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Kochkunst der Liebe

Aphrodisische Speisen sind auch gesund

Ich hab dich zum Fressen gern! sagen wir, oder: Ich möchte Dich vernaschen! Viele sind davon überzeugt: Liebe geht durch den Magen. Kurz und gut: Kochkunst und Liebeskunst haben einiges miteinander zu tun. Schon das Baby erfährt ja die Liebe der Mutter direkt durch die Milch, die Ernährung, in einer Phase, die Freud die „orale“ nannte. Der Kontakt zur Mutter ist dabei genau so wichtig wie die lustvolle Ernährung durch die lebensspendende Milch.

Bei aphrodisierenden Speisen wird diese Verbindung neu stimuliert und kultiviert. Seit Beginn der Menschheit entwickelten sich Mythen und Volksglauben, wurde geforscht, Medikamente wurden entwickelt. Schon bei den Römern gab es Kräuter-Pillen mit ähnlicher Wirkung wie das heute allseits bekannte Viagra, das aus chemischen Substanzen besteht. Das Wissen um viele natürliche Mittel ging verloren und wird heute – wie die Naturheilkunde überhaupt– neu entdeckt.

Woher stammt der Begriff „Aphrodisiakum“?

Das Wort „Aphrodisiakum“ geht auf einen Mythos der alten Griechen zurück. Die Göttin Aphrodite, Sinnbild für Liebe und Schönheit, besaß – so hieß es – einen Zaubergürtel, der alle erdenklichen Mittel erhielt, um die erotische Lust und Sinnlichkeit zu steigern. Aphrodisiaka sind ihre Liebesmittel. Natürlich kennt jeder die inspirierende Wirkung eines guten Essens – wenn man verliebt ist oder jemand anderen verliebt machen möchte. Bei den Aphrodisiaka gibt es zahlreiche spezielle Lebensmittel, Früchte, Gemüse, Gewürze, Kräuter und Tees – oder sogar Mittel aus Tier-Organen, auf die wir hier nicht weiter eingehen wollen – die auf die eine oder andere Art erotisierend wirken sollen.

Aphrodisierende Speisen sind auch gesund

Warum wir uns hier im Umfeld von Wellnessthemen mit diesem Thema beschäftigen, ist ganz einfach: Gesundheit soll ja Spaß machen, und sich mit dem Thema Aphrodisiaka zu beschäftigen, macht wirklich Spaß! Überraschen Sie ihre Liebste oder Ihren Liebsten mit einem 3-Gänge-Menü, bei dem der Genuss schon beim Einkaufen und Kochen anfängt. Auf einem Markt oder im Gemüsegeschäft an den Kräutern und am Gemüse zu riechen, bereitet genauso Vergnügen wie der Duft der Gewürze, Früchte und Speisen, der durch die Wohnung zieht. Alle Sinne werden so geweckt: Riechen, Fühlen, Schmecken und sicher auch die Farben und Formen der Speisen sehen! Was für ein wunderbarer Anfang für einen Abend zu zweit …

Isabel Allendes Buch „Aphrodite – Eine Feier der Sinne“ enthält viele Rezepte, Anekdoten und Gedanken zum Thema. Sie schreibt: „Eine gut durchdachte Mahlzeit ist ein langes Crescendo, es beginnt mit den sanften Noten der Suppe, dann folgen die zarten Arpeggien der Vorspeise, es gipfelt in den Trompetentönen des Hauptganges, und den Schluss bilden die lieblichen Akkorde der Nachspeise. Der Verlauf ist dem des Liebens mit Stil vergleichbar …“ Zeit spielt dabei eine wichtige Rolle: „Hast in der Liebe hinterlässt ein zorniges Brennen in der Seele, und Hast beim Essen greift die Verdauungssäfte an.“

Hier einige Beispiele aphrodisierender Speisen, von denen sicher schon viele auf Ihrem Speisezettel vorkommen: Ananas, Artischocke, Avocado, Banane, Basilikum, Erdbeeren, Estragon, Fenchel, Ingwer, Kaffee, Kardamom, Karotten, Kaviar, Knoblauch, Mohn, Petersilie, Safran, Sellerie, Spargel, Vanille, Zimt – um nur einige bekannte zu nennen.

Wir wirken Aphrodisiaka aus der Natur?

