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Back to the 50s? Nicht in der Sauna! Von Annette Schmidt.

Als ich in den 70er Jahren das erste Mal in die Sauna ging, war dies im Stadtbad Mitte in Frankfurt. Als Schülerin damals gab es nur wenige, die in die Sauna gingen, Man galt richtiggehend als Exot. Die Sauna war ans
Hallenbad angegliedert und war mit heute nicht zu vergleichen: es gab eine Holzkabine mit winzigem Fenster, ein Tauchbecken, einige Duschen, und zum Setzen ein paar weiße Plastikstühle, wie man sie sonst vom Balkon her
kennt. Ein kleines Dampfbad aus Kunststoff oder Plastik war nicht sehr einladend. Manchmal gab es auch einen kleinen Raum mit ca. 4-5 Plastikliegen zum Ausruhen. Außenbereiche der Sauna waren winzig, wenn überhaupt vorhanden, war dies nur eine kleine Terasse mit Betonboden und Zaun. Es gab nichts zu Trinken, geschweige denn zu essen. Die meisten Saunagäste kamen in Gruppen, beim Damenabend gab es Frauengruppen, sonst gemischte,
die sich einmal pro Woche trafen. Die meisten hatten Getränke dabei, Plastikbecher und manchmal sogar Sekt. Es ging lustig zu, andererseits wurden die Saunaregeln strickt eingehalten. Die eingefleischten Saunagänger wussten schließlich, wies geht. Neulinge wurden misstrauische und von den Männern neugierig betrachtet. Natürlich gab es keinen Whirlpool und ich kann mich auch an Aufgüssenicht erinnern. Im besten Fall kam einmal eine Bad-Mitarbeiterin mit einer Kanne, die etwas auf den Ofen goss oder in eine automatische Aufgussanlage,
wie später in Königstein. Einige Jahre später erzählte eine Freundin von der Therme in Bad Homburg.
Das war die Sensation! Heute kann man sich gar nicht mehr vorstellen, wie beeindruckt wir waren von der Anzahl der Saunakabinen, einem Becken in dem man rausschwimmen konnte und einer Gastronomie im Bad und einer Saunabar. Allerdings erzählte meine Freundin gleich, dass sie die Damensauna zum Saunieren bevorzugen würde. Warum verstand ich später. Denn zahlreiche Ausländer setzten sich bevorzugt auf die an der Wand aufgereihten Bänke mit Fußwärmebecken. Allerdings nicht nur um die Füsse zu wärmen, sondern um die Damen zu begutachten, die vorbeigingen oder sich duschten. Ein Spaziergang durch die Sauna glich daher einem Spießrutenlaufen, das
wir nur mit Bademantel ertragen konnten. Der Damensaunabereich hatte immerhin einen eigenen Außen- und Ruhebereich und war sehr gemütlich. Privat geführte Saunaanlangen kannte ich in Frankfurt damals nicht, ich hielt mich an die Hallenbäder mit Sauna und später an die Therme. Anlagen wie die luxuriöse Sauna in Dietzenbach
lernte ich erst später kennen. Auch viel später erfuhr ich, dass gemeinsames Saunieren, dass ja in
Deutschland von Anfang an nackt durchgeführt wurde, sich erst nach und nach entwickelte. Um Voyeurismus von Männern zu verhindern, verboten einige private Saunaanlagen in den 50er und 60er Jahren Männern ohne
weibliche Begleitung den Einlass. Und natürlich gab es getrennte Männer
und Frauentage. Was sich seitdem unter dem Markenzeichen  ;Wellness ; entwickelt hat ist
unglaublich und erstaunlich. Der Gast kann manchmal unter zehn Saunakabinen, Dampfbädern, römischen Bädern, verschiedensten Ruheräumen wählen. Eines sollte man jedoch auch im Kopf behalten: es handelt sich um
einen Luxus, der sich mit steigenden Energiepreisen den großen Thermen im römischen Reich annähert. Dort war die Grundfläche des Frigidariums (Kaltraums) manchmal gast so groß wie die Grundfläche des Kölner Doms. Und bekanntlich ist das römische Reich auch an seiner ausschweifenden und luxuriösen Lebensart zugrunde gegangen ; zumindest brachte man uns diesim Latein-Unterricht bei. Ob auch unsere Thermen heute von späteren
Generationen in späteren Jahrhunderten so betrachtet werden? Denn schließlich wichtig und immer wichtiger ist doch der gesundheitliche Effekt der Sauna. Und der war auch damals bei der einen Saunakabine und einem Tauchbecken vorhanden. Vielleicht wird man in Zeiten steigender Energiepreise kleine Stadtteil-Saunen einrichten, die von den Menschen besucht werden, die nur etwas für die Gesundheit tun wollen. Die großen Thermen werden dann vielleicht denen vorbehalten bleiben, die horrende
Eintrittspreise zahlen.