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Den Finnen indes ereilt das blanke Entsetzen. In der Kabine sitzen Nackedeis mit goldenen Halskettchen, Armbändern und Ringen, die in jeder finnischen Sauna festbacken würden. Dafür vermisst er den Aufguss. Und lernt dazu: Den gibt es nur zur vollen Stunde und nur aus der Hand des Bademeisters. Als es soweit ist, atmen alle ganz tief ein. Dem Finnen sind Aufgusszusätze gänzlich unbekannt. Er schnappt nach Luft und beginnt zu husten. Seine Augen tränen. Er möchte die Kabine verlassen – aber er darf ja nicht, so die Regeln. Dem Finnen ist sterbenselend, die Deutschen atmen tief ein und aus. Als der Bademeister mit seinem Handtuch wedelt, sind die Deutschen der Ekstase nahe, der Finne der Ohnmacht. Als stürmischer Applaus einsetzt, flüchtet er in Panik nach draußen.
Nach typisch deutschen Regeln zu saunieren, hält Leidenfrost für „gefährlich“. Entscheidend seien körperliche Verfassung und Tageskondition. Das Gefühl dafür zu entwickeln sei eine Frage des Trainings und der bewussten Wahrnehmung seines Körpers. „Es geht nicht um richtig oder falsch“, betont der Experte, „sondern um das persönliche Wohlbefinden. Alles andere kann kein Ansatz sein für eine positive Einstellung zur Sauna.“ In Finnland diene das Saunieren der Körperreinigung, Entspannung und Kommunikation. Zudem sei es ein Ausdruck von Lebensfreude. „Wir haben nicht 20 Regeln, sondern nur drei: Sauniere so heiß wie du willst; gieße so oft auf wie du willst; bleibe so lang wie du willst.“
In früheren Zeiten war die Sauna in Finnland eine Art Mehrzweckraum: Kinder kamen in der wohligen Wärme zur Welt, Fleisch wurde darin geräuchert und Flachs getrocknet. Die Sauna versprach Labsal nach getaner Arbeit, war ein Raum, in dem man nach einem alten finnischen Sprichwort „schweigen soll wie in der Kirche“. Und groß wie die Schar der Gläubigen in früheren Jahrhunderten ist die Gemeinde der Saunaanhänger noch heute: Das Land hat gut fünf Millionen Einwohner und knapp zwei Millionen Saunen – in Wohnblocks, Einfamilienhäusern und Hotels, in Schwimmbädern und Sporthallen, auf Campingplätzen, in fast jedem Sommerhäuschen. In Finnland sauniert fast jeder – ob jung oder alt – regelmäßig, im Sommer wie im Winter.
Die älteste Form der Finnischen Sauna ist die Rauchsauna: In der Mitte der Saunahütte befand sich eine Feuerstelle und im Hüttendach ein Loch – da konnte der Rauch abziehen. Vom 7. Jahrhundert bis etwa 1920 gab es diese Form der Sauna. Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Saunahütte auch mit Kamin gebaut, und seit 1950 ersetzt ein elektrischer Ofen das Feuer. Die Rauchsauna erfuhr unlängst eine Renaissance: Seit einigen Jahren liegt sie wieder im Trend.
Der Unterschied zwischen finnischen und deutschen Saunagängern besteht laut Leidenfrost darin, dass die gesundheitsbewussten Deutschen vorwiegend saunieren, um sich abzuhärten und Erkältungskrankheiten vorzubeugen. Für einen Finnen ist das kein Grund, in die Sauna zu gehen, sondern eine Folge – er sauniert ja sowieso. Und „wenn der Geist (Wodka), Teer und die Sauna nicht helfen, dann ist die Krankheit tödlich“ (finnisches Sprichwort).
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