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Von Hygiene und roten Köpfen - Tipps zum richtigen Saunieren

Interview mit Michael Hilzinger, Wellness&Sauna Manager der interSPA-Gruppe

von Martina Frenzel

 

heiss+kalt: Herr Hilzinger, was sind Ihrer Meinung nach die häufigsten Fehler beim Saunieren? 

Hilzinger: Obwohl es regional von Bad zu Bad Unterschiede gibt (wir haben ja vier Bäder in ganz Deutschland) – gibt es gerade bei den Tagesgästen die gleichen Probleme. 

Liegenbelegung als Mallorca-Syndrom

Das größte Problem, das ich bisher an allen meinen Arbeitsplätzen hatte, ist das typisch deutsche Liegen-Problem. Die Besucher belegen die Liegen sofort, wenn sie kommen, so dass die Anzahl dann nicht mehr ausreicht. Erstaunlicherweise sagen die Gäste oft, wenn sie darauf angesprochen werden, dass das Problem in anderen Bädern nicht auftrete – woanders würde das „wunderbar funktionieren“. Für mich steht dagegen fest: Das klappt nirgends. Nur wenn die Leute mit dem – ich nenne es mal „Mallorca-Syndrom“ – toleranter umgehen werden sie feststellen: Die Liegen reichen für alle aus. 

Hygiene-Problem

In manchen Regionen gibt es ein Hygiene-Problem: Einige Gäste hinterlassen den nachfolgenden ihren Schweiß als Andenken, sei es auf Bänken, in Tauchbecken oder auf Liegen. Da ist in vielen Bädern Aufklärung vonnöten, obwohl ein angemessenes Verhalten eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist. Es wäre schön, wenn sich die Gäste – darauf angesprochen – nicht gleich bevormundet fühlten.



Foto: Kissalis-Therme, Bad Kissingen

 




Foto:Wonnemar Ingolstadt


Das Preis-Leistungs-Problem

heiss+kalt: Was sind für Sie die wichtigsten gesundheitlichen Probleme?

 Ein häufiges Problem, das ich beobachte, ist das Zeitproblem: Viele versuchen, in die von ihnen gebuchte Zeit möglichst viel hineinzupacken, haben den Preis-Leistungs-Gedanken – wollen so viel wie möglich mitnehmen. Sie vergessen, dass weniger mehr ist, dass der Körper zur Ruhe kommen sollte und dass man mit einem intensiven Saunagang oder einem speziellen Aufguss mehr erreicht, als wenn man immer mehr „reinpackt“.

 Herz-Kreislauf-Trainingsmaßnahmen

heiss+kalt: Worauf sollte man bei der Reihenfolge beim Saunieren achten? 

Faustregel: Wenn mehrere Saunakabinen zur Verfügung stehen, sollte man sich von den kühleren Temperaturen zu den heißeren „vorarbeiten“ und den Saunatag mit dem heißesten Gang beenden. Mit den niedrigeren Temperaturen zu beginnen, bedeutet einen entspannten Einstieg, dabei kann der Körper sich vom medizinischen Gesichtspunkt aus zunächst vom Alltag regenerieren. Erst dann sollte man den Körper in den heißeren Temperaturen trainieren, danach wieder abkühlen und ruhen. Im richtigen Tempo entsteht so erst ein gutes Herz-Kreislauf-Training, das mit dem heißesten Saunagang oder einem Aufguss enden sollte. 

heiss+kalt: Dieser Rat entspricht übrigens auch dem Badeablauf der römischen Bäder, so dass wir annehmen können, dass den Römern diese balneologischen Aspekte bewusst waren.

 

 

Anwendungen und Co

heiss+kalt: Wann raten Sie in der Abfolge zu Anwendungen, Massagen, Hamam oder Rasul etc.? 

Solche Anwendungen sollte man immer am Ende des Tages durchführen, um dem Körper Gelegenheit zu geben, auf die vielfältigen Reize zu reagieren. Da sind der mechanische Reiz über die Haut, der Wärmereiz, wenn ich da zu viel „draufsetze“, mache ich viel von diesem Erlebnis kaputt. Ich rate hier, einen Saunagang weniger zu machen, wenn ich eine Anwendung dazubuche. Sonst kommt es zu einer Reizüberflutung, die den Körper überfordert. Danach fühlt man sich zwar zunächst wohl, aber der Körper ist „überdreht“, man wird nachts wach und kann zum Beispiel nicht mehr durchschlafen, fühlt sich einfach „gerädert“. 

Vorsicht bei roten Köpfen

heiss+kalt: Was muss bei der Abkühlung beachtet werden? 

Man sollte zunächst immer an der frischen Luft und dann mit dem Schlauchguss, später mit Dusche und Tauchbecken abkühlen. Häufig wird allerdings der Kopf vergessen: Die Leute steigen bis zum Hals ins Tauchbecken, aber der Kopf ist rot und platzt förmlich, das ist auch eine Gefahr für die feinen Gefäße im Kopf. Das Wärmeregulations-Zentrum des Menschen sitzt hinten am Hals und deshalb ist es ist ratsam, das Hinterhaupt mit abzukühlen. Menschen, die man mit puterrotem Kopf in der Sauna sieht, haben meistens vergessen, dieses Wärmezentrum am Hinterkopf abzukühlen. Dies kann auch mit kühlem Wasser geschehen, es muss nicht eiskalt sein. Das hilft den Kopfgefäßen, sich zu entspannen und das Blut wieder herauszudrücken.

 

 

Foto: Caracalla-Therme, Baden-Baden

 

 

 

Quelle: heiss+kalt

 
 
 
 
 
 
     
 
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