Die interessante Lektüre zu diesem Thema zeigt große Unterschiede dessen auf, was bei den natürlichen oder nicht synthetischen Stoffen wie wirken soll. Alle Autoren beschreiben jedoch die Unterschiede, die zwischen einer rein psychologischen Wirkung und einer direkt medizinischen oder pharmakologischen Wirkung bestehen. Hier eine Aufgliederung von Alberts/Mullin (Aphrodisiaka aus der Natur):

Tonisierende (das heißt stärkende) Wirkung

„Leicht verdauliche Nahrung und proteinreiche Kost sollen den Körper beleben und stärken ohne ihn durch allzu fettreiche Kost müde und träge werden zu lassen.“ (Alberts/Mullin). Zu dieser Gruppe gehören die meisten Früchte, Gemüse oder Gewürze, die in den Lexika und Kochbüchern genannt werden von Granatapfel über Spargel bis hin zu Safran. Lassen Sie sich von diesen Speisen inspirieren.

Wirkung auf Blutdruck und Gefäße

Die meisten synthetischen, aber eben auch manche natürliche Substanzen wirken auf Blutdruck und Gefäße und haben durchblutungsfördernde, die Herztätigkeit anregende Wirkung. Die Wirkung auf Männer und Frauen ist dabei unterschiedlich, bei Frauen werden muskelrelaxierende, krampflösende Mittel (die oft auch bei Menstruationsbeschwerden helfen) wie Mohn oder Safran empfohlen. Auch gefäßverengende Mittel wie das Ephedrakraut oder Damian wurden traditionell Frauen empfohlen. Durchblutungsfördernd und stimulierend ist beispielsweise Yohimbe, das für Männer empfohlen wurde.

Wirkung auf Blase und Niere

Gerade Mittel, die aus dem Volksmund bekannt sind, wirken harntreibend und auf diese Weise stimulierend (wobei diese Wirkung sicher Geschmacksache ist), dazu gehören Sellerie, Ananas oder Gartenkürbis. Dass Sellerie beispielsweise außerdem entwässernd, blutreinigend und allgemein stärkend wirkt, ist für Wellnessfreunde sicher eine angenehme Begleiterscheinung. Bei den stark wirksamen Kräutern sollte jedoch auch immer auf die Nebenwirkungen geachtet werden.

Wirkung der Formen und Farben

Manche Formen sollen inspirierend auf die Psyche wirken wie Spargel oder Muscheln, Gurken oder Möhren, andere sollen inspirierend durch Geruch, Geschmack oder ihre Beschaffenheit wirken.

Wirkung auf die Hormone

Last but not least gibt es einige wenige Naturmittel, die auf die Hormone wirken. So soll der Duftstoff „Pheromon Androstenol“, der im Trüffel enthalten ist, dem sexuellen Lockstoff von Mensch (und Schwein) entsprechen und so erregend auf Männer und Frauen wirken.

Aphrodisiaka damals und heute

Wer die eigenen Sinne (nicht nur für die Liebe, aber auch für die Liebe) schärfen möchte, kann bei der Beschäftigung mit den genannten Speisen und Gewürzen viel Neues erfahren. Gerade heute, wo zunehmend mehr Fertiggerichte konsumiert werden, kommt man so wieder zu den Wurzeln unserer Ernährung und damit auch zu unseren Wurzeln zurück. Gewürze und Gerichte zu entdecken ist fast wie eine geheimnisvolle Welt zu entdecken, die uns verlorengegangen war.

Natürlich ist die tonisierende Wirkung gerade unter Gesundheitsaspekten am wichtigsten, in vergangenen Jahrhunderten war sie aus anderen Gründen lebenswichtig. „Historisch ist der aphrodisische Ruf dieser Nahrungsmittel nicht zuletzt auch durch Erfahrungen des Mangels begründet. Gemüse und Früchte gab es in den langen kalten Wintern vergangener Jahrhunderte nicht. Jagdrechte für Fische und Wild hatten nur wenige privilegierte Grundbesitzer. Gewürze waren teuer, selten und ebenfalls nur wenigen vorbehalten – kein Wunder, dass diese wichtigen Vitamin- und Proteinquellen als kräftigend für Leib und Liebe gepriesen wurden!“ (Rätsch/Müller-Ebeling, Lexikon der Liebesmittel).

Doch was früher den Wohlhabenden vorbehalten war, bietet heute jeder bessere Supermarkt.

Wer die Sinne anregen möchte, kann – egal ob Mann oder Frau – in der eigenen Küche damit anfangen! Unten finden Sie eine Liste empfehlenswerter Bücher. Zahlreiche so genannte „Liebeskochbücher“ bieten allerdings nur leckere Rezepte und wenig Hintergrundwissen zum Thema. Um so mehr stimulieren in diesen „Liebeskochbüchern“ die ansprechenden Fotos oder die phantasievolle Aufmachung.

