Kultur ist Wellness für den Geist
Von Martina Frenzel
Sie liegen vielleicht auf der Ruheliege in einem Wellnessraum, blicken in den schön gestalteten Garten und spüren Ihren Körper, der sich nach der Sauna entspannt und weich anfühlt. Die Seele lassen Sie, wie es so schön heißt, baumeln.
Und was macht der Geist? Sie versuchen „abzuschalten“ und an nichts mehr zu denken außer dem Zwitschern der ersten Vögel im Frühling. Aber kann man den Geist abschalten wie einen Fernsehapparat?
Auf einer Wellness-Tagung sagte neulich ein Teilnehmer treffend: „Ja, und wenn man dann drei Tage im Wellness-Hotel so liegt und entspannt, dann denkt man plötzlich an die Eheprobleme, und dann fängt der Stress erst richtig an.“ Hhmm, da hat dann wohl das Abschalten nicht richtig geklappt? Die Schlussfolgerung: Ausschließlich durch Abschalten kann für den Geist kein Einklang, keine Harmonie mit den anderen beiden im Bunde, Körper und Seele, entstehen.
Was aber können wir tun, um den Geist ähnlich zu pflegen wie wir es mit dem Körper tun? Unseren Körper lassen wir schwitzen, wie begießen ihn mit kaltem Wasser, wir reiben ihn ein oder lassen ihn massieren. Aber was tun wir für den Geist? Nur Abschalten scheint da zu wenig zu sein.
Wir lesen vielleicht ein entspannendes Buch. Die Lektüre lässt uns in fremde Welten schweifen, während wir entspannt auf der Liege ruhen. Das wäre also für Körper, Seele und Geist entspannend. Wir können ein Rätsel lösen und dadurch unseren Geist trainieren – man muss das ja nicht unbedingt Gehirn-Jogging nennen.
Kulturelle Genüsse gibt es noch mehr: Theater, Musik oder Kunst sind sowohl Entspannung als auch Anregung für unseren Geist. Vielleicht können wir – so auch geistig entspannt – danach besser über unsere Probleme reflektieren. Denn diese Probleme stehen ja nicht einfach im Weg und müssen nur beiseite geräumt werden. Man muss darüber nachdenken und sie im besten Fall auch lösen.
Wir könnten – auch wenn dies nicht zeitgemäß erscheint – bei geistiger Wellness über Gott und die Welt philosophieren – man muss dabei nicht unbedingt zum Esoterik-Anhänger werden. Im Gegenteil: Vielleicht lesen wir sogar in einer guten Tageszeitung und beschäftigen uns ganz entspannt mit der anstrengenden Welt um uns herum. Das wäre also das Ziel des echten Einklangs: die störenden Dinge wahrzunehmen und die eigenen Probleme anzugehen und zu bearbeiten.
Kultur kann helfen zu sehen, anders wahrzunehmen und neue Zusammenhänge zu verstehen. Und was ist Kultur eigentlich? Dieser Frage gehen wir auf Seite … nach.
Kultur und Wellness hängen eng zusammen: Schon in den Thermen der Römerzeit gab es Theater und Bibliotheken. In den ersten Kurorten zu Goethes Zeiten wurden Kurtheater und Kurorchester zur festen Einrichtung, Kurorte wurden zum Treffpunkt der geistigen Elite und Auseinandersetzung.
Aber passt auch jede Art von Kultur zu Wellness? Ist Wellnessmusik beispielsweise echte Kunst oder nur einfach preisgünstig zusammengeschusterte Computermusik?
Franz Zipperer geht dieser Frage auf Seite 14 nach. Den Kulturschaffenden im Wellnessbereich Micky Remann haben wir auf Seite 15 interviewt. Er ist der Erfinder von „Liquid Sound“, was weit mehr bedeutet als Unterwassermusik.
Alle Texte sowie alle Saunabäder und Thermen finden Sie auf sauna-fuehrer.com.
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