig „Mit-anderen-sein“ ist eine Herausforderung für alle.
In vielen Bädern findet man heute neben der Finnischen Sauna auch Schwitzkabinen römischer Herkunft: Caldarien, Laconien oder Tepidarien. Was zeichnet diese Bäder eigentlich aus, und warum wissen wir so wenig über die römische Badekultur und ihre Entstehung?
In Deutschland wurde die finnische Sauna vom Reichsgesundheitsministerium 1942 eingeführt, die finnischen Sportler hatten sich zur Olympiade eine finnische Sauna im olympischen Dort einbauen lassen. Ihre großen Erfolge führte man auf die Wirkung der Sauna zurück. So wurde die finnische Sauna in Deutschland berühmt und in den 60er Jahren entstanden tausende kleiner Saunabetriebe, meist kombiniert mit Massage oder Physiotherapie. Ein Swimming-Pool war damals verpönt, es durfte höchstens ein kaltes Tauchbecken geben.
Einige dieser Saunabetriebe führten schon in den 70er Jahren Gastronomie und einen großen Garten ein. Sie betrieben „Welllness“ lange bevor es diesen Begriff in Deutschland überhaupt gab. Als nächstes vergrößerten auch die Hallenbäder ihren Saunabereich und große Erlebnis- und Thermalbäder wurden neu gebaut. Seit den 90er Jahren entstehen immer größere Bäder und auch private Saunabetriebe verwöhnen ihre Gäste heute mit unzähligen verschiedenen Schwitzkabinen.
Hartnäckig hält sich jedoch der Begriff „Sauna“ für alle Schwitzkabinen. Dabei hat ein Dampfbad genauso wenig mit der Sauna im eigentlichen Sinne zu tun wie ein Caldarium. Es ist ähnlich wie mit dem Begriff „Tempo“ für alle Papiertaschentücher, „Sauna“ ist für uns alles, was mit Schwitzen zu tun hat.
Um so interessanter ist es, sich die Geschichte der nicht finnischen Schwitz- und Badekulturen anzuschauen! Woher kommen sie eigentlich?
Es ist nachgewiesen, dass bereits in der Steinzeit geschwitzt wurde. Man grub ein Erdloch, benutzte eine Höhle oder baute ein Zelt. Durch Völkerwanderungen z.B. über die Behringstraße (10.000 v. Chr) verbreiteten sich ähnliche Schwitzformen in Finnland, Nordrussland, Korea, Nord- und Mittelamerika. Das Erhitzen eines Raumes mit im Feuer erhitzten Steinen und das Übergießen mit Wasser war einfacher als das Erhitzen von Wasser in Bottichen. Es diente der Reinigung genauso wie religiösen Riten und Heilung.
Jahrtausende später baute man regional mit dem Material, das reichlich vorhanden war, Schwitzhäuser: aus Holz mit der Blockbautechnik im Norden, aus Lehm im Süden oder später aus Stein und Keramik. Trotz dieser Verschiedenheiten gibt es aus heutiger Sicht auch auffallende Ähnlichkeiten: eine indianische Schwitzhütte aus Lehm wurde in der Mitte des Raumes durch ein Feuer erhitzt, dessen Rauch durch ein Loch in der Decke entweichen konnte. Ähnlich wurde bei der finnischen Rauchsauna das Blockhaus erhitzt und der Rauch konnte durch ein Loch in der Decke entweichen. Und selbst das Laconium der Römischen Thermen wurde durch eine Feuerstelle im Rauminneren erhitzt, die Temperatur konnte dann durch eine Platte vor der Deckenöffnung reguliert werden.
Heute weiß man allerdings, dass die Art und Weise wie der Körper erhitzt wird entscheidend vom Material bestimmt wird. Da uns heute jedes Material zur Verfügung steht, ist es wichtig, diese Unterschiede zu kennen, wir werden in der nächsten Ausgabe von heiss+kalt darauf zurückkommen.
Hochkulturen und Antike
Neben diesen einfachen Formen der Schwitzhütten entstanden schon vor vielen
Jahrtausenden in den ägyptischen und mesopotamischen Hochkulturen Baderäume mit mehreren Räumen, mit kalten und warmen Becken und Dampfbädern.
Das Badewesen im antiken Griechenland entwickelte sich dann aus dem Vorbild der altorientalischen und indischen Kulturen. Mittelpunkt der Kultur ist der Sport, die Sportler sollten sich reinigen und abhärten. Neu ist nun, dass es Räume verschiedener Temperaturen gab, das Tepidarium zum Vorwärmen des Körpers, das Laconicum als Warmluftraum (oder Raum für Wannenbäder) und das Frigidarium als unbeheizten Raum mit Kaltwasserbecken.
