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Der Aufguss

Zu einbem richtigen Erlebnis wird ein Saunabesuch erst durch den Aufguss. Ohne ihn ließe sich sicher auch die gesundheitsfördernde Wirkung erzielen, wenigstens jeder Finne würde aber eine Sauna ohne den Löyly allenfalls als Schwitzraum bezeichnen. Für ihn ist der Aufguss die Seele der Sauna, ihr Geist. Der „Hyvä“ Löyly ist Ausdruck höchsten Saunagenusses. Dieses finnische Wort bezeichnet den Dampf, der aus den Steinen steigt, als gut und heiss. Im Land der tausend Seen wird für den Aufguss klares Wasser bevorzugt. Zusätze werden nur zugelassen um andere Gerüche zu übertünchen. Anderswo, zum Beispiel in Russland, ergibt erst der Zusatz den richtigen Aufguss.

Unbestritten haben die verschiedenen Aromadüfte auf die Gesundheit, die Stimmungslage und das Wohlbefinden der Saunagäste. Durch die Inhalation und über die Haut können die verschiedenen Wirkstoffe, die in den ätherischen Ölen enthalten sind, auf den Badenden einwirken. Eine anregende, erfrischende und auch hielsame Wirkung haben dabei Düfte aus Eukalyptus, Pfefferminze und Nadelbaumölen. Beliebt sind auch Aufgüsse mit Zitrusaromen in der Sauna wie Orange, Zitrone oder Mandarine – und aus verschiedenen Kräutern. Dazu zählen Lavendel, Melisse, Rosmarin und Kamille. Auch Auszüge aus Ingwer, Anis, Fenchel und anderen Gewürzen ergeben ein gutes Aufgussklima in der Sauna. Zunehmend wünschen sich die Sauangäste auch Aufgüsse mit fruchtigen Aromen, sauerer Apfel, Kirsche, Pflaume, Erdbere, Mango, Ananas. Alle diese verschiedenen Duftnoten erwecken Assoziationen mit primitiven Erlebnissen und Erinnerungen. Damit kann ein guter Aufguss wesentlich zum Wohlbefinden beitragen, das in der Sauna erreicht werden soll.

Das Wesentliche ist und bleibt aber der Wasserdampf, der kurzzeitig die relative Luftfeuchtigkeit im Schwitzraum von etwa 10 % auf 30% ansteigen lässt. Wird der Aufguss richtig durchgeführt, ist er angenehm. Wenn nicht, kann er lästig werden.

Die Finnen sagen: „Eine Kelle voll pro Mann und eine für alle.“ Das ist nur als ungefährer Richtwert zu verstehen. In einer Gemeinschafts-Sauna mit zehn und mehr Gästen mag das zu viel sein. Als angenehm wird empfunden, wenn etwas drei Kellen voll Wasser langsam ü+ber die Steine des Saunaofens gegossen werden. In öffentlichen Saunas wird das durch das Personal vorgenommen und zwar zu feststehenden Zeiten. So kann sich jeder darauf einstellen und selbst bestimmen, wann und ob er einen Aufguss erleben will.

Wird der Aufguss durch einen Saunagast übernommen müssen Sicherheitserfordernisse beachtet werden. Auf keinen Fall dürfen Essenzen in konzentrierter Form oder nur schwach verdünnt auf die Saunasteine gegeben werden. Es besteht die Gefahr, dass sich das Öl überhitzt und durch eine Verpuffung als Flamme nach oben schlägt. Die ausgedörrten Wandbretter der Sauna fangen dann sofort Feuer. Schwere Verbrennungen von Gästen wären die Folge. Ebenso verbietet es sich, Alkohol als Aufgussmittel zu verwenden.