 

 Liebe die Liebe!

 

Liebe – was ist das eigentlich?

Wer sich diese grundsätzliche Frage stellen möchte und Bereitschaft zur Muße hat, der wird bei dem Klassiker von Peter Lauster „Psychologie der Liebe“ fündig. Ein Buch, das mehr zum philosophischen Denken anregt, als dass es Beziehungsprobleme lösen hilft. Wohlgemerkt: Es geht um das Gefühl der Liebe als ein höheres Gut und nicht um erotisches Begehren. Ob er sich auf Psychologen und Psychoanalytiker beruft oder auf Philosophen von Platon bis Erich Fromm, man kann beim Lesen über sich und das Leben nachdenken.

 

Hat das jetzt etwas mit Wellness zu tun? Erstaunlicherweise: ja. In manchen Kapiteln werden Assoziationen wach zu dem, was von den Wellness-Experten als wellnessorientierter Lebensstil gilt. Lauter schreibt: „Liebe erfordert Zuwendung, Offenheit, sinnliche Wahrnehmung, Stille des Denkens und Bereitschaft zur Kontemplation“. Und die Empfindsamkeit der Sinne ist es, die stark sein muss, um das Gefühl der Liebe fühlen zu können. Lauster nennt dies „Sensitivität“.

Gerade im Wellnessbereich will man heute die Sinne wieder schärfen, will den Körper spüren, Hitze und Kälte, will sehen hören, riechen oder fühlen. Denn der Alltag lässt dafür oft keine Zeit übrig. Kritisch meint Lauster: „Alles dreht sich um die Probleme Konsum, Arbeit, Leistung, etc., und die Liebesfähigkeit stumpft ab. …Die Liebesfähigkeit lässt nach mit der Unfähigkeit, mit den Sinnen neu und frisch wahrzunehmen.“ Die Experten im Wellnessbereich und die Angebote für Körper, Geist und Seele können vielleicht dazu beitragen, die Sensitivität zu schärfen und mit Ängsten bewusster umzugehen. Oft werden ja gerade Ängste in Betriebsamkeit, Alkohol oder Medienkonsum ertränkt.

 

Und noch ein anderer Begriff erweckt Assoziationen zu Wellness: der Begriff der Meditation.

„Liebe ist Meditation – Für das Erfahren und Erlernen der Meditation ist kein indischer Guru erforderlich, denn jeder kann in einen meditativen Zustand gelangen, wenn er innerlich ruhig wird, sich entspannt und die Tretmühle der kreisenden Gedanken nach und nach abschaltet. … Damit sich Liebe ereignen kann, muss der Verstand mit seinen Bewertungen still werden. Das ist das Problem für die meisten Menschen: Sie werden vom Verstand beherrscht, der sie versklavt und nicht zur Ruhe und Offenheit kommen lässt.“

 

In vielen Wellnesseinrichtungen ist das Bedürfnis nach sogenannter „Esoterik“ spürbar. Es verkörpert die Sinnsuche derjenigen Menschen, die nicht mehr traditionell einer Kirche angehören, und die einen Sinn im Leben suchen. Oft drückt es sich im Wellnessbereich in harmonischen Farben, leiser Musik oder Tees aus, selbst die Aufgüsse kann man als Ritual der Gemeinsamkeit betrachten. Auch wer dies belächelt, muss das Bedürfnis an sich ernst nehmen. Ein Kurs in Yoga, Meditation oder autogenem Training kann helfen, zu sich und zum Wesentlichen zu kommen. Sicher gibt es noch viele weitere Mittel, über die wir schon berichtet haben: Bewegung in der Natur oder im Element Wasser, Spielen oder Musizieren, der Genuss von Kultur – das alles kann helfen „zu sich“ zu kommen und damit auch zum anderen. Die Weisheit ist banal: Wer nicht „zu sich“ kommt, ist auch nicht frei für den anderen.

 

Bilduntertitel: „Nie ist eine Frau so schön wie nach der Sauna“, besagt ein finnisches Sprichwort.

 

Der Teufel steckt im Detail des Alltags

Wie die Liebe im Stress des Alltags und im Einerlei verloren geht, beschreibt auch die Psychologin Ursula Nuber in „ Was Paare wissen müssen – 10 Grundregeln für das Leben zu zweit“. In unzähligen beispielhaften Geschichten können sich Paare selbst entdecken; die Tipps sind praktisch und für jeden umsetzbar. Viele Faktoren werden beschrieben: das Bedürfnis nach Abgrenzung oder die Fähigkeit, den Partner als „anders“ wahrnehmen zu können oder auch die gesellschaftlichen Umstände, die eine gleichberechtigte Partnerschaft gerade zwischen Partnern Kindern erschweren. Und dann steckt der Teufel gerade im Detail des Alltags.

