Von Martina Frenzel
Louis räkelt sich wie gewohnt auf seiner Saunabank. Nach zwölf Minuten ist ihm wunderbar heiß, genauso gehört es sich für einen echten Saunagänger. Ein ganz normaler Saunatag also, mit einem kleinen Unterschied: Der Sauna-Experte ist ganze vier Jahre alt. Er besucht bereits seit dreieinhalb Jahren die Sauna und kann daher schon ordentlich mitreden.
„Ist dir zu heiß hier drin?“, frage ich ihn. „Nööö …“ Er schüttelt bedächtig den Kopf. Auch beim Abkühlen erweist er sich als echter Profi. Erst unter die angenehm kühle Dusche und dann raus an die frische Luft, zum Schluss noch etwas um das Tauchbecken rumtoben – oder umgekehrt.
Seine neue Saunafreundin heißt Nora, ist drei Jahre alt und wird von ihm schon in die Geheimnisse des „richtigen Saunabadens“ eingewiesen. Nora ist noch etwas schüchtern und schaut mich skeptisch an. Möchte sie fotografiert werden? Da könnte ja jeder kommen! Nora ziert sich zunächst ein wenig, aber nach meinem: „Lach doch mal, Nora“, geht sie perfekt in Position. Ein zukünftiges Foto-Model? Keine Frage
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Babysauna in Monheim
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Louis ist der fünfte Sohn von Gudrun G. aus Monheim. Er ist das erste Kind, mit dem es ihr – selbst leidenschaftliche Saunagängerin – gelingt, regelmäßig den Babysauna-Tag im „mona mare“ zu besuchen. Da wundert es auch wenig, dass Louis selten krank ist. Eine Erfahrung, die viele Eltern machen, die regelmäßig zur Babysauna kommen. Ihren Freundinnen, meint Gudrun G., sei dies einfach zu umständlich und zu anstrengend, sie kämen leider nicht mit.
Obwohl Babysauna-Angebote von den Medien gerne aufgegriffen werden, führen die Angebote für die Kleinen im boomenden Wellnessland Deutschland immer noch ein Schattendasein.
Dabei sind die Erfolge und gesundheitlichen Wirkungen viel versprechend. Reinhard Schreiber, Betriebsleiter in Monheim, hat seine eigenen Kinder frühzeitig an Baden und Saunieren herangeführt. Beide pflegen ihre Vorlieben: Luka, heute neun Jahre alt, mag die Erdsauna, auf der untersten Stufe bei 75 °C, Tochter Lilli liebt die Farblichttherapie im Bio-Bad, sie zählt immer die Zeitintervalle, bis sich die Farben umstellen. Neulich rechneten die glücklichen Eltern einmal nach, Lukas war in vier Jahren Grundschule nur drei Tage krank. „Dabei spielt viel frische Luft und Bewegung natürlich auch eine Rolle“, meint Schreiber, „aber das frühe Saunabaden ist mit Sicherheit ebenfalls ein wesentlicher Faktor.“ Eine Erfahrung, die von vielen Babysauna-Kursleitern bestätigt wird.
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Nacktheit, Wärme und Spaß
„Macht es dir auch Spaß?“ frage ich Louis, er nickt eifrig, Nora setzt noch einmal ihr Lachen auf, extra für mich. Auch beim Babysauna-Kurs in der Niederrheintherme Duisburg steht das Vergnügen der Kleinen im Vordergrund. „Die Babys haben alle einen Riesenspaß, sie sind nackig, es ist schön warm“, erklärt die Kursleiterin Karina Ehrlich, „sie mögen das Plantschen im Wasser und den Hautkontakt. Zu Beginn jammern sie vielleicht ein bisschen, aber spätestens beim dritten, vierten Saunagang sind sie gut drauf.“ Bei Deutschlands Babysaunen gehören programmatische Aspekte inzwischen zum Standard. Da werden Bücher und Spielzeug hingelegt oder auch mal Kinderlieder gesungen. So kommt Langeweile gar nicht erst nicht auf. Wer hier tobt und planscht, hat auch zu Hause keine Angst mehr vor Wasser, lernt später auch schneller Schwimmen. Ein großer Vorteil für die Heranwachsenden. Babysauna wird oft mit Babyschwimmen verbunden. Dies wird umso wichtiger, als Deutschlands Kinder immer seltener Schwimmen lernen, die Zahl der Nichtschwimmer steigt. (heiss+kalt wird in den kommenden Ausgaben darüber berichten).