Die meisten Gäste verlassen kurz nach dem Aufguss den Schwitzraum. Während das Wasser verdampft, sollte man dies jedoch nicht tun, da dadurch die Wirkung geschmälert werden würde. Der Aufguss ist unvollkommen, wenn die feuchte Luft nicht anschließend verteilt wird. Da es in der Regel in einer öffentlichen Sauna, zumal sie sich noch oin einer Stadt befindet, an Reisern fehlt, wird dies meist mit einem Handtuch erledigt. Traditionelle Saunagruppen haben dazu ihren „Wedler“, der gleich nach dem Aufguss mit kreisenden Bewegungen über den Kopf dafür sorgt, dass auch der letzte von der heißen Luft etwas abbekommt.

In der Original-Sauna wird zum Wedeln der Saunaquast verwendet. Er wird in der Regel aus Birkenreisern gebunden. Aber auch Büschel aus Tannenreisern von Eichen, Johannesbeersträuchern, Wacholder, Zeder, Fichte, ja selbst aus Beifuss oder Brennessel eignen sich dafür. Man verteilt damit nicht nur die heiße Luft in der Sauna, die Gäste massieren sich damit auch gegenseitig oder schlagen sich damit den Schweiß ab. Mit den Zweigen, die zuvor ins kalte Wasser gelegt werden, kann auch der Aufguss selbst durchgeführt werden. Das gibt ein besonders würziges Aroma. Leider geht das in vielen öffentlichen Saunen nicht: Es lässt sich kaum vermeiden, dass einige Blätter von den Zweigen fallen. Noch problematischer ist die Tatsache, dass die nassen Blätter und Zweige Farbstoffe absondern, die zu einer Verfärbung des Holzes führt. Seine Reinhaltung wird dadurch schwieriger und deutlich aufwendiger. Idealerweise sollten für die Anwendung von Reisern separate Saunakabinen benutzt werden, die möglichst extern beheizt werden. Wer über genügend Kleingeld verfügt, klann sich einen solchen Badequast auch kaufen. In Finnland und inzwischen auch in Deutschland gehört er zur Marktware. Auch in gefriergetrocknetem Zustand ist so etwas nicht ausgeschlossen. Ergibt sich die Gelegenheit selbst einen Badewedel zu schneiden werden sollte folgendes beachtet werden: Die Birkenzweige, am besten von der Westbirke, werden etwa zu Pfingsten geschnitten. Dabei sollen die Blätter glatt und zart sein. Die Länge der Zweige beträgt 40 – 60 Zentimeter.
Geschnitten wird bei trocknem Wetter. Aus mehreren Zweigen wird ein Büschel gebunden und in einem dunklen Raum zum Trocknen aufgehängt. Vor der Benutzung des Saunaquastes, frischt man den Quast im Wasser auf. Die Ansichten dazu sind unterschiedlich: Manche erledigen das mit kaltem Wasser. Andere nehmen heißes dafür. Wer ganzh sichergehen will, schneidet sich Birkenzweige unmittelbar vor dem Saunabad. Frische Zweige verlieren wesentlich weniger Blätter, jeder hat seinen eigenen Badebüschel, mit dem er sich, aber auch seinen Nachbarn die Haut leicht massiert. Unbestritten verbreitet sich bei der Verwendung solcher Büschel ein einmaliges Aroma.

In manchen Saunen ist der „österreichische Aufguss“ zu einem Höhepunkt geworden. Ob diese Prozedur tatsächlich aus Österreich stammt, ist nicht belegt. Zunächst wird der Schwitzraum ausgiebig gelüftet, dann ein Eimer mit Eisstücken herumgereicht. Mit dem Eis kühlen sich die Gäste Kopf und Nacken. Der Aufguss wird von je drei Kellen dreimal wiederholt. Das kann bis zu zehn Minuten dauern. Als Essenz wird meist Pflauemnaroma, besser als Slivovic bezeichnet, verwendet. Nach dieser Prozedur kann man sicher sein, dass der Körper bis ins Innerste erhitzt ist. Von manchen Ärzten wird ein übermäßiger Aufguss abgelehnt, da er den Kreislauf stark beanspruchen kann. Auch hier gilt: Jede Übertreibung in der Sauna ist zu vermeiden.