Die Sportler sollten im Laconicum vor allem die Schmutzkruste entfernen, die sie sich vorher durch Öl und aufgewirbelten Staub zugezogen hatten. „Die Sportler begaben sich in einen kleinen Raum mit Feuerstelle im Zentrum, um den am Körper haftenden Schmutz abzuschwitzen. Danach folgte die Übergießung mit kaltem Wasser.“ (Ulrika Kiby, Badewonnen, gestern, heute, morgen).
Römische Badekultur
Nachdem man bei der Gründung Roms (753 v. Chr.) noch im Tiber schwamm, entstanden 300 v. Chr. die ersten Thermen, allerdings noch klein und dunkel. 90 v. Chr. wurde die Hypokaustenheizung (Luftheizung) erfunden, die den Thermenbau im großen Stil ermöglichte. Danach ging es mit riesigen Schritten voran: 19. v. Chr. eröffnete die Therme des Feldherrn Agrippa auf einer Fläche von 14.000 Quadratmetern. Die Badelandschaft wird Ort der Kommunikation, der Reinigung, des Sports und der Kultur.
Zu den drei Schwitzräumen der Griechen kommen jetzt noch das Apodyterium als Umkleideraum und häufig das Caldarium als trockener heißer Baderaum hinzu. Anfangs waren die Räume hintereinander, später ringförmig angeordnet. Beim Kaisertyp (den Höhepunkt bildeten die Thermen der Kaiserzeit) wurde beides geschickt kombiniert, der Gast konnte in verschiedene Richtungen gehen.
In den Thermen der Kaiserzeit, in denen am Schluss bis zu 3000 Personen baden konnten, hatte jeder Raum eine eigene Funktion:
In den Apodyteria, den Umkleideräumen, gab es Sitzbänke und abschließbare Wandnischen für die Kleidung.
Das unbeheizte Frigidarium war der größte Raum der Therme mit Kaltwasserbecken und Marmorsesseln, in denen man liegen und sich mit kaltem Wasser übergießen lassen konnte. In der Caracalla Therme soll es davon 1.600 gegeben haben! Das Übergießen wurde von „mitgebrachten“ Sklaven, von den Bademeistern (balneatores) oder später bei immer größerer Differenzierung der Tätigkeiten von eigenen „perfusores“ durchgeführt. Das Frigidarium wurde direkt nach dem Sport besucht oder nur durchschritten, um sich nach einem Aufenthalt in den Warmräumen abzukühlen.
Im kleineren Tepidarium wärmte man sich bei 25 bis 30 C auf, außerdem diente es der Unterhaltung und der Körperpflege. „Hatte sich der Gast lang genug im Tepidarium aufgehalten, ließ er sich von einem Fricor (Bad-Diener) kräftig mit Tüchern abrubbeln. Angenehm vorgewärmt ging man in den eigentlichen Heißluftraum, das Caldarium.“ (Kiby, Badewonnen gestern, heute, morgen)
Das Caldarium (50 C, Luftfeuchtigkeit 90 bis 100 C) war ein Dampfbaderaum, dessen Fußboden so heiß war, dass er nur mit Holzschuhen betreten werden konnte. Häufig gab es zusätzliche Warmwasserbecken, aus denen Dampfschwaden aufstiegen. Man legte sich mit dem ganzen Körper in die Becken hinein und konnte sich dann von Sklaven mit warmem Wasser übergießen lassen.
Große Thermen hatten außerdem das trockene Schwitzbad griechischer Tradition, das Laconicum oder Sudatorium. Es wurde durch eine Feuerstelle im Rauminneren geheizt und erreichte eine Temperatur von bis zu 80 C.
Zum Abkühlen gab es in der Regel auch ein Natatio, ein nicht überdachtes Kaltwasserbecken.
Von den Thermen berichteten uns Dichter, Philosophen und Ärzte. Es gab Kaiser, die badeten gemeinsam mit ihren Untertanen. Es gab Intrigen, Zurschaustellung von Reichtum und Sklaven als Sicherheitspersonal für die Mächtigen unter den Zeitgenossen. Männer und Frauen badeten meist in getrennten Räumen oder zu getrennten Zeiten.
Werner Heinz stellte Ende der 80er Jahre die These auf, dass „die Anlage eines römischen Bades ganz entscheidend von balneologischen und balneotherapeutischen Vorstellungen getragen wurde“. Er stellte auch die Frage nach den Nachweisen hierfür.
heiss+kalt fragt Frau Dr. Petra Mayer-Reppert, ob die Überlieferung von Galenus die einzige Quelle ist, der man die Bade-Rituale des römischen Badegastes entnehmen kann und wie aussagekräftig er ist.
„Das Galenus-Zitat ist schon seit längerem bekannt. Es handelt sich um die einzige lateinische Quelle, die sich überhaupt zum Badeverlauf in römischer Zeit äußert. Wir können aber den auf Kurbehandlung bezogenen Text auch auf den gesunden Badegast übertragen. Die Stelle wird häufig zitiert. Sie finden das vollständige Zitat z. B. bei Marga Weber, Antike Badekultur (C.H.Beck-Verlag).