 

Wie ein schönes Möbelstück …

 

Im Kapitel „Liebe ist achtsam und respektvoll“ heißt es: „Wenn Paare einander für selbstverständlich halten, dann nehmen auch die Respektlosigkeiten zu. Das wird vor allem in der Kommunikation zwischen den Partnern sichtbar. Sie äußern sich in einer Art und Weise, wie sie niemals mit andern Menschen sprechen würden. Freunde oder Bekannte hören niemals Äußerungen wie jene, die sie manchmal ihrem Partner zumuten. Sie kritisieren, nörgeln, schimpfen, belehren, bewerten munter drauf los und machen sich lustig über den anderen.“

Wenn Sie sich in einem der folgenden Beispiele wiedererkennen, dann werden sie sicher viel Spaß und Erkenntnis an Nubers Buch haben. „Folgende Kommunikationsfehler passieren, wenn man dem Partner nicht genügend Respekt entgegenbringt: „Trink nicht so viel heute abend!“ (bewertend), „Du hörst mir nie zu“ (jammernd), „Hör endlich auf fernzusehen“ (autoritär), „Als Familienvater solltest du wissen, was sich gehört“ (moralisch), „Du bist wie deine Mutter“ (vergleichend), „das hast du doch schon hundertmal erzählt“ (desinteressiert).

 

Ein wichtiger Grund für diese Kommunikationsfehler ist das, was Nuber „Selbstverständlichkeitsfalle“ nennt. Neben vielen anderen hier die wichtigsten Tipps: Die Autorin empfiehlt dem einzelnen Partner, sich immer ausreichend „Ich-Zeit“ zu nehmen (d. h. Zeit, die nur für sich selbst reserviert ist). Sie sei wichtige Voraussetzung, um sich ausreichend abgrenzen zu können und seine Identität in der Beziehung nicht aufzugeben.

 

Und wieder werden Assoziationen zum Wellnessbereich wach. Wie viele Menschen gehen genau deshalb in die Sauna, um hier allein und gleichzeitig unter Menschen zu sein? In Räumen, die Geborgenheit und Harmonie vermitteln, sich von dem Überfluss an Eindrücken zu erholen? Für viele ist ihr wöchentlicher Saunagang der einzige Zeitraum, in dem niemand etwas von ihnen will und sie wirklich entspannen können.

 

Die zweite Empfehlung von Ursula Nuber lautet: Nehmen Sie sich zu zweit Qualitätszeit, das heißt Zeit, die bewusst erlebt wird. Zu viel Zeit geht im Alltag für Organisation, Einkauf, Betreuung, Fernsehen etc. drauf, so dass der andere irgendwann so selbstverständlich wird „wie ein schönes Möbelstück“, wie sie drastisch meint. Qualitätszeit, das kann ein Hobby sein, Spielen, Musizieren, Sport, Tanzen, ein wunderbares 3-Gänge-Menü festlich verzehrt (siehe S. …), Rituale wie „Abends um den Block gehen“ oder Überraschungsrituale, in denen man den Partner/die Partnerin mit einer Einladung/einer Veranstaltung überrascht.

 

Solche Tipps machen Spaß und regen an. Sie finden sich auch in „Das kleine Wohlfühlbuch der Liebe“. Weit weg sind diese Anregungen von Sexshops, Pornographie und Swinger-Clubs. Denn diese dienen vielleicht der Begierde und Erotik, aber sicher nicht der Liebe.

 

Und wer mag, kann in Einrichtungen und Wellnesshotels ausprobieren, ob und wie ein gemeinsam erlebtes Wellness-Erlebnis auf die Beziehung wirkt. Man kann ein Ohrenkerzen-Ritual zu Hause durchführen, kann aphrodisierende Speisen und Düfte genießen oder sich von der Mozart-Oper „Zauberflöte“ inspirieren lassen.

 

Denn in einem sind sich alle zitierten Autoren einig: Liebe ist nicht einfach ein Wunder. Wer Liebe erleben will, muss etwas dafür tun. Hat man das Geschenk erhalten, den oder die Richtige gefunden zu haben, sollte man nicht nur (jeden Abend) dankbar dafür sein, sondern auch gemeinsam versuchen, der „Selbstverständlichkeitsfalle“ und vielen anderen Fallen zu entgehen.