Und wie komme ich an eine Babysauna? In vielen (Sauna-)Bädern und Thermen gibt es Babysauna-Angebote, entweder als Kurse im 10er-Pack oder als offenes, betreutes Angebot mit eigenem Tarif. Einführung ist überall gewährleistet. „Der erste Besuch“ meint Reinhard Schreiber, „ist entscheidend, das Personal muss gut ausgebildet sein. Wir führen die Babys ganz langsam an die Umgebung heran und zeigen ihnen alles. Babys müssen an das Licht und die Geräusche in der Badumgebung gewöhnt werden. Ist der Anfang erst mal gemacht, kann nicht mehr viel schief gehen.“
Voraussetzung ist, das Baby ist mindestens vier Monate alt, hat die Vorsorgeuntersuchung U4 gut absolviert und ist am Tag der Babysauna gesund. Dann ist es eigentlich gar nicht so kompliziert: Die gleiche Reihenfolge wie bei den Großen wird empfohlen, nur alles eben softer. Die Sauna wird auf 60 oder 70 °C aufgeheizt, nur untere Bänke werden benutzt und von Aufgüssen wird wegen möglicher allergischer Reaktionen meist abgesehen. Danach geht es an die frische Luft: Nur der empfindliche Kopf des Babys sollte bedeckt sein. Entweder sind die Duschen lauwarm oder eine Wanne wird als „Tauchbecken“ mit 28 °C angeboten.
Und wenn die Kinder schon älter sind? „Kinder machen es intuitiv richtig, Erwachsene häufig falsch“, scherzt Reinhard Schreiber. „Erwachsene überschreiten häufig ihre Grenzen. Kinder verlassen dagegen die Sauna, wenn ihnen zu warm ist, und wenn es ihnen im kalten Becken zu kühl wird, gehen sie erneut in die Kabine.“ Kinder haben eben noch das Körpergefühl, das die „Großen“ durch kostspielige Wellness-Angebote neu lernen müssen.
Kinder werden größer ...
Wo können Kinder in die Sauna gehen, wenn sie für die Babysauna zu alt sind?
In einigen großen Bädern gibt es eine eigene Familiensauna, in anderen, beispielsweise im Badeland Wolfsburg werden Kinder nach dem Babysauna-Kurs direkt ins Saunaleben integriert – und das zu einem günstigen Preis.
Warum sind Kinder- und Babysauna-Angebote immer noch so selten? Dies weiß Inka Brasch vom Badeland Wolfsburg. „Es gibt leider immer noch Kinderärzte, die dies wegen angeblich zu hoher Belastung des Kreislaufs nicht befürworten. Über Babyschwimmen gibt es schon viel mehr Statistiken und Untersuchungen, das fehlt im Bereich Babysauna noch, man arbeitet aber daran. Dabei ist gerade bei den häufiger werdenden Kinderkrankheiten die frühe Stärkung des Immunsystems angesagt.“
Dagegen fühlen sich in wellnessorientierten Thermen die erwachsenen Wellness-Hungrigen durch Kinderlärm gestört. Der Eintritt für Kinder wird dann auf Erwachsenen-Niveau angehoben oder Kinder ganz ausgeschlossen.
Da ist es natürlich praktisch, zu Hause eine kleine Sauna anbieten zu können wie es in Finnland üblich ist oder im Urlaub ein Wellness-Hotel mit Kinderangebot zu buchen. Da das Thema Gesundheitsvorsorge auch für Kinder immer wichtiger wird, wäre zu begrüßen, wenn Saunabaden für Kinder überall einfach und kostengünstig möglich wäre. In diesem Punkt war man in der ehemaligen DDR schon weiter: Viele Kindertagesstätten hatten eigene Saunabäder. Es existieren heute noch Aufzeichnungen, dass die Kinder durch Saunabaden weniger erkrankten. Ein Vorbild, das auch bei uns Schule machen sollte? Eine Forderung, der sich Nora und Louis sofort anschließen.
Quelle: heiss+kalt
Copyright: Martina Frenzel, wellness&media
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