Stimmen Sie der Annahme von Werner Heinz zu, dass der Bau der Anlagen von balneologischen Vorstellungen getragen wurde, gerade die Abfolge der Räume? Oder waren für die Abfolge der Räume doch die Erfordernisse der Hypokausten-Heizung entscheidend?
„Die römische Architektur ist von hoher Funktionalität gekennzeichnet. Die Bäderarchitektur verbindet in perfekter Weise funktionale Aspekte der Nutzung, also balneologische Überlegungen, mit technischen Erfordernissen und ästhetischen Aspekten.“
Auch im medizinischen Bereich gab es Vorreiter der Balneologie, die als Vordenker von Pfarrer Kneipp gelten können.
Der Arzt Asklepiades führte zum Beispiel im 1. Jh. v. Chr. warme Bäder ein, wendete aber auch kalte Güsse an. „Zum therapeutischen Arsenal der in Rom wirkenden Ärzte gehörten Dampf- und Heißluftbäder, Sand- und Schlammbäder, Kuren mit Wein und nicht zuletzt das orthopädische Schwimmen“ (Prignitz, Wasserkur und Badelust).
Thermen in römischen Provinzen – Was kam danach?
Mit der Ausweitung des römischen Reiches wurden die Thermen auch in unsere Regionen gebracht. Neben vielen Militärbädern wurden gerade in Aachen, Baden-Baden und Trier riesige Thermen gebaut. Allerdings zerfiel mit dem Zerfall des römischen Reiches auch das römische Badewesen. Man vergaß die Errungenschaften, selbst wenn manche dieser Thermen noch bis ins Mittelalter hinein benutzt wurden. Kaum zu glauben, dass sich später niemand für das Heizsystem interessierte, die Bauten als Steinbrüche benutzt wurden und das Wissen über Jahrhunderte in Vergessenheit geriet.
Klöster und Burgen verfügten in unseren Regionen über Schwitz- und Wannenbäder, diese wurden jedoch nicht oft benutzt. Die Kultur des Christentums hatte auch eine durchaus eine ambivalente Haltung zum Baden, vielen genügte die Taufe als einzige Berührung mit dem Wasser. Anders im Orient, denn dort entwickelte sich aus der römischen die byzantinische und daraus die islamische Badekultur, die einen Teil der römischen Abfolge der Baderäume beibehielt und in Einklang mit der islamischen Religion brachte.
„Während sich im Orient eine hochstehende Badekultur entwickelte, wurde das Bad im Okzident wieder diese finstere Kammer ... Man vergaß die Errungenschaften antiker Heizanlagen und erhitzte das Badwasser über dem Feuer, heizte den Baderaum mit dem Ofen oder gar nicht.“ (Kiby, Bäder- und Badekultur).
Auf die Badestuben des Mittelalters werden wir in einer der nächsten Ausgaben von heiss+kalt eingehen.
Ausblick Badekultur heute
In einigen Regionen entwickelte sich über die Jahrhunderte hinweg eine Badekultur, die auch heute noch Bestand hat. In unseren Regionen gibt es große Brüche, die sicher unter anderem auf das Christentum zurückzuführen sind. Es ist also kein Wunder, das man heute nach Finnland oder Russland sieht, oder in die Vergangenheit der römischen Badekultur. Im Wellness-Bereich dagegen orientiert man sich an Asien und sucht ganzheitliche Anwendungen und Massagen.
Was passiert aber heute in den Sauna-Landschaften? Schwitzkabinen römischer, finnischer oder türkischer Herkunft werden gemischt, so dass es einige Verwirrung darüber gibt, wie man ein Caldarium oder Laconium nach oder vor einer finnischen Sauna anwenden sollte.
Wäre es auch heute denkbar, Räume verschiedener Temperaturen wie das Tepidarium und Caldarium nebeneinander zu bauen und so alte Bade-Riten wieder aufleben zu lassen? Denn viele kennen zwar die Regeln des finnischen Saunabadens, die anderen Badeformen sind ihnen aber unbekannt.
Badekulturen entwickelten sich immer über Jahrhunderte. Bei uns hat sich in nur 15 Jahren eine sensationelle multikulturelle Thermen-Landschaft gebildet. Es wäre schön, wenn wir die alten Badekulturen besser kennen lernen und neue Bade-Riten ausbilden können. Regeln alleine genügen da nicht, es geht schließlich auch in unserer schnelllebigen Zeit um „Kultur“. Verhaltenweisen von Körperlichkeit, die über Jahrhunderte erprobt und weitergegeben wurden, lassen sich nicht in einem Tag „lernen“. Aber vielleicht in ein paar Jahrzehnten? |